Burkina Faso
"Sie haben meine Eltern überzeugt"
Mädchen vor der Genitalbeschneidung zu schützen, ist eine schwierige Herausforderung. Position zu beziehen kann zu ernsten Konflikten mit den Eltern und den Gemeindeältesten führen. In Burkina Faso bewahrte Plan die 14-jährige Diattou vor diesem Schicksal. Sie bedankte sich in einem bewegenden Brief bei Plan.
Als die Plan-Wissenschaftlerin und Kinderpsychologin Eveline Morne die 14-jährige Diattou aus Burkina Faso über ihre Sorgen und Schwierigkeiten befragte, sagte Diattou, ihre größte Angst sei, beschnitten zu werden. Ihre Eltern hatten ihr wiederholt gesagt, dass die Praxis in den nächsten Monaten durchgeführt werden solle. Seit zwei Jahren sparten sie Geld dafür. Diattou bat Eveline Morne, ihr zu helfen.
Morne berichtete der Sozialbehörde von dem Fall und führte mehrere Diskussionen mit den Eltern, die schließlich zustimmten, das Mädchen nicht bescheiden zu lassen. Als die Kinderpsychologin Diattous Dorf zuletzt besuchte, erfuhr sie, dass die Eltern sogar begonnen hatten, andere Eltern davon zu überzeugen, ihre Töchter ebenfalls nicht beschneiden zu lassen. Der Fall von Diattou zeigt, dass individuelle Schutzmaßnahmen für Mädchen ein wichtiger Meilenstein sind, um weibliche Genitalbeschneidung zu bekämpfen. Diattou schrieb Plan einen bewegenden Dankesbrief:
Brief der 14-jährigen Diattou an Plan:
"Seit meinem zwölften Lebensjahr erzählten mir meine Eltern von der Beschneidung. Sie sagten mir, dass sie Teil unserer Tradition sei und dass ich beschnitten werden müsse, um eine Frau zu werden. Sie sagten, dass nicht beschnittene Frauen keine guten Frauen und ihren Ehemännern nicht treu seien. Die Vorstellung, beschnitten zu werden, machte mir große Angst. Ich mochte die Ferien nicht, weil meine Eltern mir immer sagten, dass ich in den Sommerferien beschnitten werden sollte.
"Ich hatte Angst vor den Ferien"
In diesem Jahr hatte ich wieder sehr viel Angst, als die Regenzeit begann, denn die Regenzeit bedeutete, dass sich die Sommerferien näherten. Mehrere beschnittene Mädchen hatten mir von den Schmerzen der Prozedur berichtet. Ich wusste, dass die Beschneidung sehr weh tut und dass man dabei eine Menge Blut verliert. Man kann sogar sterben, oder die Öffnung, durch die man uriniert, kann sich verschließen, so dass man nicht mehr zur Toilette gehen kann. Ich hatte so viele Ängste und Sorgen, dass ich in den Ferien an Gewicht verlor. Dass meine Eltern mich nicht schon mit zwölf Jahren beschneiden ließen, liegt daran, dass sie nicht das Geld dafür hatten. Man muss das beschnittene Mädchen mit ausreichend Nahrung versorgen und die Beschneiderin bezahlen. Die Ferien sind in der Regenzeit, wenn die Menschen nicht genug zu essen haben. Ich glaube, dass mich dies in den letzten zwei Jahren vor der Beschneidung bewahrt hat.
"Danke für das, was Sie für mich getan haben"
Zum Glück habe ich in diesem Jahr Sie getroffen, und Sie haben es geschafft, meine Eltern davon zu überzeugen, mich nicht beschneiden zu lassen. Meine Eltern haben es nun verstanden und akzeptiert. Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie nach dem ersten Interview wiedergekommen sind und mit meinen Eltern gesprochen haben. Meine Eltern sagten, dass sie ihre Meinung geändert haben, seit Sie zum ersten Mal hier waren und mit ihnen über meine Beschneidung gesprochen haben. Sie haben sich dafür entschieden, es nicht zu tun. In den gesamten Ferien haben sie nicht einmal mehr davon gesprochen! Hinzu kommt, dass meine Eltern anderen Eltern, die ihre Kinder noch immer beschneiden lassen wollen, sagten, dass sie damit das Leben ihrer Töchter gefährden. Ich möchte Ihnen für alles danken, was Sie für mich getan haben."




