25.11.2010

Guinea, Liberia

Betreuung von Gewaltopfern in Westafrika

Gewalt gegen Kinder ist besonders in Ländern mit einer hohen sozialen und wirtschaftlichen Instabilität verbreitet. In der Grenzregion zwischen Guinea und Liberia führt Plan ein regionales Projekt zur psychosozialen Betreuung von Kindern und Jugendlichen durch, die Opfer kriegerischer Konflikte wurden.

Die Untersuchung "Sielent Suffering" von Plan in Westafrika ergab, dass in Ländern mit einer hohen sozialen und wirtschaftlichen Instabilität Gewalt gegen Kinder stark verbreitet ist. Dies trifft besonders auf das Länderdreieck zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone zu, das jahrelang von bewaffneten Auseinandersetzungen betroffen war.

Die dort anhaltende Gewalt, Diskriminierung und der weit verbreitete sexuelle Missbrauch haben Mädchen und Jungen in vielfältiger Weise traumatisiert. Viele von ihnen können nicht zur Schule gehen, sind drogenabhängig, gewalttätig oder selbstmordgefährdet. Eine große Anzahl an Mädchen muss sich prostituieren, da ihre Familien sie nicht unterstützen können.

"Sie sagen, mein Vater war ein General der Rebellen und ich eine Buschfrau. Ich vertraue niemandem. Ich trinke, spiele und biete Männern meine Dienste an. Ich bin alleine, weil die Leute meine Art zu leben, nicht akzeptieren. Ich kann nicht auf andere Leute zugehen. Ich bin ohne Hoffnung und sehr müde, aber die Leute sagen, ich sei aggressiv", erzählt 15-jähriges Mädchen in Liberia.

Flüchtlingsströme aus Liberia und Sierra Leone

Guinea war zwar nicht direkt in die kriegerischen Konflikte mit Liberia und Sierra Leone involviert, in die Grenzregion fielen jedoch immer wieder liberianischen Kämpfer ein. Außerdem hat die Region Hunderttausende Flüchtlinge aus den beiden Ländern aufgenommen. Bis heute hat dies Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen den drei Staaten. Ethnische und politische Spannungen sind eine Folge, viele Leute haben Vorurteile gegenüber Menschen aus anderen Ländern.

Trauma-Bewältigung für Mädchen und Jungen

Plan hat 2010 ein regionales Projekt zur Unterstützung der vom Krieg betroffenen Gemeinden in der Grenzregion zwischen Guinea und Liberia begonnen. Ziel ist es, 1.000 traumatisierte Mädchen und Jungen zwischen 10 und 25 Jahren psychosozial zu betreuen, ihnen eine Schulbildung und den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen sowie nachhaltig ihre Lebensgrundlage zu sichern. Zudem soll im Grenzgebiet gemeinsam mit den Gemeinden eine Kultur des Friedens aufgebaut werden. Plan wird hierzu den direkten Austausch zwischen den Dörfern fördern. Zu dieser Art der Friedenserziehung gehören auch Schulungen in Mediation.

Die betroffenen Heranwachsenden, die anhaltender Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch ausgesetzt sind und besonders solche, die selbstmordgefährdet sind, erhalten auch medizinische und psychosoziale Betreuung. Sie werden behutsam in die Gesellschaft reintegriert. Bei jedem einzelnen Jugendlichen werden die individuellen Bedürfnisse geprüft und entsprechende Hilfestellungen organisiert. Ein Schwerpunkt des Projekts ist außerdem die Prävention von sexualisierter und geschlechtsbedingter Gewalt.

Das Projekt wird über den Mädchen-Fonds finanziert. Über den Mädchen-Fonds werden Projekte zur Förderung gleicher Chancen und Rechte für Kinder in Plans 48 Programmländern realisiert.

AddThis Social Bookmark Button