Wiedersehen mit Edgle aus Brasilien

Fußball verbindet: Kurz vor der WM 2006 war Klaus-Josef Thewes das erste Mal in Brasilien bei seinem Patenkind Edgle. Nun brach der Pate aus dem Saarland erneut auf, um den 15-Jährigen und seine Familie wiederzusehen. Bei der Gelegenheit besuchte er auch die drei Patenkinder seiner Bekannten aus Deutschland.

Endlich ist es soweit. Obwohl ich mein Patenkind und den Ablauf eines solchen Besuchtages schon kenne, verbringe ich eine aufregende Nacht. Ist das Treffen mit Edgle und seiner Familie doch auch diesmal der Höhepunkt meiner Reise. Am nächsten Morgen begrüßt mich Duany, der Leiter des örtlichen Plan-Büros in Brasilien, vor dem Hotel. Vor zwei Jahren regnete es wie aus Kübeln, dieses Mal scheint die Sonne! Duany hat einen Dolmetscher und einen Fahrer dabei. Wir besprechen den anstehenden Tag und ich schlage vor, zuerst die drei Patenkinder meiner Bekannten zu besuchen - und dann zu meiner Patenfamilie zu fahren. Doch dann bekommt Duany einen Anruf aus dem Plan-Büro. Wir sollen doch zuerst zu Edgle. Er hat, wie ich, die ganze Nacht nicht geschlafen, und kann es nicht mehr erwarten, mich zu sehen. Wir disponieren kurzentschlossen um.  

  

Einen ganzen Kopf größer 
Als wir am Haus von Edgle ankommen, werde ich von seiner Mutter Maria begrüßt. Sie umarmt mich - und lacht und weint gleichzeitig. Der Eingang zum Haus ist gesäumt von der brasilianischen und der deutschen Nationalfahne. Und dann steht da nicht ein kleiner Junge wie bei meinem ersten Besuch, sondern ein stattlicher Jugendlicher, der fast so groß ist, wie ich. Ich bin sehr gerührt. Mir wird bewusst, dass Edgle jetzt langsam erwachsen wird, aber seine kindliche Herzlichkeit noch nicht verloren hat. Auch Bruder Eudson freut sich sehr, mich zu sehen. Vor Edgles Haus haben sich mittlerweile die Nachbarn versammelt. Bevor wir dann zu den anderen Patenkindern fahren, will Edgle mir unbedingt noch die Kirche zeigen, in der er im letzten Jahr getauft wurde. Zusammen mit seiner Mutter und Joel, dem Fahrer, besichtigen wir die Kirche, die hinter dem Altar ein wunderschönes Wandgemälde hat.  

 

Dreijähriger Fußballfan
Weiter geht's zu Mateus, Joao Victor und Eric Sandro. Alle drei Jungen sind erst drei Jahre alt. Ihre Pate und ihre Patinnen hatten mir kleine Geschenke für die drei mitgegeben - beispielsweise Stofftiere und Malbücher. Ich habe in Sao Luis noch einige Bilderbücher besorgt. Ich treffe nur ihre Mütter, die Väter sind zur Arbeit oder auf Arbeitssuche. Die drei Kleinen sind etwas schüchtern. Verständlich, wenn man bedenkt, dass da ein fremder Mensch vor ihnen steht - mit ziemlich heller Gesichtsfarbe. Alle drei Kinder sind gesund, ihnen und ihren Familien geht es gut. Die Mütter sprechen ihren Dank aus, damit ich ihn an die Patinnen und den Paten ihrer Kinder weitergebe. Jedes von ihnen konzentriert sich nur auf  eins der mitgebrachten Geschenke. So schnappt sich Eric Sandro den noch nicht aufgepumpten Ball und verschwindet damit im Haus. Als er von seiner Mutter zurückgeholt wird, sieht er sich die anderen Geschenke zwar an, gibt aber den Ball nicht mehr aus der Hand. Ein waschechter Brasilianer eben!

 

Briefchen von den Nachbarn 
Zum Schluss fahren wir noch einmal zu Edgle. Um 13 Uhr müssen er und sein Bruder in die Schule. Die beiden sind seit Februar in der premiera escola, vergleichbar mit der hiesigen Realschule. Das hat mich sehr gefreut und ich möchte natürlich nicht, dass die Jungen den Unterricht versäumen. Ich habe Edgle noch Kugelschreiber zum Verteilen an seine Klassenkameraden mitgebracht. Außerdem ein deutsches Trikots für ihn und für Eudson – die sofort anprobiert werden - und noch einige Bücher und Comic-Hefte aus Sao Luis. Unter den vielen Plakaten, die Edgle und seine Familie gestaltet haben, um mich zu begrüßen, ist auch ein Plakat, an dem etliche Briefchen geheftet sind: Botschaften von den Nachbarn, die zum Teil anwesend sind. Sie bedanken sich bei mir für die Freundschaft und den Besuch bei Edgle und seiner Familie.

 

Chance auf eine bessere Zukunft 
Eine solche Herzlichkeit aus dem Umfeld von Edgle habe ich nicht erwartet. Sie macht mir den Abschied noch schwerer. Zu Edgles Kommunion, die noch in diesem Jahr stattfindet, werde ich es leider nicht schaffen. Aber ich verspreche Edgle, vor seinem 18. Geburtstag wiederzukommen. Am erfreulichsten ist für mich, dass er und sein Bruder Eudson eine weiterführende Schule besuchen - ein großer Schritt in eine bessere Zukunft. Edgle hatte mir in einem Brief geschrieben, er lerne viel in der Schule, damit ich stolz auf ihn bin. Doch das bin ich sowieso.

 

 Sie wollen auch gern Ihr Patenkind besuchen? Bitte beachten Sie unsere Informationen zum Besuch beim Patenkind.

  

 

  

 

 

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