Ein Tika auf die Stirn

Nepal ist ihnen vertraut: Durch ihre zahlreichen Trekkingtouren lernten Christine und Detlef Kordt aus Wedel Land und Leute lieben. Vor sechs Jahren übernahmen sie die Patenschaft für den heute 14-jährigen Raj-Kumar. Im Oktober 2006 hat es endlich geklappt. Christine und Detlef Kordt berichten:

Pünktlich steht unser Fahrer in der Früh vor dem Hotel und es geht los. Der morgendliche Verkehr in Kathmandu ist noch verhältnismäßig ruhig und wir kommen gut voran. Wir fahren gen Süden an Reisfeldern vorbei. Nach einer Dreiviertelstunde hört die asphaltierte Straße auf, Sand- und Geröllwege mit Schlaglöchern folgen. Wir werden gerüttelt und geschüttelt, der Fahrer gibt unverdrossen Gas.

Nach zwei Stunden treffen wir in der Gemeinde ein. Herr Bhandari von Plan, unser Ansprechpartner vor Ort, begrüßt uns und erzählt von seiner Arbeit und den aktuellen Plan-Projekten. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Haus der Familie. Hier warten die Familie, Verwandte, Freunde und Nachbarn. Der Vater ist noch bei der Arbeit auf dem Feld,  die Mutter begrüßt uns mit einem rotem Tika (Glückszeichen) auf der Stirn und wir bekommen Blumensträußchen. Wir übergeben unsere Mitbringsel: Raj-Kumar einen Fußball, seine Schwester ein Schuletui. Und der kleine Bruder freut sich sichtlich über die Luftballons.  

Unser Patenkind ist schüchtern und sagt nichts. Raj-Kumar ist es wohl auch nicht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Leider können wir nicht direkt miteinander kommunizieren. Die Familie spricht Tamang, der Mitarbeiter von Plan übersetzt. Wir haben ein paar Fotos für den Jungen mitgenommen. Die gehen jetzt erst mal herum und werden kommentiert. Die Mutter bietet uns Tee und Gebäck an. Sie bedankt sich bei uns für die Geschenke und für die Fürsorge, die wir ihrem Kind entgegenbringen.

Raj-Kumar zeigt uns seine Schulsachen und liest uns aus einem Buch vor. Die Familie lebt in zwei Räumen, in der Ecke des einen Raumes ist sogar eine Ziegenherde untergebracht. Auch ein kleines Stück Land gehört der Familie, dort baut sie Kohl und Karotten für den Eigenbedarf an. Schließlich verabschieden wir uns und machen uns auf den Rückweg. Unterwegs zeigt uns Herr Bhandari ein von Plan errichtetes Gebäude. Dort wird das geerntete Gemüse gesammelt, bevor es nach Kathmandu transportiert und dort verkauft wird.

Dann halten wir noch einmal an, um den örtlichen Kindergarten zu besuchen, der von Plan unterstützt wird. Es ist gerade Mittagszeit und die 21 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren sitzen im Raum auf dem Fußboden und essen. Plan stellt die Sozialarbeiterin, die Kinder erhalten eine ausgewogene Ernährung. Nach dem Essen waschen sich alle der Reihe nach Gesicht und Hände. Danach singen sie Lieder und überreichen uns Blumen und Schals.
 
Wir verabschieden uns. Die Kinder stehen oben am Berg und winken, bis sie uns nicht mehr sehen können. Nach einem gemeinsamen Essen mit den Plan-Mitarbeitern machen wir uns auf den Rückweg nach Kathmandu. Wir wollen möglichst noch vor dem Dunkelwerden zurück sein. Es war ein anstrengender Tag, aber wir haben so viele neue positive Bilder und Eindrücke gewonnen.

 

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Ich freue mich, dass Plan eine Schule für mein Dorf baut. Ich will Lehrerin werden!

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