Indien
Unterricht im Ganges-Tal
Bildung ist der Schlüssel für nachhaltige Entwicklung. Plan Indien baut mit Partnerorganisationen landesweit Modellschulen auf – die Lehrinhalte von Kindergärten, Grund- und Oberschulen werden aufeinander abgestimmt, die Mädchen und Jungen fit gemacht für ihr späteres Berufsleben. Christian Holzgreve hat für die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" ein Plan-Projekt in Nordindien besucht.Es ist eine Idylle. 1.500 Meter hoch liegt die Schule, umgeben von sonnenbeschienenen Terrassenfeldern. Die Kinder von Heena tragen ihre blauen Schuluniformen, haben rote Schleifen im Haar. Hier, 300 Meter über dem Ganges-Tal im Himalaja, dringt das Rauschen des Flusses nicht mehr herauf. Kein Tourist verirrt sich hierher. Die indischen Reisenden unten auf der Straße im Tal streben zur Pilgersaison dem Gletscher des "Ganga" entgegen, nur in den Herbergen im fünf Kilometer entfernten Uttarkashi machen sie Rast.
Schulen für die Ärmsten
Hier in der Himalaja-Region nahe der Grenze zu Nepal, wo das Kinderhilfswerk Plan Modellschulen eingerichtet hat, sind die Menschen noch ärmer als sonst in Indien. Die Familien in den Dörfern entlang des Tals leben teils von der Landwirtschaft, teils von der Arbeit, die ihnen das Provinznest Uttarkashi bietet. Und wenn sie aus ihren bescheidenen Häusern noch auf andere herabblicken, dann vielleicht auf die 1,50 Meter hohen Hütten aus Wellblech, in denen nepalesische Gastarbeiter entlang der Straße als Tagelöhner für den Bau leben.
In dem Projektgebiet ist die Arbeit verzahnt mit der indischen Nichtregierungsorganisation Shri Bhuvneshwari Mahila Ashram (SBMA) und der Regierung des Bundesstaates Uttarakhand. Kinderrechte und der Schutz der Kinder, Stärkung von Frauen, Kindererziehung, Aufklärung über Krankheiten, die Notwendigkeit sauberen Wassers und von Sanitäranlagen zählen zu den Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit.
Betreuung beginnt früh
Die SBMA-Helfer betreuen Kinder und Schulen wie die in Heena; eine Plan-Modellschule, von denen es 400 in Indien gibt. Auch ein einfacher Kindergarten in einer Wellblechhalle gehört dazu: Eine warme Mahlzeit am Tag und die Betreuung der Kinder sind hier Standard. Regelmäßig werden die Kinder gewogen, um zu überprüfen, ob es Fortschritte bei der Gewichtszunahme gibt. 50 Dollar im Monat verdient eine Betreuerin.
Die Grundschule mit ihren 49 Kindern und zwei staatlichen Lehrerinnen ist seit vier Jahren Modellschule. "Es gibt jetzt Freundschaft zwischen Lehrern und Schülern", sagt Geeta, eine der Lehrerinnen. Die Kinder meditierten regelmäßig, sie seien im Unterricht ruhiger und konzentrierter. "Früher habe ich Schläge gebraucht, weil die Kinder zu unruhig waren, heute ist das viel besser", sagt sie und dokumentiert damit altes pädagogisches Denken – und die Ahnung, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Sogar die umliegenden Schulen haben von den Erfahrungen in Heena gelernt.
Forschen für den Fortschritt
Es ist dennoch ein langer Weg, Kinder und Frauenrechte in die Hindu-Dörfer im Himalaja zu tragen, in denen traditionell die Männer das Sagen haben, Zwangsheiraten die Regel sind und das Leben oft entbehrungsreich ist. Es sind die Kinder und Jugendlichen, auf denen die Hoffnung der Entwicklungshelfer, aber auch der Väter und Mütter ruht.
Die Mittelschule von Heena gibt einen Eindruck, welche Entwicklung mit einer gesponserten Schulausstattung möglich ist: Die elf- bis 14-jährigen Schüler experimentieren mitten im Himalaja in einem erstaunlich gut ausgestatteten physikalisch-technischen Raum mit Mikroskopen, lernen über Elektronen und arbeiten mit Lichtquellen. Das Indien der Forscher und des Fortschritts ist da auch in den Bergen des Himalajas für einen Augenblick ganz nah.




