International
Gegen den Hunger auf der Welt
Um den Kreislauf von Armut, Hunger und Krankheit zu durchbrechen, führt Plan in den Programmländern ineinandergreifende Maßnahmen durch. Im Zentrum steht Plans Ansatz der Partizipation und der Hilfe zur Selbsthilfe.Der Boden ist trocken und ausgelaugt. Nicht geeignet, um hier Reis anzubauen. Das einzige, was in dieser Gegend im Nordosten Haitis wächst, sind Kakteen. Es ist Mittagszeit, als Susanne Niemann und ihr 17-jähriges Patenkind Lovely die örtliche Grundschule erreichen, die von Plan unterstützt wird. Auf dem Hof haben sich die Kinder versammelt und laufen ihnen entgegen, um dann doch in sicherem Abstand vor ihnen stehen zu bleiben. Alle haben eine Schale, eine Schüssel oder einen Blechnapf in der Hand. Gleich gibt es das mittägliche Reisgericht - der Reis kommt aus der Dominikanischen Republik.
Aus der Gruppe der Kinder löst sich ein Mädchen – und kommt direkt auf die Patin zu. Schmächtig ist es und knochendürr, Susanne Niemann schätzt das Kind auf maximal zwölf, tatsächlich ist es schon 14. Das Mädchen strahlt über das ganze Gesicht und spricht aufgeregt in Kreolisch auf die Besucherin ein. "Was hat sie gesagt? Worüber ist sie so glücklich?" möchte die Patin wissen. Die 17-jährige Lovely übersetzt: „Das ist Christalina. Sie erzählt, dass sie gern in die Schule kommt - weil es hier etwas zu essen gibt."
Begeisterung für eine Schale Reis
Der Patin aus Deutschland fehlen die Worte. Sie hat schon viel gesehen und ist nicht das erste Mal in Haiti. Doch die Begeisterung der kleinen Christalina - für eine Schale Reis - trifft sie in Mark und Bein. Mit einer großzügigen Projektspende unterstützt die Patin den Bau der neuen Grundschule für die Mädchen und Jungen aus der Umgebung. Welch besonderer Stellenwert aber die regelmäßige Schulmahlzeit bei diesen Kindern hat, macht ihr deutlich, wie wenig die Familien haben: Es ist nicht genug, um die Kinder satt zu bekommen.
Zur Situation
Wenn nicht einmal die Grundnahrung reicht, um den Hunger zu stillen, rückt selbst das Thema Bildung in den Hintergrund. Eine Situation, die nicht nur in Haiti alltäglich ist, sondern auch in vielen anderen Plan-Programmländern. Für Menschen in Armut ist jeder Tag ein Überlebenskampf. Viele Familien haben weder Geld noch andere Tauschgüter. Zu wenig für ausreichend Lebensmittel. Ein anderes Problem: Eine Reihe von Nahrungsmitteln wird in vielen Entwicklungsländern ausschließlich für den Export angebaut, beispielsweise Reis, Soja, Kaffee oder Tee. Dafür werden vor allem die fruchtbaren Böden genutzt. Diese ertragreichen Flächen fehlen dann für den Anbau von Grundnahrungsmitteln.
Nach schlechten Ernten, Dürren oder Überschwemmungen ist das Nahrungsangebot noch knapper. Das lässt die Preise zusätzlich steigen. Menschen mit geringen Einkommen sind daher - wie in Haiti - auf Lebensmittellieferungen von außen angewiesen. Hinzu kommt, dass mangelernährte Menschen keiner schweren Arbeit mehr nachgehen können. Ihre Ernteerträge fallen geringer aus, so dass sie noch weniger Kaufkraft haben. Armut ist also nicht nur eine Ursache von Mangelernährung, sondern auch eine Folge. Um diesen Kreislauf von Armut – Hunger – Mangelernährung – Krankheit – Armut zu durchbrechen, führt Plan in den Programmländern ineinandergreifende Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen durch.
Schulspeisung
Ob in Haiti oder Kambodscha: Schulspeisungen in Kombination mit medizinischer Betreuung helfen den Kindern in vielen Regionen der Welt. Wie in der Vorschule im Dorf Plong in Kambodscha. Rund 70 Jungen und Mädchen besuchen diese von Plan organisierte Einrichtung. Motorik und kognitive Fähigkeiten werden trainiert und die Gesundheitshygiene gefördert. Die Kinder erhalten ausgewogene Mahlzeiten, die die Mütter unter fachmännischer Anleitung kochen. "Seit es die Vorschule gibt, hat sich hier vieles verändert", sagt Chum Chea, die Mutter eines vierjährigen Sohns und einer fünfjährigen Tochter. "Die Kinder wissen viel mehr."
Mikrofinanzprojekte
Wichtig bei der Programmarbeit ist, Familien Wege zu einem besseren Einkommen aufzuzeigen. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen für Mikrofinanzdienstleistungen führt Plan Spar- und Kreditprogramme mit dem Ziel einer ausreichenden finanziellen Unabhängigkeit der Familien durch. Sie können bei höheren Einkommen Geld sparen und so wirtschaftliche Einbrüche besser verkraften. Dieses Konzept wird konsequent in allen Plan-Programmländern umgesetzt. Frauen stehen meist im Mittelpunkt der Projekte. Sie bilden in der Regel eine Gruppe von fünf bis sechs Personen, die abwechselnd einen Kredit erhalten und füreinander bürgen. Frauen gelten als zuverlässiger als Männer, auch was die Rückzahlung der Kredite betrifft. Sie investieren ihre Gewinne in die Familie, sorgen für regelmäßige und nahrhafte Mahlzeiten der Kinder. Ist das Familieneinkommen gesichert, können auch die Kinder länger die Schule besuchen.
