Nepal
Tag der indigenen Gruppen
In vielen Ländern werden ethnische Minderheiten benachteiligt, zum Beispiel in Nepal die Volksgruppe der Tharu. Plan befreit Tharu-Mädchen aus der Leibeigenschaft und unterstützt die sogenannten Kamalari auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft. Die Projekte wirken über den "Tag der indigenen Gruppen" hinaus, der weltweit am 9. August begangen wird."Eine Tochter zur Welt zu bringen, ist ein Unglück" – lautet nur eines von vielen vergleichbaren Sprichwörtern in Nepal. Dabei hat jedes Kind das Recht auf Familie, Bildung sowie Schutz vor Ausbeutung. Doch um diese Grundrechte steht es in dem Himalaja-Staat besonders für Tharu-Mädchen schlecht. Die Volksgruppe lebt im Südwesten Nepals entlang der indischen Grenze.
Vielen Tharu mangelt es an eigenem Ackerland; eine politische Vertretung im nationalen Parlament haben sie nicht. Zudem setzt der Staat die Schulpflicht und das Verbot von Kinderarbeit und Leibeigenschaft nicht konsequent durch. Das macht die Menschen anfällig für Arbeitsvermittler, die bevorzugt kleine Tharu-Mädchen in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse locken. Bei reichen Familien oder Grundbesitzern in den Ballungszentren beginnen sie als so genannte Kamalari, was so viel bedeutet wie "hart arbeitende Frau".
Harte Arbeitszeiten
Zwischen 16 und 18 Stunden putzen und kochen sie täglich, erledigen Einkäufe für die Hausherren oder helfen auf dem Feld. Für die oft versprochenen Schulbesuche bleibt ihnen keine Zeit, so dass die Mädchen nach ihrer Rückkehr mit spätestens 18 Jahren chancenlos am angespannten Arbeitsmarkt scheitern. Ihnen bleibt dann oft nichts anderes übrig, als ihrerseits ihre Töchter für 50 bis 70 Euro im Jahr wegzugeben. Häufig verlieren die Kamalari-Mädchen auch den Kontakt zur eigenen Familie – und sind dann sexueller Ausbeutung schutzlos ausgesetzt. In manchen Fällen werden die Mädchen in Bordelle nach Indien verkauft, ohne dass die Familie davon erfährt.
Diesen Kreislauf aus Armut und finanzieller Abhängigkeit durchbricht Plan mit konsequenten Rückholaktionen. Mal finanzieren sie Angehörigen die Fahrt zu ihren Kindern, mal vermitteln sie Kontakte zu den Behörden, die dann aktiv werden – notfalls werden Gerichtsverfahren angestrengt. Aufklärungskampagnen in den Dörfern warnen die Familien vor den Gefahren dieser Form der Leibeigenschaft. So konnten bislang 1.700 Kamalari-Mädchen in ihre Heimatdörfer im Distrikt Dang zurückgeholt werden.
Schwieriges Umfeld
Plan arbeitet in den ärmsten Regionen der Welt – so auch in Nepal. Dort bringen eine politisch instabile Lage sowie häufige Streiks die Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern ins Stocken. Und doch konnte Plan langfristig für die Volksgruppe der Tharu positive Veränderungen bewirken: Die Kamalari-Mädchen erhielten nach ihrer "Befreiung" eine schulische Grundbildung sowie Ausbildungsangebote. Plan kümmert sich auch um Starthilfen für ein eigenes Gewerbe. Schneidereien, kleine Restaurants oder Agrarbetriebe entstanden so in einem Land, das die Leibeigenschaft offiziell 2000 abgeschafft hat. Von den selbst erwirtschafteten Einnahmen können die Mädchen nun ihre Familien unterstützen und ihre berufliche Fortbildung finanzieren.
Diese Erfolge halfen auch dabei, Widerstände bei Angehörigen höherer Kasten zu brechen. Sie profitieren noch in besonderer Weise vom bestehenden Kamalari-System. In der von Männern dominierten Gesellschaft Nepals war außerdem viel Überzeugsarbeit nötig, um Frauen die Beteiligung an Einkommen schaffenden Maßnahmen oder in Gemeindekomitees zu eröffnen. Inzwischen sind 72 Prozent der Teilnehmer der Projekte zur Einkommenssteigerung Frauen. Plan finanziert diese Aktivitäten aus Mitteln des Mädchen-Fonds – auch über den "Tag der indigenen Gruppen" hinaus.




