16.06.2011

International

Das Leben auf der Straße

Anlässlich des diesjährigen Tags des afrikanischen Kindes widmeten sich Plan Teams in Afrika dem Thema "Kinder, die auf der Straße leben und arbeiten". In der Hauptstadt Ghanas leben über 20.000 Kinder auf der Straße, viele mit Babys. Zusammen mit Jugendlichen lud Plan in Ghana Kinder ein, die betroffen sind, um gemeinsam über die Situation zu sprechen und Lösungswege zu finden.

Kinder, die auf der Straße leben und arbeiten, verbringen die meiste Zeit entfernt von Zuhause. Sie arbeiten häufig in schlechtbezahlten, ausbeuterischen Jobs, um sich überhaupt ein Einkommen zum Überleben zu schaffen. Die Kinder kommen dabei sowohl von ländlichen Gebieten als auch aus Städten. Sie suchen Zuflucht. Leider landen sie dabei oft auf den Straßen und kämpfen täglich darum, Nahrung und einen sicheren Schlafplatz für die Nacht zu finden.

Warum die Straße?
Was bewegt Kinder dazu, auf der Straße zu leben? Und wer lebt auf der Straße? Eine Untersuchung des Consortium of Street Children zu der Situation in Accra, Ghanas Hauptstadt, ergab: 21.140 Kinder und Jugendliche leben dort auf der Straße, es gibt rund 6.000 Babys auf der Straße. 7.170 Straßen-"Mütter" sind unter 20 Jahre alt. Zusätzlich laufen schätzungsweise 14.050 Kinder aus sehr armen urbanen Verhältnissen Gefahr, auf der Straße zu landen. 

In der Diskussion identifizierten die Mädchen und Jungen als Hauptgründe für ein Leben auf der Straße große Armut, Vernachlässigung durch die Eltern oder zerrüttete Zuhause. Weitere Gründe sind der Mangel an verlässlichen Gesetzen, Druck von Jugendgruppen, Kriege und Konflikte. In vielen Fällen wurden die Kinder zu Verwandten geschickt, weil ihre Eltern nicht mehr in der Lage waren, sich um sie zu kümmern. Die Kinder sind jedoch statt zu ihren Verwandten zu gehen, auf der Straße gelandet.

Das Leben auf der Straße ist gefährlich. Die Kinder fassten die Gefahren zusammen, denen sie jeden Tag ausgesetzt sind: Teenager-Schwangerschaft, keine Möglichkeit auf Bildung, wachsende Anzahl an Kindern, die auf der Straße leben sowie gesundheitliche Probleme. Ein Teilnehmer sagte: "Das Leben auf der Straße hat alle meine Träume gestohlen."

Die steigende Anzahl an Kindern, die auf der Straße leben und arbeiten, übt großen Druck auf die überlasteten Systeme der sozialen Dienste aus. Die Rate der Analphabeten wächst, das wirkt sich auch auf die Entwicklung eines Landes aus.

Das Wahrnehmen des Problems ist der erste Schritt
Gemeinsam besprachen die Straßenkinder mit den Jugendgruppen, wie sie mit den Tatsachen umgehen und welche Lösungen ihnen einfallen. Sie entschieden: An vorderer Stelle stehen die Eltern, die sich besser um ihre Kinder und ihre Grundbedürfnisse kümmern müssten. Regierungen und Nichtregierungsorganisationen sollten die Eltern überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Kinder sollten darin bestärkt werden, wenn sie Missbrauch oder Vernachlässigung melden möchten.

Alle, Regierungen, Organisationen und Familien, müssten gemeinsam daran arbeiten, dass Kinder nicht auf der Straße leben. Richtlinien und Programme müssen implementiert werden, damit Kinder, die auf der Straße leben, zu ihren Familien zurückkehren können, Bildung erhalten und gesunde, teilnehmende Mitglieder der Gesellschaft werden.

Kommunikation öffnet Augen und Türen
Die Ergebnisse, welche die Kinder gemeinsam erarbeiteten, fließen in die Arbeit von Plan Ghana ein. Da die Kinder an der Entwicklung neuer Projekte beteiligt sind, haben sie ein Auge darauf, dass die Projekte auch Straßenkinder erreichen und wie sie ihren neuen Freunden zu einem sicheren Leben verhelfen können.

Amadou aus Kamerun berichtet
Auch in Kamerun thematisierte Plan das Thema des diesjährigen Tags des afrikanischen Kindes. Dort berichtete das ehemalige Straßenkind Amadou, wie sein Leben auf der Straße verlief.

"Mein Name ist Amadou und ich bin elf Jahre alt. Ich bin ein ehemaliges Straßenkind. Ich bin von meiner Stadt in Garoua in die Hauptstadt Kameruns Yaoundé gegangen, wo ich auf der Straße lebte. Meine Stadt habe ich verlassen, weil ich von meinen Eltern geschlagen wurde. Außerdem habe ich in einem Haus mit den Ehefrauen und Kindern meines Vaters gelebt, Familienkonflikte gab es ständig.

Als Kind auf der Straße lebte ich in Gruppen unter Brücken, in leerstehenden Gebäuden, sogar auf offenen Feldern rund um Yaoundé. Aber dank dem Sozialministerium und mithilfe von Plan konnte ich in einem Sozialhaus unterkommen, wo ich noch immer bin. Ich gehe wieder zur Schule.

Mein Wunsch ist, dass alle zusammen an der Lösung arbeiten. Das Problem mit vertriebenen Kindern wird akut. Es hat Auswirkungen in der Entwicklung von Kindern, besonders in den Bereichen Bildung, Gesundheit und auch emotional. Alle, die sich für Kinderrechte einsetzen, müssen mitmachen und ganz viel verschiedene Unterstützung für Kinder anbieten."

Studie zu Kindern, die auf der Straße leben
Der Menschenrechtsrat beschäftigte sich am 09. März 2011 in Genf mit dem Schicksal dieser Gruppe von Kindern und Jugendlichen und veröffentlichte dazu eine Resolution. Plan hat gemeinsam mit dem Consortium of Street Children im Vorfeld aktiv an der Formulierung der Resolution gearbeitet und eine Studie in Auftrag gegeben. Weitere Informationen finden Sie hier.

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