Guatemala
"Plötzlich bewegte sich die Erde"
Das mittelamerikanische Land wird häufig von Naturkatastrophen heimgesucht. Bei einem gewaltigen Erdrutsch verschwand 2008 ein gesamtes Dorf. Plan leistete sofort Nothilfe. Die Gemeinde wurde an einem topografisch sicheren Platz wiederaufgebaut.Die Menschen, die im Bergland um San Pedro Carchá leben, sind tagelange Regenfälle gewöhnt, besonders in der Regenzeit von Mai bis September. Meist wechselt dann leichter Sprühregen, der sogenannte "Chipi-Chipi", mit heftigen Schauern.
Die Stärke des Niederschlags, der in der Nacht vom 12. August 2008 herunterkam, übertraf jedoch alles, was die Menschen der Gemeinde von Vista Hermosa Xaliha je erlebt hatte. Mehr als zwölf Stunden regnete es ununterbrochen, so heftig, dass sich am Morgen des 13. August die Böden der Hänge, an denen die meisten der Hütten gebaut waren, zu bewegen begannen.
Ein ganzes Dorf verschwindet
"Die Erde drückte plötzlich die Holzwand unseres Hauses ein", berichtete die 17-jährige Dominga, die in einer der Hütten wohnte, die vom ersten Erdrutsch an diesem Morgen getroffen wurde. Domingas Familie flüchtete zusammen mit anderen Bewohnern zu einer sicheren Stelle auf der gegenüberliegenden Seite des kleines Flusses am Fuße des Hanges, der im Laufe des Unwetters zu einem reißenden Strom geworden war. Erschöpft und durchnässt ließen sich die Familien dort nieder. Die meisten hatten nichts retten können außer der Kleidung an ihrem Leib. Hilflos mussten sie zuschauen, wie ihre Häuser von den Erd- und Wassermassen überrollt wurden. Am Abend es Tages waren 63 Hütten überflutet oder zerstört.
Plan startet Hilfsaktion
Über enge Kontakte zur Gemeinde erfuhr Plan Guatemala noch am selben Tag von den Erdrutschen – und rief unmittelbar eine Hilfsaktion ins Leben, an der auch andere staatliche und private Organisationen beteiligt waren. Noch in derselben Nacht trafen die ersten Lieferungen von Trinkwasser, Lebensmitteln und Decken ein. Die verschiedenen Organisationen koordinierten ihre Aktivitäten miteinander und trugen nach allen Kräften zur Hilfe bei. So konnte garantiert werden, dass die Lieferungen den größtmöglichen Nutzen für die Gemeinde brachten und kein einziger Mensch bei diesem Unglück ums Leben kam.
Standortsuche für den Wiederaufbau
Als sich die Lage stabilisiert hatte, stellte sich für alle Beteiligten die Frage, wie es weitergehen sollte. In einem kollektiven Entscheidungsprozess sprach sich die Gemeinde dafür aus, ein Umsiedlungsangebot der Lokalverwaltung in die urbane Gegend von San Pedro Carchá abzulehnen. Stattdessen entschied man sich, das Dorf an jenem Fluchtpunkt, an dem sie zunächst nur provisorisch unter Nylondächern gelagert hatten, neu aufzubauen.
Katastrophensicherer Ort
Mit Plans Hilfe wurde eine topographische Studie durchgeführt, die die Ebene als sicher vor neuen Naturkatastrophen wie Überflutungen oder Erdrutschen einstufte. Und so begann der Wiederaufbau der Gemeinde – auch unterstützt durch 50.000 Euro vom deutschen Plan-Büro, konnten Baumaterialen gekauft werden, mit denen die Gemeinde in nur acht Monaten ihr Dorf wiederaufbaute. Die Arbeiten wurden mit zahlreichen staatlichen Institutionen wie der Kommunalverwaltung und der regionalen Straßenbaubehörde koordiniert, so dass der Großteil der Kosten von lokalen Institutionen getragen wurde.
Wie schon bei der Hilfsaktion in der Nacht der Katastrophe war der Zusammenhalt und die Solidarität der Dorfbewohner wie auch die Koordination zwischen den verschiedenen beteiligten Organisationen und Behörden während des Wiederaufbaus vorbildlich.
Der Autor
Uwe Gneiting, Autor dieses Artikels, führte eine Evaluierung der Projekte für Plan Guatemala durch.




