Weihnachtsmänner in brütender Hitze
Vor fünf Jahren hatte Jutta Blosze aus Lübeck die Patenschaft für Jeniffer übernommen. Letztes Jahr im Dezember besuchte sie zusammen mit einem Freund die 14-Jährige und ihre Familie in Ecuador.Zum ersten Mal sollte ich Jeniffer treffen. Ich war so aufgeregt, dass ich kaum schlafen konnte. Um sechs Uhr morgens brachen Peter, ein Freund, und ich auf. Dann ging es mit dem Bus von Crucita, einem kleinen Fischerdorf an der Küste, nach Portoviejo zum Büro von Plan. Dort begrüßten uns die Plan-Mitarbeiter, unter anderem auch Jeffrey, der die Projekte vor Ort koordiniert.
Toilettenhäuschen mit Plan-Logo
Nach einem Einkauf in einem riesigen Supermarkt, in dem wir für die Familie Lebensmittel kauften, fuhren wir mit einem Jeep etwa eine Stunde bis zur Gemeinde von Jeniffer. Vorbei an trockenem Land, vielen armseligen Häusern und weiß angestrichenen Toilettenhäuschen, an dessen Außenwänden das Plan-Logo prangte. Besuche von Paten wären hier absolut selten, erzählte uns Jeffrey. Nur etwa dreimal im Jahr komme jemand vorbei, um sein Patenkind zu besuchen. Es würde auch Familien geben, die nicht möchten, dass ihre Kinder fotografiert werden für jemanden, den sie nicht kennen - und die daher für eine Patenschaft nicht zur Verfügung stehen. Verständlich. Über das Vertrauen von Jeniffers Familie bin ich sehr froh.
Schwitzende Engelchen
Jeniffer erwartete uns vor ihrer Schule. Dort fand anlässlich der bevorstehenden Weihnachtstage ein Schulfest statt. Etliche kleine Weihnachtsmänner und Engelchen in glänzenden bunten Kleidern standen in der brütenden Hitze auf dem Schulhof. Die Kinder begrüßten uns mit Applaus, als wir aus dem Wagen stiegen. Jeniffer stand etwas abseits und war genauso aufgeregt wie ich. Etwas unsicher begrüßten wir uns. Die Schuldirektorin empfing uns ebenfalls sehr herzlich. Alle Kinder bildeten ein Spalier und applaudierten uns erneut zu, als wir hindurch gingen. Es war sehr bewegend. Wir besichtigten einen Schulraum der ersten Klasse und danach die Gesundheitsstation des Dorfes. Beide Einrichtungen werden von Plan unterstützt. Wir sahen uns einen etwas antik wirkenden gynäkologischen Stuhl an und diverse Behandlungsräume, z.B. ein Zahnarztzimmer und einen Raum, in dem unter anderem Transfusionen verabreicht werden.
Bambushütte mit Wellblechdach
Anschließend fuhren wir zum Haus von Jeniffers Familie, wo uns Mutter Fanny und eine der beiden älteren Schwestern erwarteten. Sokrates, ihren Vater, hatten wir schon vor der Schule kennengelernt. Über eine steile Holzleiter kletterten wir hinauf in das auf Pfählen stehende Bambushaus mit Wellblechdach. Unter dem Haus war eine Hängematte angebracht. Zwei Hunde liefen frei herum, einer davon war Chester, der Liebling von Jeniffer. Außerdem gab es noch ein paar Hühner und hinterm Haus einen kleinen Schweinestall. Auch die Toilette lag außerhalb des Hauses. Die Familie hat zwar Strom, aber keinen Zugang zu fließendem Wasser.
Stofftierchen zum Abschied
Wir überreichten die Geschenke und unterhielten uns. Jeffrey und Peter halfen beim Übersetzen. Dann wurden wir zu einem äußerst leckeren Essen eingeladen. Es gab Huhn mit Reis, dazu einen Salat aus Kartoffeln, Zwiebeln, Paprika, Tomaten, Hühnerfleisch und Weintrauben - und ein Mousse aus Maismehl mit Ei und Schichten aus Erdnusscreme. Im Anschluss machten wir Fotos. Schließlich war es Zeit, aufzubrechen und Abschied zu nehmen. Das fiel etwas schwer, denn ich weiß nicht, wann ich noch mal eine so weite Reise unternehmen kann. Wir bedankten uns für den freundlichen Empfang und das gute Essen. Sokrates lud uns ein, wiederzukommen. Zum Abschied schenkte Jeniffer mir noch eines ihrer kleinen Stofftiere, einen kleinen Hund. Ich war sehr gerührt.



