Hilfe zur Selbsthilfe - Hoffnung für HIV-Positive
Aidskranke und deren Angehörige in afrikanischen Ländern leben unter extrem schwierigen Bedingungen. Kinder dieser Familien sind häufig sich selbst überlassen und leiden unter der Stigmatisierung ihrer Umgebung. Das Gefühl, nicht allein mit einer Krankheit zu sein, ist für viele Betroffene enorm hilfreich. Plan unterstützt daher die Arbeit von Selbsthilfegruppen wie zum Beispiel von "Tumaini Letu" im kenianischen Programmgebiet Kwale.Im Bezirks-Krankenhaus von Kinango im Süden Kenias treffen wir auf die Mitglieder der HIV/Aids-Selbsthilfegruppe "Tumaini Letu" - auf Deutsch: "Unsere Hoffnung". Dicht sitzen sie zusammen, alle sind HIV-positiv. Mit Tränen in den Augen macht die 50-jährige Rehema Kalumu, von allen Mama Rema genannt, deutlich, dass diese Krankheit das soziale Todesurteil in Kenia bedeutet. "Manche denken, sie infizieren sich, wenn sie neben einem sitzen oder uns nur berühren", erzählt sie. Unwissenheit sowie die Weigerung der Männer, Kondome zu benutzen, führen zur Ausbreitung der Krankheit. Viele Betroffene verschweigen sie und bringen so weitere Menschen in Gefahr.
Austausch und Trost
Die HIV-Infektionsrate in Kenia liegt bei etwa 7,4 Prozent. Trotz aller Widrigkeiten haben die Mitglieder von Tumaini Letu den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt und sich vorgenommen, eine weitere Ausbreitung der Pandemie in ihrem Bezirk zu verhindern. "Ich dachte erst, alles ist vorbei, und ich bin ganz allein. Aber nun sind wir doch so viele", sagt Elizabeth, ein weiteres Mitglied. 35 Personen gehören mittlerweile zur Gruppe, 33 von ihnen sind Frauen. Unter ihnen sind viele Witwen, die Kinder bereits verstorbener Eltern angenommen haben.
Gemeinsam an die Öffentlichkeit
Schon seit über einem Jahr treffen sich die Mitglieder von Tamaini Letu regelmäßig. Sie tauschen sich aus, spenden sich gegenseitig Trost und planen weitere Schritte. Das Krankenhaus in Kinango hat ihnen einen Raum zur Verfügung gestellt. Außerdem haben alle Gruppenmitglieder Zugang zu lebensverlängernden Medikamenten - in Kenia nicht selbstverständlich. Gemeinsam kämpfen die Frauen gegen Unwissenheit, falsche Scham und Ausgrenzung von Kindern und Familien. Sie machen Sexualität zum öffentlichen Thema und leiten Jugendliche an, ihre Altersgenossen über HIV/Aids und Verhütung zu informieren. Und nicht zuletzt: Sie helfen jedem, bei dem die Krankheit bereits ausgebrochen ist.
Ausbildung zur Krankenpflegerin
Elf Frauen aus der Selbsthilfegruppe wurden von Plan als ambulante Pflegerinnen ausgebildet, denn nur wenige HIV-Infizierte suchen die Klinik auf, wenn die Krankheit ausbricht. Der Weg dorthin ist zu weit und der Körper oft schon zu geschwächt. Die Patienten sterben meist zu Hause. Dort wird der Einsatz der Selbsthilfegruppe "Tumaini Letu" dringend benötigt. In gezielten Fortbildungsmaßnahmen wurden die Mitglieder von Plan-Mitarbeitern in der Pflege geschult und auf den Umgang mit den Kranken vorbereitet. Nun zeigen sie den Angehörigen, wie Aidskranke gepflegt werden, kümmern sich um die Waisenkinder und betreuen Sterbende in ihren letzten Lebenswochen.
Hilfe auf Rädern
Ausgestattet mit so genannten "Home-based Care-Kits" – eine Art Pflegekoffer – sind die Frauen vor Ort unterwegs. Enthalten sind Holzspachtel zur Reinigung der Mundhöhle, Verbandsmaterial, Kondome und Schmerztabletten. Außerdem wurde die Gruppe von Plan mit fünf Fahrrädern ausgerüstet, so dass die Pflegerinnen auch weiter entfernt lebende Aids-Kranke und ihre Angehörigen in der Umgebung versorgen kann. In Kinango wird niemand allein gelassen. Dafür sorgt "Tumaini Letu".
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