Drei Patenkinder, ein Ziel: Paraguay

Im Frühjahr machte sich Ingrid Leibold aus Weiden auf dem Weg nach Paraguay. Zusammen mit ihrer Tochter Verena besuchte sie ihre drei Patenkinder Emilce, Carmen und Sergio. Ihren ersten Besuchstag verbrachte sie in Asuncion bei Emilce und ihrer Familie. Hier der Bericht der Pfälzerin über ihre Begegnung mit der Sechsjährigen.


An einem Montagmorgen im März, früh um halb sieben, holten uns drei Mitarbeiter von Plan Paraguay von unserem Hotel in Asunción ab. Wir machten uns auf den Weg nach San Estanislao, wo wir freundlich im Plan-Büro begrüßt wurden. Die Mitarbeiter zeigten uns die Räumlichkeiten und erklärten einige ihrer Projekte, obwohl das Büro in der Karwoche eigentlich geschlossen war.

 

Nur wenige Straßenschilder und Wegweiser


Gemeinsam mit einem Plan-Mitarbeiter setzten wir die Fahrt zu Emilce fort. Mir war schnell klar, warum Besuche nur in Begleitung eines Plan-Mitarbeiters möglich sind: Vor Ort gibt es nur ganz wenige Straßenschilder und Wegweiser und die kleinen Feldwege, die überall abzweigen, sehen alle gleich aus. Sie sind aus roter Erde und sehr uneben, reinste Hügelpisten, passierbar nur mit Zweirad, Pferd oder zu Fuß. Menschen am Wegesrand winkten erfreut, als wir mit dem Plan-Auto vorbeifuhren. Für mich ein erstes  Zeichen, dass die Arbeit von Plan geschätzt wird und die Mitarbeiter gern gesehen sind. Wir fuhren an kleinen Hütten vorbei und dann über eine Wiese bis zu einem türkisgrün gestrichenem Holzhaus mit Wellblechdach: Wir waren am Ziel, bei Emilces Familie.


Erste Begegnung ohne Berührungsängste


Eleuterio, Emilces Vater, begrüßte uns herzlich und bot uns gleich das Nationalgetränk Terere an (kalter Matetee). Er stellte uns seine Familie vor. Alle waren unheimlich nett und zu meiner Überraschung war Emilce sehr offen und zutraulich, ganz ohne Berührungsängste. Sie nahm die Tüte mit den Spiel- und Schulsachen, die ich ihr mitgebracht hatte, freudig in Empfang. Ich fühlte mich sehr wohl in dieser Umgebung und in meine Kindheit zurückversetzt, denn es gab keine Zäune und Abgrenzungen zu den Nachbarn. Alles war einfach aber sauber und die Menschen wirkten sehr lebendig und zufrieden.

 

Schulgebäude mit Hilfe von Plan


Wir fuhren zur Schule, Emilce war selbstverständlich mit dabei. Sie ist das achte Kind der Familie. Mit ihren sechs Jahren geht sie schon in die zweite Klasse. Der Direktor begrüßte uns freundlich und zeigte uns die Schulanlage und die Klassenzimmer. Mit Unterstützung von Plan wurde ein zusätzliches Schulgebäude gebaut, auf das alle sehr stolz sind. Julio, einer unserer Begleiter, und auch der Schuldirektor, erklärten uns, unter anderem, dass die Familien in alle Projekte mit einbezogen werden und am Bau der Schule mitgearbeitet haben. Da meine Tochter Spanisch spricht, erzählte sie den Kindern in der Schule ein wenig über Deutschland und beantwortete alle Fragen zu unserer Heimat.

 

Rundgang über die Felder


Danach ging es wieder zurück zu Emilces Familie. Dort wartete ein gedeckter Tisch auf uns. Zum Trinken gab es frisch gepressten Ananassaft. Nach dem Essen führte uns Eleuterio zu seinen Feldern, wo er Maniok (Nationalspeise, ein Wurzelgemüse), Ananas und Sesam anbaut. Emilce blieb die ganze Zeit an meiner Hand und ließ sich sogar von mir tragen. In der Stadt kauften wir anschließend eine Schuluniform für sie und Lebens- und Pflegemittel für die ganze Familie. Als wir zurückkehrten und unsere Einkäufe auf den Tisch legten, kamen gleich alle herbei. Die Freude über die Sachen war ihnen anzusehen. Dann spielten wir Seilhüpfen mit Emilce und sie sagte Gedichte auf und sang Lieder.

 


Erleichterung im Alltag


Zum Abschluss zeigte uns Eleuterio noch, was Plan alles für die Familien in der Gemeinde ermöglicht hat: fließendes Wasser vor der Hütte, ein Ofen in der Stube, damit nicht mehr am Boden auf offenem Feuer gekocht werden muss, ein Silo für seine Samen - da war sein Lächeln besonders breit und stolz - eine Toilette und eine Dusche. Es war zu sehen, wie sehr er sich darüber freute und dass diese Errungenschaften täglich und gern benutzt werden und vieles erleichtern. Wir verbrachten einen sehr abwechslungsreichen und wunderschönen Tag miteinander, voll Lebensfreude und Leichtigkeit. Mittlerweile war es Abend geworden und höchste Zeit zum Aufbruch, denn vor uns lagen noch zwei  Stunden Autofahrt bis Caaguazu. Zum Abschied schenkte uns Eleuterio einen Sack Erdnüsse. 

 

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