Äthiopien
Marion Kracht in Äthiopien
Fünf Millionen Euro spendeten die Deutschen bisher an die Nothilfe von Plan in Ostafrika. Schauspielerin und Plan-Kuratoriumsmitglied Marion Kracht erlebte in Äthiopien, was die Hilfe vor Ort bislang bewirken konnte.Den Frauen ist die Erschöpfung anzusehen. Geduldig sitzen sie mit ihren Kindern auf dem Boden und warten auf die Verteilung des reichhaltigen Nahrungsgemisches. Zweimal im Monat kommen sie zu dieser Verteilstelle von Plan International im Süden Äthiopiens. Es geht um das Überleben ihrer Kinder, aber auch um ihr eigenes. Warum an diesem Tag doch ein fröhlicher Aufruhr durch die Menge geht? Schauspielerin Marion Kracht hat der kleinen Meseret* einfach spontan ihre Sonnenbrille aufgesetzt – und nun ist Meseret der Star. Sie wendet ihr Gesicht gar nicht mehr ab von der schönen blonden Frau und weicht auch nicht vor ihrer Seite.
Großes Engagement und Tatkraft
"Es ist wunderbar, wenn ich mit dieser kleinen Geste den Kindern hier ein Lachen in das Gesicht zaubern kann", sagt Marion Kracht und hebt Meseret lachend hoch. Sie engagiert sich seit 2009 im Kuratorium von Plan Deutschland und hat derzeit selbst zwei Patenkinder in Vietnam und Sri Lanka. Erst 2008 besuchte Marion Kracht mit ihrer Familie Projekte von Plan in Indien.
Einberufung in den Innovationsbeirat
Wegen ihres Engagements wurde Marion Kracht zudem im Oktober von Minister Dirk Niebel in den Innovationsbeirat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Beziehungen (BMZ) berufen, um dort für neue Impulse zu sorgen. "Es wird oft so viel geredet, bevor tatsächlich auch etwas geschieht", sagt Marion Kracht. "Deswegen ist es mir ganz wichtig, mich auch vor Ort zu informieren."
Wenn Hilfe Wirkung zeigt
In dem äthiopischen Bezirk Arsi im Süden des Landes erlebt sie, wie die jahrelange Dürre die Menschen an den Rand ihrer Kräfte gebracht hat. Die Vorräte sind längst aufgebraucht und was auf den Feldern für die Ernte übrig blieb, ist vertrocknet. Die 15 Monate alte Hawye wog nur noch 5,7 Kilogramm, als sie das erste Mal mit ihrer Mutter in die Nothilfestation von Plan kam. Inzwischen wurde sie mehrmals mit Spezialnahrung versorgt und wiegt schon 7,6 Kilogramm.
Besonders Kleinkinder sind betroffen
"Es ist wirklich eine große Erleichterung, zu sehen, dass die Kinder nach und nach wieder kräftiger werden. Sie sind auf unsere Hilfe angewiesen", sagt Marion Kracht. Zweimal im Monat holen sich 250 Menschen an dieser Station von den Plan-Mitarbeitern die Lebensmittel ab. Insgesamt erreicht die Hilfe im gesamten Bezirk Arsi 6.000 Kinder unter fünf Jahren mit schwerer und mittelschwerer Unterernährung sowie 2.000 schwangere und stillende Frauen. 150 Freiwillige, die von Plan geschult wurden, haben die betroffenen Kinder in ihren Dörfern aufgesucht und mit der Messung des Oberarmumfanges den Grad der Unterernährung festgestellt.
Schulung im Umgang mit Wasser
Sie schulen die Menschen außerdem im hygienischen Umgang mit Wasser. "Zugang zu sauberem Wasser ist eine Frage des Überlebens. Gerade junge Mütter wissen oft leider zu wenig über das Gesundheitsrisiko durch verschmutztes Wasser. Eine Aufklärung darüber ist mindestens genauso wichtig wie die Verteilung von Nahrung, denn Durchfall ist gleichzeitig einer der Hauptgründe für Unterernährung", erklärt Marion Kracht.
Gute Aussichten für die Menschen in Lalibela
Wie sehr der Zugang zu sauberem Wasser das Leben der Äthiopier verändern kann, konnte Marion Kracht zuvor in Lalibela, einem Projektgebiet von Plan International, im Norden Äthiopiens erfahren. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde wurde ein groß angelegtes Wasserprojekt entwickelt, das über ein Pump- und Brunnensystem mehr als 17.500 Menschen Zugang zu sauberem Wasser in einer Entfernung von weniger als einem Kilometer ermöglicht. "Das hat das Leben der Menschen in Lalibela tiefgreifend verändert", berichtet Marion Kracht. "Kinder und auch Erwachsene erkranken nicht mehr an lebensgefährlichem Durchfall, weil sie sauberes Wasser haben. In ihren Gärten bauen die Menschen nun Gemüse an, das sie auf wiederum auf dem Markt verkaufen können. Und die Mädchen können zur Schule gehen, anstatt den ganzen Tag mit dem Holen von Wasser beschäftigt zu sein."
* Namen geändert.




