30.04.2010

Vietnam

Vom Straßenkind zum Abteilungsleiter

Am 1. Mai wird weltweit der Internationale Tag der Arbeit gefeiert. Mit Veranstaltungen und Festlichkeiten wird an die Situation berufstätiger Menschen erinnert. In Vietnam ist dieses Datum ein gesetzlicher Feiertag, an dem auch arbeitende Kinder frei haben.

In den besonders armen Gegenden Vietnams – etwa im Norden – müssen viele Kinder und Jugendliche zum Familieneinkommen beitragen. Neben der anstrengenden Arbeit auf Feldern, Märkten oder in den Straßen der Großstädte bleibt kaum Zeit und Kraft für die Schule.

 

Das südostasiatische Land verfügte über ein vergleichsweise gutes dreistufiges Bildungssystem. Doch im Zuge von Wirtschaftsreformen wurden staatliche Bildungsausgaben gekürzt. Dies führte vor allem auf dem Land zu Problemen im Grundschulwesen. Plan Vietnam stärkt mit verschiedenen Projekten die Rechte der Kinder und hilft Jugendlichen bei einer geregelten Ausbildung.


Tien – endlich Schule statt Arbeit

Im Alter von zehn Jahren verließ Tien die Schule, um etwas Geld zu verdienen. Jeden Tag arbeitete das vierzehnjährige Mädchen am Fluss, danach verkaufte sie Lotteriescheine in den Straßen der Stadt Hue. Um zwei Uhr morgens begann für Tien und ihre Familie der Tag. Ihr Zuhause ist ein kleines Boot auf Vietnams Perfume River, ihre Aufgabe war es, Sand aus dem Flussbett zu holen. Es waren lange, harte Arbeitstage in der sengenden Sonne. Tien wusste, dass sie eigentlich in der Schule sein sollte.

 

Kinderrechte am Flussufer

Tiens Leben änderte sich, als die Bewohner der Boote zu einem Treffen von Plan Vietnam und Vertretern von vietnamesischen Regierungs- und Bildungseinrichtungen eingeladen wurden. Das Thema: Kinderbildung und -schutz. Hier hörten sie von der Bedeutung von Schulbesuchen, Einbeziehung der Kinder in Gemeindeaktivitäten sowie Schutz vor ausbeuterischer Arbeit. Mehr als 350 Boots- und Straßenkinder nahmen an Plan Vietnams Aufklärungsarbeit teil. Es war das Gesprächsthema unter den Müttern am Flussufer.

 

Das Treffen war erfolgreich. Die Eltern unterschrieben eine Vereinbarung, die ihren Kindern erlaubt, regelmäßig zur Schule zu gehen und vereinbarten den Stopp von Kinderarbeit. Tien fand außerdem heraus, dass sie am informellen, jahrgangsübergreifenden Unterricht teilnehmen konnte – speziell für Kinder, die wie sie mehrere Schuljahre verpasst haben. "Ich bin meinen Eltern so dankbar, dass sie mich in diese Klassen und in den Kinderclub gehen lassen. Davon habe ich sehr, sehr lange geträumt", sagt das Mädchen.


Die Arbeitsrealität von jungen Migranten

Selbst wenn Jugendliche in Vietnam einen Schulabschluss machen können, fehlen oft Ausbildungsstätten oder Weiterbildungsmöglichkeiten, die ihnen zu einem gutbezahlten und sicheren Arbeitsverhältnis verhelfen. Eine Untersuchung von Plan Vietnam ergab, dass jährlich bis zu einer halben Million Jugendliche auf der Suche nach Arbeit in die Hauptstadt Hanoi kommen. Wenn sie Glück haben, finden sie Beschäftigung auf dem Bau, in Cafés oder als Putzkraft. Ihr Lohn ist gering, die Arbeitsbedingungen sind miserabel. Verträge basieren normalerweise auf mündlichen Abkommen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, vor Ausbeutung und Missbrauch sind sie nicht geschützt.


Plan-Projekt – Berufsperspektiven für 1.000 Jugendliche

Die "Livelihood Advancement Business School" (LABS) wurde in Hue von Plan Vietnam 2004 eingeführt. Bis heute haben durch ihren Besuch mehr als 1.000 arme und benachteiligte Jugendliche in der Provinz einen sicheren Arbeitsplatz finden können. In den kostenfreien Kursen erlangen die Jugendlichen Fähigkeiten im Kunden- und Verkaufsdienst sowie Hotel- und Tourismusgewerbe. Jeder Kurs beinhaltet eine Ausbildungsperiode beim zukünftigen Arbeitgeber. LABS-Schüler erhalten darüber hinaus Kommunikationstrainings und Aufklärung über HIV/AIDS, Gesundheit, Suchtprävention und Kinderrechte. Das Ergebnis: LABS-Absolventen haben nach ihrem Abschluss die notwendige Erfahrung und Fähigkeiten, um einen gutbezahlten Job zu bekommen.


Chance auf ein besseres Leben

Tran Thanh Vinh, 23, ist einer der Absolventen. Er verließ die Schule in der 11. Klasse, als sein Vater arbeitslos wurde und seine Eltern das Schulgeld nicht länger für ihn aufbringen konnten. Um Essen für seine Familie kaufen zu können, arbeitete Vinh als Kleiderverkäufer auf den Märkten, zog von Provinz zu Provinz. Sein Job beinhaltete weite Reisen und harte Arbeit für wenig Lohn. Vinh war fest entschlossen, seine Situation zu ändern. Er erfuhr von LABS durch eine Anzeige in einer Zeitung und bewarb sich erfolgreich für den Kurs.

 

Nach erfolgreichem Abschluss bekam er eine sehr gute Anstellung als Abteilungsleiter. Ausgestattet mit Wissen, Entschlossenheit und Erfahrung wurde er gleich zweimal befördert. Vinh ist zufrieden mit dem, was er durch das LABS Programm erreicht hat: "Dank meiner Lehrer habe ich neue Fähigkeiten erlernt und dadurch diesen tollen Job bekommen. Außerdem habe ich meine Frau bei LABS kennengelernt, sie ging in die gleiche Klasse wie ich."

 

In diesem Video stellen wir den Alltag des Patenkinds Hien im Norden Vietnams vor.

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