27.01.2012

Niger

Gut vorbereitet, effektiver helfen

In Niger leben die meisten Menschen von der Landwirtschaft. Die Erträge sind oft durch Dürren oder Überflutungen gefährdet. Fällt eine Ernte aus, kann dies zu lebensbedrohlichen Versorgungsengpässen führen. Eine solche Krise sagen Experten für 2012 voraus – Plan hat Vorkehrungen getroffen.

Experten warnen vor Nahrungsmittelknappheit in den Ländern der Sahelzone. Die Ursachen dafür sind vielfältig: fehlender Regen, hohe Lebensmittelpreise und abnehmende Bodenfruchtbarkeit infolge von Überweidung. Die kritische Phase beginnt voraussichtlich im März 2012. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass rund 1 Mio. Kinder von schwerer Unterernährung bedroht und auf Zusatznahrung angewiesen sein werden. 

Maßnahmen gegen drohenden Hunger
Beim Nothilfeeinsatz von Plan in Niger im Jahr 2010 konnten wichtige Erfahrungen gesammelt und Abläufe weiter optimiert werden. Daraufhin erstellten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Einsatzpläne, um im Katastrophenfall in den Programmgebieten schnell Hilfe leisten zu können. Sie identifizierten gefährdete Haushalte und besuchten Fortbildungen zum Katastrophenmanagement. Mit Experten für Gesundheits- und Ernährungswissenschaften erarbeitete Plan eine Strategie, um drohenden Nahrungsmittelkrisen zu begegnen. 

Geplant sind die gezielte Verteilung von nahrhaften Lebensmitteln, Schulspeisungen, die Vergabe von Lebensmittelkarten, sowie gesunde, nährwertorientierte Ernährungsprogramme für unterernährte Menschen – besonders für Kinder und stillende Frauen. Die effektive Hilfe erreicht Plan in Abstimmung mit anderen Organisationen und der Regierung. 

Gärten für Familien und Schulen
Viele unterschiedliche Ansätze sollen der drohenden Hungersnot vorbeugen. Dazu gehören unter anderem auch Gärten für Familien und Schulen. In zwanzig Gemeinden werden rund 2.000 Frauen mit Setzlingen und Wasserpumpen sowie durch Wissensvermittlung unterstützt. Eine von ihnen ist Alima in Molia. Sie hat für ihre Familie in einem kleinen Garten, den sie mit anderen Frauen gemeinsam bestellt, Salat, Karotten, Kohl, Getreide und Kartoffeln gepflanzt. Mit den Ernteerträgen kann sie nicht nur sich, ihren Mann und ihre Kinder, sondern auch Verwandte und Freunde ernähren. "Wenn darüber hinaus noch etwas übrig bleibt, kann ich es auf dem Markt verkaufen und den Gewinn investieren", plant sie. 

Auch in Schulen legt man Gärten an, um den Schülerinnen und Schülern eine Mahlzeit am Tag bieten zu können. Kinder, die nicht genug zu essen erhalten, bleiben oft der Schule fern, weil sie entweder zu schwach zum Lernen sind oder ihren Familien bei der Nahrungsmittelbeschaffung helfen müssen. Schulmahlzeiten sind eine große Unterstützung für die Familien und sichern auch die Fortsetzung der Bildung der Kinder. 

Zehn Fakten über Hunger
Wie viele hungernde Menschen befinden sich auf der Welt und wo leben die meisten von ihnen? Das World Food Programme hat zehn Fakten über Hunger zusammengestellt.
1. Ungefähr 925 Millionen Menschen weltweit essen nicht genug, um gesund zu sein. Das bedeutet, dass jeder siebte Mensch hungrig schlafen geht. 

2. Die Anzahl hungernder Menschen ist gestiegen, der prozentuelle Anteil ist jedoch von 37 Prozent (1969) der Bevölkerung auf rund 16 Prozent (2010) gesunken. 

3. Deutlich mehr als die Hälfte der weltweit hungernden Menschen – etwa 578 Millionen – lebt in Asien und der Pazifikregion. 

4. Hunger ist die Nummer eins auf der Liste der zehn größten Gesundheitsrisiken. Er tötet jährlich mehr Menschen als AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. 

5. Ein Drittel aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren in Entwicklungsländern sind auf Unterernährung zurückzuführen. 

6. Die ersten 1.000 Lebenstage eines Kindes, von der Schwangerschaft bis zum Abschluss des zweiten Lebensjahres, beträgt das kritische Zeitfenster. Eine richtige Ernährung in dieser Periode kann vor psychischen und physischen Beeinträchtigungen, die aus Unterernährung resultieren können, bewahren. 

7. Es kostet nur 0,25 US-Dollar pro Tag, ein Kind mit all den Vitaminen und Nährstoffen zu versorgen, die es braucht, um gesund aufzuwachsen. 

8. Unterernährte Mütter bringen häufig untergewichtige Babys zur Welt, bei denen die Todeswahrscheinlichkeit vor Erreichen des fünften Lebensjahres um 20 Prozent höher ist. Bis zu 17 Millionen Kinder werden jedes Jahr bereits mit Untergewicht geboren. 

9. Im Jahr 2050 werden aufgrund von Klimawandel und unregelmäßiger Wetterverhältnisse weitere 24 Millionen Kinder in Armut leben, etwa die Hälfte von ihnen südlich der Sahara. 

10. Hunger ist das größte lösbare Problem, mit dem sich die heutige Welt auseinandersetzen muss. 

Plans Nothilfe-Fonds
Der Nothilfe-Fonds von Plan finanziert bei Katastrophen die Soforthilfe und unterstützt den Wiederaufbau in den betroffenen Programmländern. Dazu zählen Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente, Notunterkünfte, Baumaterial, psychosoziale Betreuung, Schulunterricht, mittelfristige Aufbaumaßnahmen wie Hausbau, Schulbau sowie Wiederherstellung der Infrastruktur. Auch bei der Nothilfe stehen Kinder im Mittelpunkt der Arbeit.

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