Entwicklung
Tung Shqipëri – Tschüss Albanien
Lange galt Albanien als Armenhaus Europas. Inzwischen hat sich das Land von den ärgsten Folgen der Misswirtschaft erholt. Plan unterstützte den Balkanstaat seit 1995 auf diesem Weg und zieht sich bis Sommer 2008 aus dem Land zurück. Lesen Sie hier Teil I unseres Berichts über die Zusammenarbeit in Albanien.Als sich 1991 in Albanien der Eiserne Vorhang hob, wurde sichtbar: Das Land war nach Jahrzehnten der Diktatur völlig verarmt. In der Umbruchphase zwischen Einparteiensystem und Mehrparteiendemokratie brach das Versorgungssystem Albaniens zusammen. Viele Menschen lebten unter der Armutsgrenze.
Neuanfang 1995 mit Plan
Mit Programmen für ländliche Gebiete in zehn Bezirken begann Plan 1995 seine Arbeit in dem Balkanland. Gefördert wurden Kinder, Familien und Gemeinden – zunächst mit Einzelspenden, ab 1998 auch über Patenschaften. Als größtes Hemmnis für die Entwicklung des Landes stellte sich bald die mangelhafte Infrastruktur heraus. Ohne befahrbare Straßen waren bestimmte Gebiete nur schwer zu erreichen, somit konnten auch keine nachhaltigen Projekte begonnen werden. Ganz oben auf der Prioritätenliste der Gemeinden stand daher die Verbesserung des Wegesystems sowie die Trinkwasser- und Stromversorgung. Eile war geboten, denn zu diesem Zeitpunkt hatten bereits viele Familien ihrer Heimat den Rücken gekehrt.
Brücken bauen
Plan kümmerte sich im übertragenen wie konkreten Sinn des Wortes um den Brückenbau – wichtige Voraussetzung dafür, später in abgelegenen Orten aktiv werden zu können. Die Maßnahmen wurden in Zusammenarbeit mit den Gemeinden entwickelt. Plan finanzierte die Vorhaben und assistierte technisch. Die Bewohner halfen bei der Umsetzung. Sie ermittelten ihre Bedürfnisse und brachten Vorschläge für Verbesserungen ein. Diese Art der Selbstständigkeit war für viele völlig neu, nachdem jahrzehntelang der Staat solche Entscheidungen übernommen hatte. Plan überzeugte die Menschen, sich zu beteiligen. Die erste Länderdirektorin Annuska Heldring erinnert sich: "Plan gab Hoffnung und hob die Moral der Menschen. Sie schöpften Vertrauen aus den Resultaten ihrer Arbeit."
Wissen vermitteln
Für Gemeindemitglieder organisierte Plan technische Fortbildungen im Umgang mit den neuen Trinkwassersystemen, wie beispielsweise die neuen Wasserleitungen. In deren Bau waren ganze Gemeinden eingebunden. Mit Schulungen zur Instandhaltung der Anlagen ist die Bevölkerung in der Lage, deren Bestand auch langfristig zu sichern. Schulungen waren auch der Schlüssel für eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion – und damit der Einkommen. So bildete Plan Bauern zu Fachkräften für Viehwirtschaft und Anbau von Nutzpflanzen aus. Moderne Managementmethoden etwa bei der Nahrungsmittelverarbeitung wurden vermittelt sowie Technologien zur ökologischen Schädlingsbekämpfung. Die neuen Landwirtschaftsexperten gaben ihr Wissen wiederum an andere Gemeindemitglieder weiter. Unterstützt wurde dieser Austausch auch durch die Stärkung von Bauernverbänden. In Kooperation mit den Verbänden und dem albanischen Landwirtschaftsministerium gelang der Aufbau von modellhaften Bauernhöfen und Aufzuchtstationen. Auch bei der Anschaffung von Geräten und Maschinen half Plan weiter.
Im Bereich der Bildung fand Plan eine katastrophale Situation vor. Die meisten Schulen waren baulich stark sanierungsbedürftig, es gab weder angemessene Lehrmaterialien, noch waren die Gebäude und Räume kindgerecht ausgestattet. Die meisten Lehrer erwiesen sich als schlecht ausgebildet und – bei Minimallöhnen – wenig motiviert. Folglich war die Zahl der Schüler gering. In einer Plan-Umfrage nannten sie Gründe, warum sie nicht zum Unterricht gingen: schlecht sortierte Bibliotheken, betrunkene Lehrkräfte, kaum sanitäre Anlagen und so gut wie keine Möglichkeit zum Spielen in den Pausen – von organisierten Sport- und Freizeitaktivitäten ganz zu schweigen.
Schulen ausstatten
Die Antwort von Plan war: Klassenzimmer und Toiletten wurden renoviert, Unterrichtsmaterialien, Möbel, Tafeln und Bücher angeschafft. Acht Grundschulen bekamen Sportplätze. In der Region Elbasan wurde sogar die Dorfschule von Gjyral komplett neu gebaut. Daneben wurden Schulkomitees gegründet, die Kindern ein aktives Mitspracherecht einräumen, etwa zu Fragen nach den Lehrinhalten und der Entwicklung ihrer Schulen. "Nun gibt es weniger Schwänzer, wir lernen mehr und erreichen bessere Resultate," sagte Amarildo aus der 6. Klasse von Gjyral.
Kinder betreuen
Es sollte dauern, ehe Albanien moderne Lehr- und Managementmethoden in den Schulen übernahm. Plan half dabei mit Programmen zur Lehrerfortbildung. Stundenplan-Vorgaben verbesserten die Qualität des Unterrichts. Lehrer dokumentierten die Entwicklung und Fortschritte der Kinder. Die Verantwortung für die Zahl der Anmeldungen und die Lernerfolge liegt nun in der Hand der Schulleitung. Die Maßnahmen zeigten bald den gewünschten Erfolg. Stetig stieg die Zahl der Schüler, ebenso deren Durchschnittsnoten und die Zahl der erfolgreichen Abschlüsse. Mit ähnlichen Schritten kümmerte sich Plan auch um die Kleinkindbetreuung. In vielen Dörfern wurden eine Tagesbetreuung eingeführt und Vorschullehrer ausgebildet.
Lesen Sie in Teil II, welche Gesundheitsprojekte Plan in Albanien durchführte, wie Kinderrechte in dem Land gestärkt wurden und an welche lokale Nachfolgeorganisation Plan seine Arbeit übergibt.




