Kinderhandel
Kinderhandel ist einer der schlimmsten Verstöße gegen die Kinder- und Menschenrechte. Über eine Million Kinder sind weltweit betroffen. In Westafrika sind es mehrere Hunderttausend.Allein in Togo arbeiten mehr als 300.000 Kinder zwischen fünf und 15 Jahren als moderne Sklaven in den größeren Städten oder im benachbarten Ausland.
Die Geschichten der Kinder und Jugendlichen fangen immer gleich an: Kinderhändler oder Agenten, die für organisierte Kinderhändler arbeiten, suchen besonders arme Dörfer und Gemeinden auf. Sie versprechen den Familien, dass die Mädchen und Jungen woanders ein besseres Leben hätten, weil sie dort eine Schule besuchen oder viel Geld verdienen können. Viele Kinder lassen sich auch locken, weil ihnen ein Fahrrad oder ein Radiorekorder versprochen wird. Gerade Jungen zwischen 14 und 17 Jahren lassen sich gern anwerben, weil sie endlich Geld verdienen möchten. Ihre Agenten sind wiederum oft selbst Jugendliche, die Opfer von Kinderhändlern waren.
Während die Jungen eher direkt von den Agenten angesprochen werden, läuft der Kontakt bei den Mädchen meist über die Familien. Sie arbeiten meistens als Dienstmädchen in Haushalten oder auf den Märkten. Die Ogas – so werden die Kinderhändler in Togo genannt – vermitteln die Kinder an Familien oder Farmer vornehmlich in Nigeria. Diese zahlen den Ogas regelmäßig Geld. Die Mädchen und Jungen wiederum erhalten ihr Geld von den Ogas. Sind die "Arbeitgeber" unzufrieden, werden die Kinder weggeschickt und ihrem Schicksal allein überlassen. Manchmal werden sie noch über die Grenze gebracht. Sehr häufig wird ihnen der Lohn nicht ausgezahlt.
Auch wenn die Familien wissen, welche Auswirkung die Entscheidung hat, ihre Kinder wegzugeben, so hoffen sie doch, dass den Kindern nichts passiert. Oft bleibt den Familien aber auch keine andere Wahl.
Schon während der beschwerlichen Reise, über Land oder mit dem Schiff, sterben einige der Kinder. In Nigeria sind die Mädchen und Jungen vielen physischen und psychischen Misshandlungen ausgesetzt. Die Gefahr, sich mit dem HI-Virus anzustecken, ist groß. In ihrem Schmerz und ihrer Hilflosigkeit sind sie meist allein.
Mädchen haben es besonders schwer. Sie werden rücksichtslos ausgebeutet und häufig auch missbraucht. In Konfliktsituationen mit ihren "Arbeitgebern", beispielsweise durch eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung, werden die Mädchen einfach rausgeschmissen und sitzen dann auf der Straße. Sie trauen sich nicht in ihr Heimatdorf zurück (weil sie „entehrt“ wurden) oder können die Rückfahrt nicht bezahlen. Um Geld zu verdienen, arbeiten viele dann als Prostituierte.
Die Jungen werden häufig nach Nigeria oder in andere Länder Westafrikas geschmuggelt. Sie müssen sehr lange auf den Feldern arbeiten. Sie werden von Aufsehern schlecht behandelt und geschlagen. Viele der Jungen arbeiten sogar nachts, meistens sieben Tage in der Woche und das über sechs Monate, ein Jahr oder noch länger. Nur wenige erhalten einen Lohn für ihre Arbeit. Wenn sie am Ende ihrer "Vertragslaufzeit" ein Fahrrad bekommen, ist dies fast immer das einzige Verkehrsmittel, das ihnen für die lange und beschwerliche Reise nach Hause zur Verfügung steht. Einige kommen dort nie an.
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