Von der Reismühle bis zum Rind
Ein Beispiel: In der Gemeinde Diliare im Projektgebiet Ouanaminthe, im Nordosten Haitis wurde eine Reismühle angeschafft. Zuvor mussten die Bauern lange Wege zurücklegen, um in den Mühlen anderer Dörfer ihren Reis zu mahlen. An der Konstruktion des Schutzraumes für die neue Mühle beteiligte sich die Gemeinde zu 30 Prozent, indem sie Arbeitskräfte zur Verfügung stellte. Plan führte schulte Dorfbewohner in der Technik, so dass sie Wartung und kleine Reparaturen selbst übernehmen können. Ein gemeinschaftliches Konto wurde eingerichtet, auf dem Geld für die Benzin- und Wartungskosten gespart wird. Um das schnelle Auslaugen der Böden durch monokulturellen Getreideanbau zu vermeiden, fördert Plan als Ergänzung zum Ackerbau die Viehhaltung. Rinder sind dann zugleich Nahrungsquelle und Kapital. Tiermedizinische Kurse und medizinische Grundaustattungen sorgen dafür, dass sich Krankheiten unter den Tieren nicht ausbreiten können.
Nachhaltige Landwirtschaft
Ein weiteres Beispiel aus Ecuador: Ausgelaugte Böden und Wassermangel sind auch im Hochland der Provinz Cotopaxi die Ursache für geringe Erträge auf immer kleiner werdenden Landparzellen. Die Not treibt viele Bewohner in die Städte, wo sie auf ein besseres Auskommen hoffen. Deshalb fördert Plan in den Programmgebieten eine nachhaltige Landwirtschaft, die den Familien hilft, ihre Einkommen zu steigern. Technische, materielle und finanzielle Unterstützung in Landbau, Viehhaltung und Kleinbetriebsmanagement stehen im Vordergrund.
Mit Unterstützung von Plan haben 40 Kinder und Erwachsene in Maica ein Dorfkomitee zur nachhaltigen Verbesserung der Situation gebildet. Mit dem Ziel, die typischen Produkte der Anden zu erhalten und zu optimieren, testen die Mitglieder auf einem Versuchsgelände über mehrere Jahre verschiedenes Saatgut. So wollen sie die besten Kartoffelsorten für die örtlichen Bedingungen finden, die dann später alle Dorfbewohner anbauen können. Und neben Mais, der hier die wichtigste Ernährungsgrundlage ist, sähten Bewohner den Lupinensamen Choco und bauten Quinua und Kohl an. Dafür erhielten sie umweltfreundliche Düngemittel und Pestizide.
Alternative Feldfrüchte
Im afrikanischen Malawi führten Dürre und darauf folgende Missernten zu schweren Versorgungskrisen. Ein großes Problem des Landes sind die weit verbreiteten Monokulturen. Wie in Ecuador werden die meisten landwirtschaftlichen Flächen für Mais genutzt. Auch hier fördert Plan deshalb den Anbau alternativer Feldfrüchte. In den Programmgebieten Mzumzu, Kasungu und Lilongwe wurde an 6.338 Familien Kassava-Saatgut verteilt. Um die Anbauzeit auf mehr als vier Regenmonate auszuweiten, gab Plan weiteres Saatgut aus, vorrangig für Mais und Bohnen, das weniger Wasser benötigte. Für die Lagerung der Ernteerträge wurden Getreidespeicher errichtet.
Ergänzend führte Plan in allen Programmgebieten Malawis Projekte zur Aufforstung durch. Über 160.000 Baumsetzlinge wurden an Bauern verteilt, um die fortschreitende Bodenerosion zu bremsen. Dazu bekamen die Gemeindemitglieder Schulungen zum Schutz der natürlichen Ressourcen.
Folgen der Mangelernährung
Maßnahmen gegen Mangelernährung sind auch ein Schwerpunkt der Gesundheitsprogramme von Plan. Frauen und Kinder stehen dabei im Mittelpunkt, da sie am meisten unter Mangelerscheinungen leiden. Jährlich sterben fast elf Millionen Kinder, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben. Die häufigsten Ursachen dafür sind Infektionskrankheiten wie Durchfallerkrankungen, Malaria, Atemwegsinfektionen, Masern und Krankheiten in der Neugeborenenphase. Für Infektionen sind oftmals mangelnde hygienische Bedingungen wie unsauberes Trinkwasser, unzureichende ärztliche Versorgung sowie Unter- oder Mangelernährung von Kindern verantwortlich.
Fische gegen Malaria
Zu den Themen Ernährung, Krankheit und Einkommensverbesserung schlägt ein Projekt im Nordenwesten Ghanas sozusagen drei Fliegen mit einer Klappe: In acht Gemeinden im Sissala West Distrikt wurden in verschiedenen Stauseen 825.000 Tilapia, eine Gattung der Buntbarsche, ausgesetzt. Das besondere an diesen Fischen: Sie ernähren sich von den Moskito-Larven, die Malaria übertragen. Studien zufolge fressen die Fische die Larven bis zu 94 Prozent weg. Gleichzeitig sind die vermehrungsfreudigen Fische ein hervorragender Eiweißlieferant für die Familien in dem Plan-Programmgebiet. Zusätzlich werden die Bewohner in Fischzucht geschult und über Wege zur Vermeidung von Überfischung aufgeklärt.

