Sudan
Friedensprozess muss fortgeführt werden
Die Bevölkerung im Süden des Sudans stimmt über die Unabhängigkeit ihres Landesteils ab. Plan warnt vor einer Rückkehr zur Gewalt nach dem Referendum und appelliert an alle Akteure, im Interesse der Kinder auf erneutes Blutvergießen zu verzichten.Ab dem 9. Januar entscheiden rund vier Millionen Menschen im Süden Sudans über die Abspaltung vom Norden. Die Volksabstimmung ist Teil des Friedensabkommens, das 2005 von der Zentralregierung in Khartum und südsudanesischen Rebellen unterzeichnetet wurde und den über 20-jährigen Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd beendete. Die Mehrheit der Wähler wird voraussichtlich für die Unabhängigkeit des südlichen Landesteils stimmen.
Wenn ein neuer Staat entsteht
Plan-Länderdirektor Fikru Abebe: "Das Referendum ist ein Schlüsselmoment in der Geschichte des südlichen Landesteils. Aber ganz gleich, welches Ergebnis die Abstimmung bringt – erneute Kämpfe darf es nicht geben. Nach dem Bürgerkrieg und der Vertreibung sehnen sich die Südsudanesen danach, ihre Zukunft in die Hand zu nehmen. Eine Rückkehr zur Gewalt würde alle Erfolge unserer bisherigen Arbeit mit den Partnergemeinden zerstören. Darum appelliert Plan an alle Akteure, ein Blutvergießen zu vermeiden. Instabilität und Konflikte haben zur Folge, dass Kinder nicht zur Schule gehen und möglicherweise als Kindersoldaten enden. Nach der Volksabstimmung muss der längste Krieg Afrikas endgültig beendet sein und der Friedensprozess fortgeführt werden."
Plan im Norden
Plan ist seit 1977 in Sudan tätig und unterstützt derzeit rund 34.000 Patenkinder und ihre Familien in 194 Partnergemeinden im ostafrikanischen Land. Das Kinderhilfswerk arbeitet in den Programmgebieten Alaga, Edduweim, Guli, Kassala, Nord-Kordofan und River Atbara sowie in Dafur. Neben Gesundheits- und Bildungsprogrammen sorgt Plan mit Projekten für die Einkommenssicherung sowie einen verbesserten Zugang der Familien zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen.
Plan im Süden
Seit fünf Jahren ist Plan auch im Süden Sudans tätig. Ein lokales Team arbeitet inzwischen in der Gemeindeentwicklung im Programmgebiet Juba Lainya. Nach zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg, in dem zwei Millionen Menschen starben und vier Millionen in den Norden flüchteten, ist das Kinderhilfswerk somit eine der wenigen Organisationen, die sich langfristig in der Region engagieren.
Erste Berufsschule im Süden
Schwerpunkt der Arbeit von Plan im Süden des Sudans ist der Ausbau des Bildungswesens, der bereits erste Erfolge zeigt: Dank der Unterstützung wurden deutlich mehr Mädchen eingeschult und zahlreiche ehemalige Kindersoldaten konnten durch Schulungen und Berufsangebote wieder in ihre Gemeinden integriert werden. Im September 2010 eröffnete die Juba Technical High School, die erste Berufsschule der Region. Sie wird von Plan mit 4,2 Millionen US-Dollar unterstützt und ermöglicht 150 Jugendlichen und ehemaligen Kindersoldaten eine berufliche Ausbildung in ganz unterschiedlichen Bereichen wie der Elektrotechnik oder dem Hotelfach.
Auf Notfall vorbereitet
Rund drei Millionen durch den Krieg Vertriebene wandern nun in den Süden Sudans zurück. Die Heimatgemeinden sind keinesfalls vorbereitet auf die große Zahl der Rückkehrer. Viele Binnenflüchtlinge werden Unterstützung benötigen, denn Nahrungs- und Wasserreserven sind in den Dörfern knapp. Plan hat einen Notfallplan erarbeitet, der in einer humanitären Krise wie dieser schnelles Handeln ermöglicht. Das Plan-Team vor Ort richtet dabei ein besonderes Augenmerk auf den Kinderschutz, die psychosoziale Betreuung und Bildungsmaßnahmen.
Gewalt befürchtet
Angst vor einem neuen bewaffneten Konflikt lösten zuletzt die Rüstungseinkäufe von Nord und Süd aus. Zudem haben sich die beiden Seiten noch nicht auf den Verlauf ihrer künftigen Grenze geeinigt. Mehr als die eigentliche Abspaltung könnten Stammesrivalitäten im neuen Staat Südsudan und die Zukunft der ölreichen Region Abyei für Unruhe sorgen. Ein weiteres Problem ist die Frage, wie mit den Staatsschulden des noch vereinten Landes verfahren werden soll.
Lesen Sie im Plan-Blog Weltgeschichten über den 19-jährigen Berufsschüler John Kamari, der an der Volksabstimmung am 9. Januar 2011 teilnehmen wird.




