Japan – vier Monate nach dem Tsunami
Vier Monate nach dem verheerenden Beben mit anschließendem Tsunami leben noch immer Tausende Menschen in Notunterkünften. Im April fing ein neues Schuljahr an. Das Leben in Japan geht weiter. Plans Unterstützung auch.Laut Schätzungen haben etwa 75.000 Mädchen und Jungen durch den Tsunami kein Zuhause mehr, viele haben Familienmitglieder und Freunde verloren. Die Katastrophe hat sie aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Die ständigen Nachbeben, die Angst vor radioaktiver Strahlung und die ungewisse Zukunft belasten die Kinder in den Evakuierungszentren schwer. Damit sie diese Ängste verarbeiten können, brauchen sie Hilfe. Deshalb schult Plan Ärzte, Lehr- und Betreuungspersonal in Methoden der psychosozialen Unterstützung. Allein im April nahmen über 300 Lehrerinnen und Lehrer, außerdem 30 Kinderärzte, Psychologen und junge Künstler an den Schulungen des Kinderhilfswerks teil. In den Fortbildungen lernen sie, Symptome einer Traumatisierung bei Kindern zu erkennen und emotionale Erste Hilfe zu leisten.
Mit der offiziellen Erlaubnis der Regierung startete Plan Japan im März ein zwölfmonatiges Hilfsprogramm und verteilte zunächst Decken, Spielzeug und dringend benötigte Hilfsgüter an obdachlose Familien. Seit Mitte Juni engagiert sich das lokale Team nun im Kinderschutz und in der Bildung. Lehrer, Kinderärzte, Psychologen und Vertreter lokaler Organisationen werden in der Traumabewältigung geschult. In Notunterkünften wurden spezielle Bereiche für Kinder eingerichtet, in denen sie spielen und das erfahrene Leid verarbeiten können.
Neues Schuljahr als Symbol des Neuanfangs
Zum Start des neuen Schuljahres Ende April schuf Plan zudem Lernmöglichkeiten und verteilte Stifte, Hefte und weiteres Lernmaterial an acht Grund- und fünf Sekundarschulen. Für Radio Tokyo FM wurden Spots mit den wichtigsten Botschaften zur "emotionalen Ersten Hilfe" erstellt.
Zurzeit leisten acht Plan-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter humanitäre Hilfe in der Region Sendai und werden dabei von Hunderten Freiwilligen unterstützt. Hilfseinsätze finden in den Städten Tagajo, Shichigahama, Matsuhima, Shiogama, Ishinomaki, Natori, Iwanuma, Higashi Matsushima und Watari statt.
Lesen Sie auch unserer Bericht "Plan in Japan - 3 Monate nach dem Tsunami".
Nothilfe von Plan Deutschland
Plan Deutschland hat bisher 350.000 Euro für die humanitäre Hilfe in der Region Sendai zur Verfügung gestellt. Dazu hat das auch Plan-Team in Japan Spenden eingeworben. Sollte eine zusätzliche Unterstützung erforderlich sein, wird Plan Deutschland diese aus dem Nothilfe-Fonds zur Verfügung stellen.
Im Katastrophenfall ermöglicht der Nothilfe-Fonds Plan, Kindern und ihren Familien in Asien, Afrika oder Lateinamerika schnell und unbürokratisch Soforthilfe zu leisten. Dazu zählt die Versorgung mit Trinkwasser, Lebensmitteln und Medikamenten, die Bereitstellung von Notunterkünften und Baumaterial, eine psychosoziale Betreuung, Schulunterricht sowie die Wiederherstellung der Infrastruktur.
Lesetipp
In der aktuellen BRIGITTE beschreibt Journalistin Andrea Jeska "Wie das Leben weitergeht" in Japan. In einem Evakuierungszentrum in Shichigahama, 20 Kilometer nordöstlich von Sendai, hat sie mit dem elfjährigen Kazu gesprochen und Plans Hilfe nach dem Tsunami kennen gelernt.




