Besuch beim Patenkind in Indien

Plan-Paten Tina Groll und Markus Klein aus Bremen nahmen bei ihrer Reise durch Indien die Gelegenheit wahr, ihr siebenjähriges Patenkind zu besuchen. Gundappa lebt mit seinen Eltern und Geschwistern im südindischen Bundesstaat Karnataka, eine der ärmsten Regionen Indiens. Tina Groll berichtet für Plan.

Ein kleiner Junge lugt schüchtern-lächend aus dem Hütteneingang hervor. Das ist er also Gundappa, sieben Jahre alt, seit zwei Jahren unser indisches Patenkind. Er trägt ein steif gebügeltes, blau-kariertes Hemd und eine rote, kurze Hose. Mit seinen großen braunen Augen mustert er uns – und wir ihn. Ein ganzer Nachmittag steht uns nun zur Verfügung, um uns ein wenig besser kennen zu lernen.

 

Gundappa lebt einem kleinen Dorf in einer der ärmsten Regionen Indiens im südindischen Bundesstaat Karnataka. Mit gerade einmal 40 Regentagen im Jahr ist diese Region eine der trockensten. Mehr als zwei Drittel aller Einwohner leben unter der Armutsgrenze, die Analphabetenrate ist extrem hoch. Medizinische Versorgung gibt es kaum. Die Menschen leben von der Viehzucht und Landwirtschaft. Nicht einmal alle Dörfern verfügen über einen Brunnen, sanitäre Anlagen sind rar.

 

Seit zehn Jahren arbeitet Plan in über hundert Dörfern. Derzeitig werden 4106 Kinder gesponsert, 70 Prozent der Paten sind Deutsche. Die Projekte von Plan sind so vielfältig wie die Bedürfnisse der Region: Brunnen- und Schulbau, Aus- und Weiterbildung für Lehrer, Gesundheitsvorsorge und Aids-Programme, Nahrungssicherung und Existenzförderung, Umweltschutz, Rechte für Frauen, Behinderten und Kinder. Gerade einmal 50 Mitarbeiter sind bei Plan fest angestellt.

 

Aber ein Patenbesuch ist etwas ganz besonders: Wir werden von gleich drei Plan-Mitarbeitern begleitet – und dem halben Dorf. Schließlich betreten wir das Haus von Phakirappa, Gundappas Vater. Zwei Räume, ein paar Matten auf dem Boden, eine Feuerstelle, wenige Heiligenbilder an der Wand. Mehr braucht die siebenköpfige Familie nicht. Wir nehmen auf dem Boden Platz. Phakirappa tritt hervor. Mit vor der Brust gefalteten Händen verbeugt er sich und sagt: "Es ist uns eine große Ehre, dass Ihr den weiten Weg aus Deutschland auf Euch genommen habt."

 

Er dankt für die Patenschaft und stellt seine Familie vor: Die älteste Schwester Paddamma erzählt, dass sie schon die neunte Klasse besucht – und ein echtes Mathe-Ass ist. Die Zweitälteste Yamanamma liebt Kannada, die lokale Sprache. Und Gundappas kleiner Bruder spielt am liebsten Verstecken. Dann verrät Gundappa, dass er später einmal Lehrer werden möchte. Sein Vater lacht und streicht ihm über das schwarze Haar. Derweil hat seine Mutter Mallamma Zitronensaft mit Kardamon zubereitet. Die Kinder servieren den kühlen Saft in Metallbechern und reichen dazu Kekse.

 

Schließlich steht eine Führung durch das Dorf an. Vorbei an den vielen Lehmhütten stapfen wir zur Schule. Das Gebäude hat mehrere Klassenräume mit hellen, bunten Wänden. Tische und Bänke gibt es darin kaum. Dafür liegen bunte Decken auf dem Boden. In einem Klassenraum hat sich die örtliche Frauengruppe versammelt, zu der auch Gundappas Mutter gehört. Die Frauen zeigen uns ihr Existenzsicherungsprogramm: Jede Teilnehmerin erhält einen kleinen Kredit – und bürgt für die anderen. So haben die Frauen schon einiges für Notzeiten angespart.

 

Später will uns Gundappa noch zeigen, wie er mit seinen Freunden Murmeln spielt. Während wir süßen Tee schlürfen, schauen wir den Kindern beim Klickern zu. Als sich die Sonne senkt, wird es Zeit für uns zu gehen. Aber nicht, bevor noch ein paar Erinnerungsbilder gemacht sind. Wieder drängen wir uns in Phakirappas kleines Haus. Für das Bild schauen alle Familienmitglieder ernst drein: Sie wollen damit ihre Würde und Dankbarkeit ausdrücken. Überwältigt von all den Eindrücken, steigen wir in den Jeep, der uns über die staubige Piste von der Handelsstadt Hospet zum Dorf gebracht hat. Dieser Tag hat uns Gundappa, seiner Familie und der Dorfgemeinschaft sehr nahe gebracht.

 

 

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Ich freue mich, dass Plan eine Schule für mein Dorf baut. Ich will Lehrerin werden!