Thailand
Staatenlose Kinder sind grundlegender Rechte beraubt
Menschen ohne offizielle Dokumente wie Geburtsurkunden oder Ausweisdokumente sind für Behörden häufig unsichtbar. Ohne diese Papiere wird ihnen oftmals der Zugang zu Bildung, Gesundheitsvorsorge und ein selbstbestimmtes Leben verwehrt. Joe aus Thailand berichtet, wie er mit Plans Unterstützung "sichtbar" wurde.Es ist der 50. Jahrestag der Konvention zur Reduzierung der Staatenlosigkeit. Plan weist aus diesem Anlass darauf hin, dass besonders staatenlose Kinder am stärksten ausgegrenzt und angreifbar sind für Missbrauch und Ausbeutung. Viele grundlegende Rechte werden ihnen verwehrt, weil sie nicht mit einem Dokument beweisen können, wer sie sind und zu welcher Nation sie gehören.
"Die Geburtenregistrierung ist der erste Schritt, um sicherzustellen, dass alle Kinder eine legale Existenz haben und ihre grundlegenden Rechte wahrnehmen können, wie Bildung und Gesundheitsvorsorge. Identität und Nationalität sind das Geburtsrecht jedes Kindes!", kommentiert Nadya Kassam, Leiterin der globalen Kampagne zur Geburtenregistrierung von Plan.
In Südasien oder in Ländern südlich der Sahara wird nur jedes Dritte Kind unter fünf Jahren bei der Geburt registriert. In einigen Ländern wie Bangladesch, Liberia und Äthiopien liegt die Rate bei 10 Prozent oder niedriger. Ungefähr 12 Millionen Menschen weltweit, davon rund die Hälfte Kinder und Jugendliche, sind staatenlos. Mädchen und Jungen, die nicht bei der Geburt offiziell registriert werden, haben es später oft schwierig, Nachweise zu den Eltern oder den Ort der Geburt zu bringen. Die Situation ist noch schwieriger für Kinder, deren Eltern ebenfalls staatenlos sind.
Seit 1998 arbeitet Plan mit Regierungen daran, die Barrieren für Geburtenregistrierungen zu minimieren. Mit seiner internationalen Kampagne ermöglichte Plan bislang die Registrierung von über 40 Millionen Kindern in 32 Ländern.
Joes Geschichte
In Thailand unterstützt Plan junge, staatenlose Thailänder und Thailänderinnen dabei, ihre Staatszugehörigkeit zu beweisen. So wie Joe. Joe und seine Familie gehören zu der Ethnie der Akha im nördlichen Chiang Rai. Seine Eltern waren zum Zeitpunkt seiner Geburt selbst staatenlos und warteten darauf, nach einem Regierungszensus, der vier Jahre zuvor in ihrer Gemeinde durchgeführt worden war, als Bürger Thailands anerkannt zu werden. Joe, der vier Jahre vor seiner Geburt natürlich noch nicht in die Regierungsaufzeichnung aufgenommen werden konnte, existierte nach dieser Aufzeichnung nicht. So mussten Joes Eltern für seine Ausbildung bezahlen während andere Kinder, die als Bürger bestätigt waren, diese umsonst erhielten. Um diese Kosten aufzufangen, arbeitete Joe nach der Schule auf Baustellen, um etwas zum Familieneinkommen beizusteuern.
Bevor er kürzlich seine thailändische Staatsbürgerschaft und den Ausweis erhielt, war das Leben als staatenlose Person für den 17jährigen Joe sehr schwer. "Ich konnte nicht an Orte gehen, die ich besuchen wollte, obwohl der Rest meiner Familie es durfte. Die Polizei hinderte mich stets daran, mein Dorf zu verlassen, da ich nichts besaß, um zu beweisen, dass ich Thai bin", berichtet er.
Das Dreieck aus Thailand, Laos und Myanmar ist bekannt für Drogenhandel und illegale Auswanderung. Deshalb werden Bewohner und Durchreisende regelmäßig Befragungen an unterschiedlichen Polizeikontrollpunkten unterzogen und müssen einen gültigen Status beweisen. Können sie das nicht, dürfen sie nicht weiterreisen.
Jetzt wurde Joe die thailändische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Nachdem er mittels eines DNA-Tests die Verbindung zu seinen Eltern juristisch beweisen konnte, erhielt er endlich seinen langersehnten Ausweis.
Plan unterstützt in Thailand Familien und Kinder in Chiang Rai dabei, an einem vom Staat durchgeführten Projekt, teilzunehmen. Dieses Projekt zielt darauf ab, genetische Verbindung zwischen Eltern, denen die thailändische Staatsbürgerschaft nach der Geburt ihrer Kinder zugesprochen wurde, und ihren unregistrierten Kindern nachzuweisen. Zudem leistet Plan Rechtsberatung für Kinder und Jugendliche, die keine Geburtszertifikate besitzen.
"Seitdem man mir diesen Ausweis gegeben hat, kann ich nun stolz verkünden dass ich ein Bürger Thailands bin. Vorher war ich nicht in der Lage, das zu sagen", sagt Joe stolz.




