Bienvenidos: Willkommen in Bolivien!
Ein herzlicher Empfang erwartete Sara und Stefan Textor, als sie Anfang des Jahres ihr Patenkind in Bolivien besuchen. Das junge Paar aus Bretten in Baden-Württemberg hatte sich auf den langen Weg durch die Anden gemacht, um die zehnjährige Nebay und ihre Familie persönlich kennenzulernen. Lesen Sie den Bericht der beiden.Von Sucre aus fahren wir fünf Stunden Richtung Osten durch die Anden. Mit dem Wetter haben wir Glück: Seit den letzten Tagen scheint die Sonne und es ist ziemlich warm. Bei Regen würden wir auf der ungeteerten Strasse große Probleme bekommen. Um sechs Uhr in der Früh brechen wir zusammen mit den Plan-Mitarbeitern Andres und Heman auf. Über Tarabuco und Villa Serrano geht es bis zum Dorf von Nebay. Schon auf dem Hinweg sehen wir, wie groß die Armut der Menschen dort ist. Andres, der bereits seit 20 Jahren für Plan Bolivien arbeitet, zeigt uns aus dem Auto heraus mehrere Projekte, vor allem Schulen und Gesundheitsstationen. Allein Plan Sucre wird von 12.800 Paten aus aller Welt unterstützt. Inzwischen haben die meisten Häuser dank ihrer Unterstützung Dächer aus Ziegel. In den alten Strohdächern nisteten Insekten, sogenannte Chipos, die eine tödliche Krankheit (Chagas-Infektion) übertragen können.
Online in den Anden
In Villa Serrano legen wir einen Zwischenstopp ein, um ein weiteres Projekt zu besichtigen, das "Telecentro". Dies ist ein Raum mit etwa zwölf Computern. Eine Gruppe Jugendlicher im Alter zwischen 13 und 17 Jahren hat seit etwa einem Jahr die Möglichkeit, sich im Bereich EDV und Internet weiterzubilden. Auch andere Dorfbewohner können die Computer gegen eine geringe Gebühr benutzen. Gegen zwölf Uhr mittags erreichen wir die Gemeinde von Nebay. Sie besteht aus etwa 150 Personen, 30 Kinder davon werden seit sechs Jahren von Plan unterstützt. Wir sind die ersten Paten, die dieses Dorf besuchen - und somit wahrscheinlich die ersten Europäer dort überhaupt.
Wasserhahn im Hof
Nebays Familie empfängt uns sehr herzlich, jeder von uns bekommt einen Blumenkranz um den Hals gehängt. Nebay selbst ist zunächst sehr schüchtern und zurückhaltend. Wir bekommen reichlich Essen angeboten, im wesentlichen Reis und Fleisch. Die Leute in der Gegend ernähren sich hauptsächlich von Mais, Kartoffeln und Weizen. Nebays Eltern sind Bauern, die vierköpfige Familie lebt in einer einfachen Lehmhütte. Drei weitere Geschwister von Nebay sind bereits ausgezogen und wohnen mittlerweile in Städten. Vom kleinen Innenhof aus gehen vier Türen in jeweils ein Zimmer, die nur mit dem Notwendigsten eingerichtet sind. Bad oder Toilette gibt es nicht, aber immerhin einen Wasserhahn im Hof. Wir haben nie zuvor eine so spartanische Lebensweise gesehen!
Langer Schulweg durch die Berge
Nach dem Essen löst sich die Stimmung, wir lachen viel. Da sowohl Stefan und ich Spanisch sprechen, ist eine direkte Kommunikation möglich, was das Ganze erheblich vereinfacht. Nebay erzählt uns, dass sie einen 45-minütigen Fußweg zur Schule zurücklegen muss. Sie ist nicht die einzige. Viele Kinder kommen aus Dörfern, die noch weiter entfernt liegen, ihr Schulweg ist sehr lang. Für etwa 80 von ihnen errichtet Plan ein Internat, das wir auf dem Rückweg besichtigen. Es befindet sich noch im Bau. Die Schülerinnen und Schüler erhalten mit dieser Einrichtung während der Woche eine Unterkunft und eine ganztägige Betreuung.
Selbstgemachter Ziegenkäse
Nebay zeigt uns auch die Briefe, Fotos und Geschenke, die wir ihr im Laufe der letzten fünf Jahren geschickt haben. Anlässlich unseres Besuches haben wir natürlich einige Mitbringsel aus Deutschland dabei: Stifte, Luftballons, Kaugummi und Kleidung sowie ein Buch und einen Regenschirm für Nebay. Und dann noch Lebensmittel, die wir einen Tag zuvor in der Stadt besorgt hatten. Von der Familie bekommen wir ebenfalls Geschenke: Neben selbstgemachtem Ziegenkäse hat uns die Mutter von Nebay über mehrere Wochen eine große Bettdecke gewebt. Mit so einem tollen Geschenk haben wir natürlich nicht gerechnet! Nach drei Stunden wird es leider Zeit, aufzubrechen, da uns noch ein langer Weg bevorsteht. Der Besuch bei Nebay und ihrer Familie hat uns sehr beeindruckt.

