Liberia
Wie geht es den ivorischen Flüchtlingen in Liberia?
Nachdem es Ende 2010 an der Elfenbeinküste zu gewaltsamen Ausschreitungen kam, flohen rund 150.000 Ivorer nach Liberia. Plan bietet sichere Orte zum Lernen und Spielen.In den Bezirken Nimba und Grand Geneh im Osten Liberias leben seit Monaten zum Teil vier bis fünf Mal mehr ivorische Flüchtlinge als Einheimische. Nach den Unruhen in ihrem Heimatland sind viele von ihnen nur mit dem, was sie am Leib hatten, über die benachbarten Grenzen geflohen. Plan leistet Soforthilfe, betreut traumatisierte Kinder und ermöglicht Schulunterricht. Ein bisschen Alltag für die Jungen und Mädchen, das gibt ihnen Sicherheit.
Wie geht es den Kindern und ihren Familien, die seit Monaten in den liberianischen Gemeinden leben? Viele der Flüchtlinge berichten von den Kämpfen und ihrer hastigen Flucht nach Liberia, oft wissen sie nicht, ob und wann sie zurückkehren können in die Elfenbeinküste. Eine von ihnen ist Diane. Die 22-jährige Mutter von fünf Kindern lebt seit Juli 2011 in Pouh. Bei den Unruhen wurde sie von ihrem Mann getrennt und verschleppt. Als sie befreit wurde, floh sie über die Grenze nach Liberia. Die Kleider, die sie trägt, hat sie von einer Frau aus der Gemeinde geschenkt bekommen.
"Ich wusste nicht, wo mein Ehemann ist. Jemand erzählte mir, er sei entweder gestorben oder in den Wäldern untergetaucht. Also nahm ich meine Kinder und rannte. Wir liefen zwei Tage durch den Wald zur Grenze, als wir dort ankamen, überquerten wir mit einem Kanu den Fluss. In Liberia fing ich an, meinen Mann zu suchen und fand ihn letztendlich hier wieder", berichtet Diane. "Ich habe so viel Leid erlebt, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen. Ich glaube, der Rest meiner Familie ist noch in der Elfenbeinküste, aber ich weiß es nicht. Ich kann nicht zurückkehren und ich will nicht. Lieber bleibe ich hier und versuche, etwas zu machen, ein Geschäft eröffnen und mein Leben wieder aufzubauen."
Schule und Übergangshäuser
Die15-jährige Mary wurde von ihrer Familie getrennt und ist in Grand Gedeh im Haus des Gemeindevorstehers untergekommen. Das junge Mädchen geht zum Unterricht und engagiert sich in Plans Jugendclub, um anderen Flüchtlingskindern zu helfen. "Ich habe noch nichts von meinen Eltern gehört oder Nachrichten erhalten. Ich mache mir große Sorgen und will wirklich wissen, wo sie sind. Alles, was ich gehört habe, ist, dass es nicht sicher ist, zurückzugehen, also werde ich erstmal hierbleiben."
Plan baut mit den Gemeindemitgliedern Übergangshäuser, denn wann die Ivorer zurück in ihr Land können, ist vorerst ungewiss. Für Mädchen wie Mary und die Kinder von Diane hat Plan sichere Orte in den Gemeinden eingerichtet. An den kinderfreundlichen Plätzen können sie spielen und das Erlebte verarbeiten. Die liberianischen und die ivorischen Kinder in den Gemeinden beteiligen sich gemeinsam an den Sport-, Tanz- und Theatergruppen von Plan. Die Schulen werden in mehreren Schichten genutzt und in Lerngruppen helfen ältere Schüler den jüngeren bei den Übungen. Man macht das Beste daraus.
Interview mit Experte Roland Berenger Berehoudougou
Roland Berenger Berehoudougou, Katastrophenexperte für Plan Westafrika Anfang des Jahres mit ivorischen Flüchtlingen und Liberianern in den ostliberianischen Grenzprovinzen Nimba Conty und Grand Gedeh. Der 36-Jährige ist ausgebildeter Psychologe und leitet in Senegal, Dakar, das 13-köpfige Katastrophenschutzteam des westafrikanischen Regionalbüros des Kinderhilfswerks. Lesen Sie hier online oder in der aktuellen Plan Post das Interview mit ihm.




