10.01.2007

Ägypten

Kindern Gestaltungsraum geben

Wie keine andere Organisation engagiert sich Plan, Kinder bei Entwicklung, Durchführung und Auswertung der Projekte zu beteiligen. Was Partizipation bedeutet, wird nun auch für die Paten noch sichtbarer - und zwar mit neuen Informationen über die Lebenswelt der Kinder, ihrer Familien und Gemeinden - zum Teil von den Mädchen und Jungen selbst verfasst.

Im Plan-Programmgebiet Giza, es liegt am Stadtrand von Kairo, trafen sich 40 Mädchen und Jungen aus einem der sechs Kinderclubs. Gemeinsam mit zehn Erwachsenen legten sie Schwerpunktthemen aus ihrem Lebensumfeld fest, die sie Plan und den Patinnen und Paten näher bringen wollten.

 

Die ägyptischen Kinder diskutierten lautstark. Die Regie führte dabei die 13-jährige Doha, die gleichzeitig stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Kinderclubs ist. Die Kinder und Jugendlichen fanden vor allem die schlechte medizinische Versorgung, das Fehlen von sauberem Trinkwasser, frühe Heirat und die hohe Rate von Schulabbrechern problematisch.

 

Thema Umweltverschmutzung
Die Mädchen und Jungen verständigten sich darauf, sich dieses Jahr vor allem mit dem Thema Umweltverschmutzung auseinander zu setzen. Sie alle kennen die Geschichte eines anderen Kindes, das durch seine verschmutzte Umwelt zu Schaden gekommen ist. So wie die fünfjährige Aya, die in einen ungeschützten Abwasserkanal fiel und nicht rechtzeitig behandelt wurde. Bis heute ist sie körperlich geschwächt. Oder die zwölfjährige Mariam, die ins Krankenhaus musste, weil sie kaum noch atmen konnte. Es ist üblich, in den Gemeinden, den Müll zu verbrennen. Um die dabei entstehenden Schadstoffe in der Luft macht sich kaum jemand Gedanken.

 

Partizipation der Kinder
Die Mädchen und Jungen erörterten das Problem umfassend: Welche Arten von Umweltverschmutzung gab und gibt es in ihren Gemeinden, welche Gewohnheiten sind schädlich und wie können die Kinder dazu beitragen, etwas zu verändern. Einige Ideen: Mit Gleichaltrigen über das Thema zu sprechen, Bäume zu pflanzen, offene Abwasserkanäle abzudecken und überall Mülltonnen aufzustellen. Einig waren sich die Kinder darin, dass die Regierung mehr für den Erhalt der Umwelt tun müsse.

 

Themen wie diese fließen künftig in die Berichte und Beschreibungen für die Paten und Patinnen mit ein. Die Mädchen und Jungen in Giza lieferten viele Vorschläge für die Gestaltung. Bei dem Treffen arbeiteten sie begeistert mit. Besonders beeindruckend waren dabei ihr Eifer und Engagement, einen Beitrag für ihre Gemeinde leisten zu können.

 

Recht auf Mitsprache
Nachhaltige Entwicklung und wirkungsvolle Veränderungen sind nur möglich, wenn die Bevölkerung an diesen Prozessen von Anfang an beteiligt ist. Diese Erkenntnis ist bereits in vielen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit auf allen Ebenen verankert und wird in Projekten umgesetzt. Menschen haben ein Recht auf Mitsprache bei der Planung, Durchführung und Bewertung von politischen Entscheidungen oder Aktionen. Die Erkenntnis aber, dass auch Kinder und Jugendliche Teil dieses Prozesses sind, ist neu. Sie gewinnt erst seit einigen Jahren an Gewicht.

 

Positive Erfahrungen
Plan macht oft in seiner täglichen Arbeit die Erfahrung, dass es für den langfristigen Projekterfolg sehr sinnvoll ist, auf das zu hören, was Mädchen und Jungen zu sagen haben - in den Programmländern wie auch in Industriestaaten. Für die Erwachsenen bei Plan und in den Gemeinden ist es interessant und manchmal auch erstaunlich, was Kinder und Jugendliche über ihre Bedürfnisse und Ideen zur Dorfentwicklung äußern. Mädchen und Jungen betrachten ihr Lebensumfeld aus ihrem Blickwinkel heraus und überraschen oft durch einfache Lösungsvorschläge. In jedem Falle geben sie wichtige Anregungen  für Veränderungen, die es lohnt, von der Gemeinde mitgetragen zu werden. Doch was heißt es, Kinder zu beteiligen? Wie können sie tatsächlich konstruktiv zur Gemeindeentwicklung beitragen? Sind sie nicht einfach zu jung, um ein eigenes Mitspracherecht für sich zu beanspruchen?

 

Altersgerechte Beteiligung
Der Grad der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen an der Programmarbeit von Plan ist ihrem Alter angemessen. Eine gewisse Neugierde und den Wunsch, sich mitzuteilen, bringt jedes Kind mit. Daher ist es wichtig, dass Kinder lernen, ihre Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein zu stärken, sich eine Meinung zu bilden. Nur so entwickeln sie sich zu jungen Erwachsenen, die ihre Anliegen für andere gut verständlich kommunizieren, Meinungsverschiedenheiten friedlich beilegen und Verantwortung für sich, ihre Familie und Gemeinschaft übernehmen können.

 

Mit seiner Strategie der kindorientierten Gemeindeentwicklung fördert Plan die Beteiligung aller Bewohner eines Programmgebietes. Die Einbindung der Mädchen und Jungen hat dabei Priorität. Ihre Sichtweisen, Ängste, Wünsche und Lösungsvorschläge werden gehört und fließen in die Projekte ein.

 

Berichte für die Paten
Plan wird in absehbarer Zukunft mit Kindern gemeinsam an neuen Berichtsformen und Beschreibungen arbeiten, um ihre Sichtweise auf ihre Lebenswelt stärker mit den Patinnen und Paten sowie den Menschen in ihrer Umgebung zu teilen. In Kinderclubs und -parlamenten treffen sich Mädchen und Jungen zu vielfältigen Aktivitäten. Hier erarbeiten sie auch gemeinsam die Berichte. Dazu gehört die Beschreibung des Gebietes, in dem sie leben, ebenso wie einige Zeilen über die Entwicklungen, die im Laufe eines Projektjahres stattgefunden haben. Dies spiegelt wider, wie Kinder ihre Umwelt und Veränderungen darin wahrnehmen. Durch diese Informationen können Patinnen und Paten daran teilhaben. Aber auch die Plan-Kolleginnen und Kollegen in den Programmländern erfahren durch diese Berichte, welche Themen für die Kinder wichtig sind und wie erfolgreich die Projekte für sie waren.