Dominikanische Republik
Trainieren für den Ernstfall
Die Dominikanische Republik teilt wie das Nachbarland Haiti die Historie von Naturkatastrophen. Während Haiti sich noch von dem letzten Erdbeben erholt, rüstet sich die Dominikanische Republik für zukünftige Katastrophen.Was unter Haiti und der Dominikanischen Republik liegt, bereitet Katastrophenexperten große Sorgen: Die Septentrional-Verwerfung im Norden und die Enriquillo-Plantain-Garden-Verwerfung im Süden. Letztere war, so glaubt man, für das Erdbeben von Januar 2012 in Haiti verantwortlich. Und sie könnte noch aktiv sein, weitere Beben sind nicht ausgeschlossen.
Die Geschichte beider Länder auf Hispaniola ist von Erdbeben und Naturkatastrophen geprägt. Immer wieder erschüttern Beben die Insel. Im Gegensatz zu Unwettern wie Zyklone und Hurrikans tauchen Erdbeben jedoch nicht regelmäßig und saisonalbedingt auf. Viele Generationen haben noch nie eines erlebt und wissen daher auch nicht, wie sie sich im Falle eines Bebens richtig verhalten, um ihr Leben zu schützen.
Plan arbeitet seit 1987 in der Dominikanischen Republik und führt in mehreren Regionen seit über vier Jahren Programme zu Katastrophenschutz und –prävention durch. "Bis zum Ende des Jahres werden wir über 16.000 Menschen in Barahona und Villa Central erreichen", bestätigt Daniel Stothart von Plan Dominikanische Republik.
Den Notfall üben
In der Schule in Azua ist die Erdbebenglocke in voller Lautstärke zu hören. Ein Lehrer schlägt Alarm. Die Kinder springen sofort unter ihre Tische und nehmen eine den Körper schützenden Haltung ein. Wenn der Alarm abklingt, ertönt eine öffentliche Durchsage und die Kinder begeben sich auf direktem Weg nach draußen auf den Spielplatz vor der Schule. Sie üben den Ernstfall. Kinder, wie der 9-jährige Moises trainieren, ihr eigenes und das Leben von anderen während eines Erdbebens zu schützen. "Ich habe noch kein Erdbeben erlebt, auch meine Freunde und meine Familie nicht. Aber ich wüsste, was ich tun müsste, wenn es soweit ist", erzählt er.
Alle Schüler und Schülerinnen sowie die Lehrkräfte üben regelmäßig den Notfall, angeleitet von freiwilligen Helfern von Plan. Einer von ihnen ist der 19-jährige Jura-Student Nuñez, der sich seit zwei Jahren in seiner Freizeit für Plan engagiert. "Ich multipliziere nur mein Wissen, das ich durch das Training von Plan erworben habe. Die Gemeinden sind die ersten, die in einem Katastrophenfall reagieren können und ein schnelles Handeln kann Leben retten", so der junge Mann.
Außerdem erhalten die Schüler und Schülerinnen leicht verständliche Lernmaterialien, die sie mit nach Hause nehmen und mit ihren Familien teilen können. Der Direktor der Schule José Nicolas Diaz ist sich bewusst, wie wichtig diese Aufklärung ist: "Ich weiß, dass die Kinder und Jugendlichen an meiner Schule besser als viele Erwachsene informiert und darauf vorbereitet sind, wie man richtig reagiert in Katastrophensituationen. Was noch besser ist: Sie bringen es ihren Familien bei."




