Vor Schreck erst mal weggerannt
Die Idee, ihr Patenkind Bether in Sambia zu besuchen, beschäftigte Karin Neumann aus Stuttgart schon länger. Im Oktober endlich war es soweit. Im Anschluss an eine Rundreise durch Botswana ging es – zusammen mit ihrem Mann – weiter nach Mazabuka, wo die neunjährige Bether mit ihrer Mutter lebt. Karin Neumann berichtet:Während der Fahrt durch Mazabuka genossen wir die hügelige Landschaft und das erste zarte Grün, Zeichen der nahenden Regenzeit. Diese Gegend ist in Sambia das Hauptanbaugebiet für Zuckerrohr. Im Plan-Büro von Mazabuka wurden wir von den Plan-Mitarbeiterinnen Cosmos und Naomi und dem Fahrer begrüßt. Nach einem Zwischenstopp im Supermarkt ging es - bepackt mit 25 kg Maismehl, 10 kg Zucker sowie Waschmittel und Seife - weiter über eine unbefestigte Straße. Endlich deutete Cosmos auf einige Hütten: "Da lebt Bether!" Ich war aufgeregt: Ob ich sie wohl gleich erkennen würde? Schließlich hatte ich nur ein altes Foto von meinem Patenkind. Als wir die Hütten erreicht hatten, löste sich eine Frau aus der Gruppe und fing an, vor unserem Auto zu tanzen. "Das ist Felidah, Bether’s Mutter", erklärte uns Cosmos.
Schüchterne Begrüßung
Kaum waren wir ausgestiegen, kam Felidah auf uns zu und umarmte uns herzlich. Ich erkannte Bether sofort. Als ich auf sie zuging und sie in ihrer Sprache Tonga fragte, wie es ihr gehe, stieß sie einen Schrei aus und rannte davon. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wir die ersten Fremden waren, die zu Besuch kamen. Die anderen Kinder und Frauen lachten und Bethers Mutter holte sie zurück. Man brachte kleine Stühle, auf die wir uns setzen konnten. Wir waren umringt von Kindern aller Altersgruppen und ihren Müttern. Langsam hatte sich auch Bether vom ersten Schreck erholt - und als ich ihr die mitgebrachten Kleider und einen Hut überreichte, lächelte sie.
Deckchen aus Bonbonpapier
Felidah freute sich sehr über die Lebensmittel und über ein großes Tuch von mir. Sie entschuldigte sich, dass sie uns außer Maisbrei nichts zum Essen anbieten könne. Nach dem Tod des Vaters vor zwei Jahren wohnt Bether mit ihrer Mutter allein in einer kleinen Hütte. Sie schlafen zusammen in einem Bett, die wenigen Kleider hängen an Haken an der Wand. Zwei Sessel und ein winziger Tisch, mehr passt nicht hinein. Aus Bonbonpapier näht die Mutter kleine Deckchen. Deren Verkauf sind ihre einzige Einnahmequelle. Besonders stolz ist Felidah auf ihren kleinen Gemüsegarten, in dem mangels Bewässerung Tomaten nur kümmerlich wachsen. Immerhin gibt es dank Plan in etwa zehn Minuten Entfernung eine Pumpstation für Wasser.
Freude beim Memory-Spiel
Für die Kinder hatten wir Spielsachen mitgebracht: einen Fußball, einen Frisbee und ein Memory-Spiel. Alles wurde mit Begeisterung aufgenommen und ausprobiert. Mit Hilfe von Plan-Mitarbeiterin Cosmos erklärte ich Bether das Memory-Spiel. Unter den neugierigen Augen der anderen Kinder probierten wir es gleich zusammen aus. Es gab aufgeregte Rufe, wenn Bether oder ich ein falsches Kärtchen aufdeckten. Von Bethers Mutter erfuhren wir, dass alle Dorfbewohner zu Beginn der Regenzeit von Plan Moskitonetze bekommen. Malaria ist in Sambia ein großes Problem. Felidah beklagte den Verlust ihrer Ziege. Cosmos erzählte uns, dass Plan ein Projekt startet, das den Menschen Haustiere zuteilt, zum Beispiel Ziegen. Wenn die Tiere Junge bekommen, werden diese weitergegeben.
Ein Bild zum Abschied
So verbrachten wir etwa zwei Stunden. Dann hieß es langsam Abschied nehmen. Bether schenkte mir noch selbstgemalte Bilder, worüber ich mich sehr freute. Alle Kinder standen zusammen und verabschiedeten sich mit heftigem Winken und bye-bye. Nach der Fahrt zurück über die Schlaglochpiste und der Besichtigung von Bethers Schule ging es zurück ins Büro nach Mazabuka. Die Mitarbeiter bedankten sich für unseren Besuch und das Interesse, das wir Bether und der Arbeit von Plan entgegenbrachten. Diese Begegnung werde ich nicht vergessen. Sie hat mich darin bestärkt, dass meine Patenschaft für Bether wichtig ist und ihr durch den Schulbesuch der Weg in eine bessere Zukunft ermöglicht wird.



