Philippinen
Die "Batang Ranger" – Kinder schützen ihre Küsten
2004 wurde vor dem Küstendorf Villahermosa mit Plans Unterstützung ein knapp 30 Hektar großer Meeresnationalpark gegründet, um Fauna und Flora zu schützen. Mit Erfolg.Internationale Fangflotten haben die Gewässer jedoch überfischt, erklärt Greman Solante, der Leiter des Barangay, der Gemeinde Villahermosa auf den Philippinen. Dazu kommt, dass die Küsten schützenden Korallen, die Lebensraum für viele Fische sind, durch den Anstieg der Meerestemperaturen und die zunehmende Zahl der Taifune weitflächig abstarben. Das bereitet den Menschen immer mehr Probleme: "Fischen allein reicht nicht, deshalb arbeiten viele Fischer zugleich als Landwirte. Wenn das Wetter schlecht ist und sie nicht aufs Meer hinaus können, gehen sie auf ihre Äcker. Andere arbeiten tagsüber als Tischler und fahren nachts mit den Booten raus. Viele schlafen nur 3 oder 4 Stunden," so Solante.
Schutz im Meeresnationalpark
2004 wurde in Villahermosa mit Plans Unterstützung ein knapp 30 Hektar großer Meeresnationalpark gegründet, um Fauna und Flora zu schützen. Dieser ist zusätzlich von einer 39,5 Hektar großen Pufferzone umgeben, in der nur nachhaltig gefischt werden darf. Speisefische, die kleiner als neun Zentimeter sind, müssen ins Meer zurückgeworfen werden. "Die Fisch- und Korallenbestände erholen sich seither wieder. Ich kämpfe beim Bürgermeister darum, dass weitere Meeresschutzgebiete eingerichtet werden. Jeder Barangay muss seinen eigenen Meeresnationalpark haben. Das ist für unsere Zukunft so wichtig", erklärt Solante. Neun Nationalparks gibt es mittlerweile vor den Küsten der Camotes-Inseln.
Solante ist ebenfalls Leiter des Villahermosa Marine Sanctuary und setzt sich für Umwelt- und Küstenschutz ein. "Anfangs sagten mir manche Leute, ich sei zu streng. Oder sie schimpften mich einen Zwerg und sagten, dass das alles doch eh nichts nützen würde." Doch das hat sich geändert. 2011 gewann Villahermosa unter 1.300 Kandiaten den fünften Platz für seine "outstanding marine protected area" und alle Dorfbewohner sind stolz darauf.
Korallenbänke erholen sich
Die Ergebnisse sprechen für sich: In Villahermosa konnten die Korallenbänke, die 2005 auf 15 Prozent ihrer ursprünglichen Fläche geschrumpft waren, wieder auf die Hälfte ihres natürlichen Bestandes nachwachsen. Dadurch fanden auch viele Fische wieder genügend Lebensraum und erholten sich in den vergangenen fünf Jahren um das Zehnfache.
Aktive Einbindung der Kinder in den Küstenschutz
Dies gilt es nun zu schützen. Greman Solante bindet deshalb alle Gemeindemitglieder aktiv in den Küstenschutz mit ein. Vor allem auch Kinder und Jugendliche. Die Zusammenarbeit mit Plan habe ihm bewusst gemacht, dass sie einen wesentlichen Anteil am Umweltschutz haben, so Solante: "Plan hat viele Trainings mit uns durchgeführt, vor allem zum Thema Katastrophenschutz. Sie haben uns geholfen, eine Kinderküstenschutzgruppe zu bilden und sie über die Folgen des Klimawandels aufgeklärt. Zudem gab es Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Vorbreitung auf Katastrophen, zum Beispiel Wasserrettungsübungen. Und schließlich Trainings zu Kinderechten. Ich habe gesehen, wie sehr das die Kinder verändert hat, welches Selbstbewusstsein sie darüber bekamen."
Batang Ranger - die Kinderküstenschützer
2008 wurden die Batang Ranger - die Kinderküstenschützer - gegründet: Das sind Jugendliche, die sich regelmäßig treffen, um gemeinsame Aktionen zu planen. Zwischen 15 – 30 Mädchen und Jungen ab zehn Jahren kommen zweimal im Monat im Gemeindehaus in Villahermosa zusammen und diskutieren, was zu tun ist. Alle drei Monate sammeln sie Müll an ihren Stränden und trennen diesen nach wieder verwertbaren Stoffen. Plastikmüll schneiden sie beispielsweise mit einer Schere in kleine Stücke und fädeln sie zu dekorativen Türvorhängen auf.
Zudem helfen sie, den Meeresnationalpark zu bewachen und die Mangroven zu schützen. Sehen sie Fischer illegal im Park fischen, alarmieren sie vom Wachturm aus mit einer großen Muschel die zwei offiziellen Ranger des Nationalparks. Auch sagen sie Bescheid, wenn sie sehen, dass jemand illegal Mangroven für Bau- oder Feuerholz oder zum Verfüttern an die Tiere schneidet. Die Gesetzesverstöße sind bereits deutlich zurückgegangen. 2011 wurde lediglich ein Bauer beim Abholzen der Mangroven erwischt.
Aufforstung der schützenden Mangrovenwälder
Zusammen mit den Fischern und Frauen haben die Batang Ranger in den letzten beiden Jahren 50.000 Mangrovensetzlinge neu gepflanzt. Am letzten Sonntag im Monat helfen sie den Fischern zudem dabei, die zur Plage gewordenen Dornenkronen-Seesterne vom Meeresboden zu sammeln. Diese ernähren sich von den Korallen, indem sie sie mit ihren Magensäften verflüssigen. Im März dieses Jahres wurden im Villahermosa-Nationalpark an einem Tag allein 1.000 Seesterne eingesammelt. Seither hält sich deren Population in Grenzen. Zudem werden regelmäßig giant clams, Riesenmuscheln, gezielt im Nationalpark ausgesetzt, denn sie sind die einzigen natürlichen Feinde der Dornenkronenseesterne.
Fischer aus Villahermosa wurden von Plan-Experten wie dem Meeresbiologen John Diviva geschult, Flora und Fauna des Nationalparks regelmäßig per Tauchgang zu kontrollieren und zu kartieren. "Wir sind mittlerweile bestmöglich aufgestellt, um unsere Natur zu schützen und uns gegen Taifune zu wappnen", erklärt Greman Solante, der Leiter des Nationalparks vor den Camotes Inseln. "Trotzdem bleibt die Angst vor einem Supertaifun. Er kann jederzeit kommen."




