Nicaragua
Neue Chancen für kriminelle Jugendliche
Plan Nicaragua hat ein Abkommen mit der nationalen Polizei unterzeichnet, das die schon seit Jahren bestehende gute Zusammenarbeit vertieft. Gemeinsam bieten sie Ex-Bandenmitgliedern in den Elendsvierteln Managuas Möglichkeiten der Resozialisierung an.Zusammen mit Plan wurden in drei besonders betroffenen Stadtteilen von Managua zahlreiche Nachbarschaftskomitees zur Gewaltprävention gegründet. Allein im Distrikt 5 sind es 53 Komitees. Ihnen gehören Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten, Gemeindemitglieder und Ex-Bandenmitglieder an. Sie werden im Umgang mit gewalttätigen Jugendlichen geschult, lernen, häusliche und sexuelle Gewalt zu erkennen. Zudem werden Kurse für Ex-Mitglieder von Jugendbanden oder gefährdete Jugendlichen angeboten, um Gewaltpotenzial abzubauen und sie in ihrer Entwicklung zu stärken. Bisher wurden auf diese Weise rund 3.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 30 Jahren wieder eingegliedert.
"Von zehn Jugendlichen schafft es einer, wirklich dauerhaft in die Gesellschaft zurückzukehren", sagt Celina Portocarreo, die dem Nachbarschaftskomitee Walter Fereti angehört und dort Ex-Bandenmitglieder betreut. Von Beruf ist sie Erzieherin und leitet einen Kindergarten mit 120 Kindern. Sie wolle, dass diese Kinder sicher und ohne Gewalt in ihrem Stadtteil aufwachsen können, so Portocarreo.
"Wir sind alle Kinder der Revolution"
"Das Motto unseres neuen Ansatzes heißt ‚liebevoll erziehen", sagt die 47-jährige Polizeichefin Erlinda Castillo. Nicaragua sei heute zusammen mit Costa Rica das sicherste Land Lateinamerikas. Die Bereitschaft der Polizei, mit "weicher Hand" vorzugehen, könne man mit der sandinistischen Vergangenheit des Landes erklären: "Wir sind alle Kinder der Revolution", sagt Castillo lächelnd und betont im gleichen Satz, dass die Polizei aber nicht politisch sei, sondern Gesetze umzusetzen habe. Nicaraguas Polizei hat heute in Lateinamerika den höchsten Frauenanteil - 27 Prozent der Ordnungshüter sind weiblich. Die Polizei wird sogar von einer Frau geleitet.
Dennoch war der neue Ansatz mit tiefgreifenden Lernprozessen verbunden. "Das Gewaltproblem kann nicht allein durch Bestrafung gelöst werden. Gewalt muss als Antwort sozialer Gruppen auf die Bedingungen unsere Gesellschaft verstanden werden", heißt es in einem Schreiben der Polizei, in dem der für Lateinamerika ungewöhnliche Ansatz zur Bekämpfung von Jugendkriminalität beschrieben wird. Den Jugendlichen fehlten Perspektiven, die Ursache der Gewalt seien die Missstände, unter denen die entwurzelten und an den Rand gedrängten Bevölkerungsgruppen zu leiden hätten.
Neue Lehrpläne für die Polizeiakademie
Um Polizisten im Umgang mit Jugendlichen zu schulen, wurden die Lehrpläne der Polizeiakademie zusammen mit Plan überarbeitet und aktualisiert. Sie beinhalten auch Kurse zur Förderung der Kinderrechte. So soll gewährleistet werden, dass Polizisten die Jugendlichen korrekt behandeln und ihre Rechte respektieren.
Mit dem Komitee für Frauen und Kinder sowie der Polizei bekämpft Plan auch häusliche Gewalt. Sie stellt ein schwerwiegendes Problem in ganz Lateinamerika dar. Es wurde ein Handbuch erarbeitet, das den Beamten hilft, Formen häuslicher und sexueller Gewalt zu erkennen und entsprechend mit den Opfern umzugehen. "Früher wurden Anzeigen von Frauen oft gar nicht ernst genommen", sagt Erlinda Castillo. Das sei heute zum Glück anders, und auch hier mache sich der hohe Anteil der weiblichen Polizistinnen bemerkbar. Die Opfer fänden zu Frauen schneller Vertrauen.
Rahmenabkommen mit oberstem Gerichtshof
Die Kooperation mit der nationalen Polizei hat auch den Weg zur institutionellen Verankerung der Kinderrechte geebnet. Plan Nicaragua ist zudem dabei, das Ministerium für Arbeit und Familie sowie den obersten Gerichtshof als Partner für den Schutz der Kinder zu gewinnen. Am 22. April unterzeichnete Plan Nicaragua ein dreijähriges Rahmenabkommen mit dem höchsten Gericht Nicaraguas.




