Von Pankow nach Peru

Pate Dr. Klaus Forner, Großvater von drei Enkelkindern, hat sich im Vorfeld seines Besuches in Peru viele Gedanken gemacht. Dann kommt der bewegende Moment, als der Berliner seinem Patenkind, der zwölfjährigen Ross-Mery, und dessen Familie gegenüber steht. Herr Dr. Forner berichtet.

Bei herrlichem Sonnenschein machen wir uns auf den Weg zu meinem Patenkind Ross-Mery. Begleitet werde ich von den Plan-Mitarbeitern Alexis und Efraim und von Marcella, der erwachsenen Adoptivtochter einer befreundeten Familie aus Lima. Im Jeep geht es vom Plan-Büro in Cusco über einen Pass hinunter in ein weites grünes Tal mit blühenden Raps- und Kartoffelfeldern.

 

Eine touristische Idylle? Vielleicht vom klimatisiertem First-Class-Bus aus.  Die Lebensrealität der Bewohner dieses Tals besteht nicht in der Wahrnehmung der Schönheit ihrer Umgebung, sondern in sehr harter Arbeit, um in dieser Höhe um die 3.600 Meter von ihren Feldern möglichst viel zu ernten, alles in Handarbeit. Da es aber nicht zum Leben reicht, arbeiten die Männer zusätzlich in Hilfsjobs. Oft so weit von ihren Familien entfernt, dass die Hauptarbeit daheim auf den Schultern der Frauen lastet. Auch die Kinder müssen von kleinauf mithelfen.

 

Rote Ziegel, gelbe Rapsfelder
In der Gemeinde von Ross-Mery leben etwa 700 Menschen. Es ist ein Clan mit vielfältigen Verwandtschaftsbeziehungen, ein Urmodell der gegenseitigen Hilfe. Die Häuser mit ihren Dächern aus roten Ziegeln liegen weit verstreut im Tal, umgeben von Feldern und Weiden. Toiletten gibt es nicht, dafür erhielt aber jedes Haus von Plan einen Wasseranschluss. Zu unserer Begrüßung haben sich Ross-Mery, ihre Mutter Francisca und viele Verwandte mit ihren Kindern eingefunden, der Hof ist geschmückt mit Luftballons - und Ross-Mery wartet sichtlich angespannt und erwartungsvoll mit einem großen Blumenstrauß auf uns.

 

Dank Marcella und der im Ort gut bekannten Plan-Mitarbeiter gibt es kein Eis, das man brechen müsste. Unsere Geschenke werden mit großer Freude und Dankbarkeit angenommen. Ich hatte zunächst ein zwiespältiges Gefühl, doch meine Bedenken lösen sich in Luft auf. Ross-Mery braucht lange, um all die Sachen anzuprobieren, die ich zusammen mit Marcella für sie ausgesucht habe. Es ist sehr rührend, zu sehen, wie sie sie vorführt, und und zu hören, wie sie immer wieder sagt: "Ach, padrino, ich bin so glücklich." Als ich vor über einem Jahr die Patenschaft für Ross-Mery übernahm und die ersten Fotos von ihr erhielt, war ein Mädchen drauf mit großen und sehr ernsten Augen.

 

Sonnenblumen zum Abschied
Nach einer leckeren Mahlzeit mit gekochtem Maiskolben und selbstgemachtem Käse führt  Ross-Mery uns durch ihr Dorf. Überall in dem kleinen Ort werden wir herzlich gegrüßt. Stolz zeigt Ross-Mery uns ihr blühendes Kartoffelfeld. Sie erzählt, wie gerne sie zur Schule geht und dass sie Deutsch lernen möchte, was aber dort leider unmöglich ist. Und auch von ihrer Hoffnung, später einmal als Ärztin zu arbeiten. Dabei höre ich leise heraus, dass sich der Vater wohl kaum um die Familie kümmert. Ross-Mery teilt damit das Los vieler Kinder in dieser Gesellschaft. 

 

Dann der Abschied mit einem großen Strauß Sonnenblumen, Umarmungen und natürlich dem Versprechen auf ein Wiedersehen. Als Großvater von drei Enkelkindern hat mich das Schicksal meines Patenkindes sehr berührt. Auch erkennen zu müssen, wie schwer es für Ross-Mery sein wird, ihre Träume zu realisieren. Gerade in den ländlichen Gebieten ist es sehr schwierig, sich weiter zu bilden und dem Kreislauf der Armut zu entrinnen. Auf der Rückfahrt erzählen Alexis und Efraim mir von den Bildungsprojekten, die Plan ins Leben gerufen hat, um den Kindern in der Region die Möglichkeit zu bieten, länger die Schule zu besuchen. Wichtige Dinge, die ich auch weiterhin mit meiner Patenschaft unterstützen möchte.

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Schule ist schön! Ich freue mich, dass ich bald schreiben lernen kann.

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