Ägypten
Neue Hoffnung in Ägypten
Ein halbes Jahr ist seit den politischen Unruhen in Ägypten vergangen. Plan unterstützt dort junge Erwachsene in ihrer Berufsbildung und schafft damit neue Perspektiven für ihre Zukunft. Und für die ihres Landes.Ende Januar 2011 kam es in Ägypten zu heftigen Ausschreitungen und Massendemonstrationen. Die Bevölkerung forderte den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak und eine neue, demokratische Regierung. Seitdem sind einige Monate vergangen.
Plan unterstützt in Ägypten junge Erwachsene und Jugendliche in ihrer Fort- und Ausbildung. Die richtigen Qualifikation und Fähigkeiten sind eine gute Ausgangslage, um eine adäquaten Arbeit zu finden. Die Plan-Mitarbeiter in Ägypten berichten von den Gesprächen mit den jungen Männern und Frauen. Ihre Themen: Die politische Lage, die steigenden Preise und die Jobsituation.
Die Arbeitslosigkeit in Ägypten liegt aktuell bei ungefähr 28 Prozent, die Rate ist vor allem bei den 15 bis 24-Jährigen hoch. Viele Ägypter ziehen von den ländlichen Gebieten in die großen Städte, wie Kairo und Alexandria, um Arbeit zu finden. Die Bedingungen, die sie vorfinden, sind hart und enttäuschend. Das Leben in der Stadt ist nicht einfacher.
Ausbildung und Fortbildung
Die jungen Erwachsenen in Plans Projekten berichten, dass die Kurse an weiterführenden Schulen sie nicht ausreichend auf den Jobmarkt vorbereiten. Somit bleiben ihnen auch nach einer Ausbildung mit Diplom oft nur schlechtbezahlte, unterdurchschnittliche Jobs.
Junge Langzeitarbeitslose laufen Gefahr, illegale Jobs anzunehmen, auch im Ausland, zum Beispiel in Italien. Rund 2,4 Millionen Ägypter arbeiten außerhalb des Landes und für lange Zeit war dies immer eine Option für junge Erwachsene. In den letzten Monaten hat sich das gewandelt, in ihrem Heimatland zu bleiben wird für sie immer attraktiver.
Als Unterstützung für die Entwicklung der jungen ägyptischen Generation arbeitet Plan mit der Indian CAP Foundation gemeinsam an einem Ausbildungsprogramm für junge Erwachsene namens "Forsa". Das Programm richtet sich an Frauen und Männer im Alter von 16 bis 28 Jahren, die sozial oder wirtschaftlich benachteiligt sind und bislang nur eine geringe schulische Ausbildung erhalten haben. Es bringt Menschen und echte Berufschancen zusammen.
Ob Krankenpflege und Gesundheitsdienste, Kundenmanagement, Verkauf und Tourismus, alle Kurse des Projekts beinhalten auch Unterrichtseinheiten in Englisch und IT. Die Kurse finden in vier Weiterbildungszentren in Kairo und Alexandria statt, geplant sind 15 weitere.
Über 600 junge Erwachsene haben bisher eine Ausbildung abgeschlossen und 70 Prozent von ihnen haben bereits eine dauerhafte Anstellung gefunden. Das Berufsbildungsprogramm hat sich mittlerweile rumgesprochen, berichtet Plan-Mitarbeiter Ahmed El Ashmawy. Die Kurse haben mehr Anwärter als aufgenommen werden können und einige Arbeitgeber suchen nicht über herkömmliche Anzeigen, sondern kommen direkt ins Lernzentrum, um potenzielle Arbeitnehmer zu finden.
Die Stimmung unter den jungen Erwachsenen im Programm ist optimistisch. Dennoch werden weitere Perspektiven, bessere Rechte und Schutzmechanismen der Arbeitenden benötigt.
Faten und Mohammed aus Ägypten
Faten ist verheiratet und hat einen Sohn. Ihr Mann hält die Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Faten, früher ausschließlich Hausfrau, lernt jetzt Kurse für den Einzelhandel. "Der Computerkurs ist wirklich gut, ich wusste vorher nicht einmal, was die Mouse ist. Eine Anstellung zu finden ist schwierig, aber ich habe jetzt das Gefühl, die richtigen Skills zu haben, um angestellt zu werden. Veränderungen gehen vonstatten, Veränderungen zum Besseren, hoffe ich."
Mohammed, 21, fügt hinzu: "Ich denke, die Arbeitslage ist schwierig. Oft sind die Angebote nicht real und man wird nach sechs Monaten wieder gefeuert. Für meine Generation ist es schwierig. Aber es gibt Hoffnung für das Land. Es wird ein besseres Ägypten sein. Ich bin auf dem richtigen Weg jetzt, und wirklich dankbar, dass ich diesen Ort zum Lernen gefunden habe. Mein Traum ist ein eigenes Geschäft."




