Werden die Palmen bei Euch auch so hoch?
Vor zwei Jahren hatte Katja Wietasch aus Altenholz in Schleswig-Holstein die Patenschaft für die mittlerweile zehn Jahre alte Nayeni aus Kenia übernommen. Im September 2006 nahmen Frau Wietasch und ihr Mann die Gelegenheit wahr, während ihrer Kenia-Reise Nayeni in ihrem Heimatdorf zu besuchen. Hier ihr Bericht:Am Morgen des 22. September 2006 ging es los. Pünktlich zur verabredeten Zeit traf Jonathan, ein Mitarbeiter vom Plan-Büro in Kilifi, zusammen mit einem Fahrer in unserem Hotel ein. Vorangegangene Sorgen (Versteht man dort unser Englisch, werden wir auch abgeholt?) erwiesen sich als völlig unnötig. Zunächst fuhren wir in das Büro in Kilifi.
Dann besichtigten wir Nayenis Schule, die von Plan unterstützt wird, besuchten den Direktor und sämtliche Klassenräume und trafen schließlich auf Nayeni in ihrer Schulklasse. Ich weiß nicht, wer von uns beiden aufgeregter war. Die Schulkinder bestaunten uns mit weit geöffneten Augen: der angekündigte Besuch aus Deutschland! Nur die Abschlussklasse wusste, dass sich Deutschland in Europa befindet, alle anderen wunderten sich nur: Mein Mann war dort mit einem Meter neunzig, kräftiger Statur und hellblondem Haar eine besondere Attraktion.
Mir wird immer die Frage des Lehrers im Gedächtnis bleiben: "Werden die Palmen bei Euch auch so hoch?" Wir durften dann Nayeni mitnehmen und mit ihr zu ihren Eltern ins Dorf fahren. Natürlich nicht allein, nein wir waren plötzlich sieben Personen im Wagen! Nayeni war auf einmal ohne jede Berührungsangst auf meinen Schoß und zeigte mir ganz stolz ihr Schulheft, das sie aus einer alten Plastiktüte zog.
Schon auf dem Weg zur Schule war ich mir sicher, dass wir falsch gefahren sind. Nein, in diesem Dickicht kann doch keine Schule sein!? Doch da war sie! Und nun ging es noch weiter durchs Dickicht und wurde immer holpriger. Irgendwann waren wir schließlich da und wurden von Nayenis Familie empfangen. Die Eltern hießen uns willkommen und der Dorfmittelpunkt (ein schattiger Platz unter einer Akazie) füllte sich schnell mit anderen Dorfbewohnern.
Die Geschenke aus Deutschland und die Lebensmittel (Reis, Mehl, Obst, Gemüse etc.) und Waschartikel, die wir unterwegs auf einem Markt gekauft hatten, wurden verteilt. Die Kinder im Dorf waren sehr zurückhaltend und nahmen zunächst scheu die Luftballons und Lollies entgegen. Später berichtet uns Jonathan, dass einige Kinder noch nie zuvor einen hellhäutigen Menschen gesehen haben. Was müssen sie nur gedacht haben?
Nayenis Vater zog gleich stolz eines der mitgebrachten T-Shirts an und setze sich eine Schirmmütze auf, die Mutter verstaute die Lebensmittel in der Hütte der Familie. Nayeni saß zwischen Jonathan und mir und war die kleinen "Queenie" des Dorfes. Wir besichtigten ihr Zuhause und verbrachten zwei schöne Stunden im Dorf. Nayeni und ich beschäftigen uns mit ihrem neuen Spielzeug: Wir puzzelten und malten mit den Buntstiften. Dann holte sie plötzlich meine Briefe aus dem Haus. Was die für einen langen Weg hinter sich hatten! Das wurde mir jetzt erst richtig klar. Der Abschied dann fiel schwer, das "Kwa heri Nayeni" führte zu einem Riesenkloß im Hals.
Nach der Besichtigung eines Wasserprojektes von Plan wurden wir zurück in unser Hotel gebracht. Zwischen Nayenis Dorf und unserem Hotel lagen Welten! Man wird sehr nachdenklich, wenn man sieht, wie zufrieden die Menschen dort sind – trotz der schwierigen Lebensbe-dingungen. Wenn man da unsere täglichen Ansprüche bedenkt, und worüber wir uns aufregen.
Noch mehr als vorher sind wir von der Art der Hilfe überzeugt, die von Plan vor Ort organisiert wird. Es war ein unglaublicher Tag, den mein Mann und ich niemals vergessen werden. Wir sind glücklich, dass wir Nayeni kennenlernen durften.

