02.11.2011

Nepal

Zu Besuch in Nepal

Stifterinnen und Stifter besuchten im Oktober neun Tage lang Projekte von Plan in Nepal – vor allem das inzwischen sehr bekannte Projekt der Kamalari-Mädchen. Marita und André Warner aus Berlin berichten von ihren Eindrücken vor Ort.

Unvorstellbar! Die eigene Tochter an Fremde verkaufen – für ca. 40 Dollar im Jahr? Bei der Stifterreise nach Nepal wollten wir uns mit eigenen Ohren und Augen davon überzeugen und konkret vor Ort erfahren, wie Plan diese grausame Tradition schrittweise aus der Welt schafft. Neugierig waren wir auch auf die anderen Plan-Projekte, die im Programm standen. Wir fragten uns, wie werden wir wohl in einer Woche über alles denken und fühlen?


Herzlicher Empfang überall

Bevor wir die Gemeinden in den Projektgebieten erreichten, erwartete uns das Abenteuer pur: Es ging mit Bus oder Jeep im wahrsten Sinne über Stock und Stein, stundenlanges Durchschütteln, Durchqueren von Bach- und Flussläufen am laufenden Band. Nachdem alle Knochen weh taten, kam dann aber die Belohnung: Schon von weitem waren die Menschen in ihren Festtagskleidern zu sehen. Wir wurden überhäuft mit Blumenketten, Blumensträußen, Blütenblättern  und wir wurden  mit der Tika, dem berühmten roten Punkt auf der Stirn, gesegnet. Ab und zu kamen ältere Menschen auf uns  zu und schüttelten uns die Hand – was völlig unüblich in Nepal ist – um ihre Dankbarkeit zu zeigen. Gerührt nahmen wir diese herzlichen  Begrüßungen entgegen.


Begegnungen mit ehemaligen Kamalari-Mädchen
Sie hatten das Glück, schon befreit worden zu sein von ihrem Sklavenleben. Wir sprachen mit weit über 100 Mädchen. Einige von ihnen sehr selbstbewusst und energiegeladen, anderen waren ihre schlimmen Erfahrungen in ihren jungen Jahren deutlich anzumerken. Ein Mädchen zum Beispiel war ab ihrem vierten Lebensjahr zehn Jahre lang als Kamalari tätig, bevor sie dann endlich ein normales Leben beginnen konnte. Aber alle Mädchen waren ausgesprochen neugierig und wissbegierig. Sie stellten Fragen, wie wir so leben und warum wir sie unterstützen. Sie stürzten sich auf unsere Fotos über unsere Familie, die wir eher zufällig bei uns hatten.


Weichenstellung für ein selbstbestimmtes Leben

Auch Urmila Chaudhari lernten wir direkt kennen. Die große Aktivistin gegen die Kamalari-Praxis war selber 12 Jahre lang als Kamalari-Mädchen tätig. In ihrem Buch "Sklavenkind" beschreibt sie plastisch diese Jahre ihres Lebens und ihre Befreiung. Die nepalesischen Plan-Mitarbeiter zeigten uns eine breite Palette, wie die Mädchen und ihre Familien unterstützt werden, zukünftig ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Wir besuchten einen Schönheitssalon, den zwei Mädchen führten. Andere Mädchen oder ihre Eltern führten Läden mit Kosmetikartikeln, Schmuck und Artikeln des täglichen Bedarfs sowie Tea Shops.

 

Perspektiven für die Zukunft

Familien bekamen Schweine, Ziegen oder Hühner, um sich selbständig zu machen. 28 Mädchen hatten gerade die zehnte Schulklasse erfolgreich abgeschlossen, und wir durften ihnen die Ehrenurkunden persönlich überreichen. Uns beeindruckten die vielfältigen praktischen Maßnahmen, den Mädchen und ihren Familien eine selbständige Lebensperspektive zu geben, und der Elan dieser Menschen, ihre Lebensgrundlage eigenständig in die Hand zu nehmen.


Hilfe bei der Selbsthilfe im Fokus
Weitere Plan-Projekte hielten den Spannungsbogen aufrecht. Wir sahen die Fortschritte des Schulbaus in einem Bergdorf. Hier begrüßte uns das ganze Dorf mit einem großen Fest. Etwa 2.000 Bewohner hießen uns mit Musik, Tanz und typischen Gerichten willkommen. In einem anderen Bergdorf wurde das neue Wassersystem besichtigt, das erspart, das Wasser aus 2,5 Kilometer Entfernung berghoch zu schleppen. Uns wurde genau erklärt, wie dieses System von der Gemeinde dauerhaft erhalten und gepflegt wird.

 

Beteiligung auf allen Ebenen

In Clubs organisieren sich viele Kinder, um an ihren Problemen und denen ihrer Gemeinden zu arbeiten. Engagiert präsentierten diese Kinder ihre Arbeit und ihre Visionen über ihre Zukunft. In einem Club wurden wir für eine Radiosendung der Kinder-Clubs interviewt – alles von den Kindern selbst organisiert. Über 600 dieser Clubs gibt es in den Programmgebieten von Plan in Nepal.

 

Wir lernten ein Trainingsprogramm für Mädchen über die Gestaltung ihrer zukünftigen Berufs- und Familienlebens kennen. Wir besuchten eine Frauenkooperative mit einer kleinen eigenen Sparkasse für diese Frauen – hier gab es noch das handgeschriebene Kassensparbuch für jede Frau, das akkurat geführt wurde. Bei einem Zinssatz von 14 Prozent räsonierten einige von uns, doch hier lieber ihr Geld anzulegen. Deutlich wurde überall die Plan-Strategie: zunächst die konkrete Beteiligung der Gemeinde, der lokalen NGOs und der zuständigen Behörden sichern, bevor Plan seine Beteiligung zusagt.

 

Ansporn für weiteres Engagement
Wir sind beeindruckt. Das hatten wir in diesem Umfang und in dieser Tiefe doch nicht erwartet: In welcher Vielfalt Plan diesen Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt eine neue Perspektive eröffnet und gemeinsam mit diesen Menschen realisiert wird. Wir haben viele engagierte Menschen in Nepal kennengelernt, denen wir eine erfolgreiche Zukunft wünschen.  Diese Reise hat uns die Augen und die Herzen weit geöffnet für das, was wir vorher nur theoretisch kannten, und für das wir jetzt unser Bewusstsein schärfen konnten. Die Reise gab uns den Ansporn, unser Engagement zu vertiefen.

 

Interesse, daran selbst eine Stiftung zu gründen? Weitere Informationen dazu gibt das Plan Stiftungszentrum.  

 

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