Besuch aus Bonn
Claudia Odenthal aus Bonn, Patin von insgesamt sechs Patenkindern, nutzte ihre Rundreise durch Thailand, Laos und Kambodscha, um die dreizehnjährige Choeang in Kambodscha zu besuchen.Morgens um acht geht es los. Wie vereinbart holen mich der Übersetzer Timo, der Fahrer Vuthy und der Gemeindehelfer Sopheak im Hotel ab. Die knapp 45-minütige Fahrt nutzt Timo, um mir ausführlich die Arbeit von Plan und die einzelnen Projekte im Programmgebiet Siem Reap zu erklären. Als wir im Dorf meines Patenkindes ankommen, werden wir von Choeang, ihrer Mutter Koea und einem Nachbarn begrüßt. Koea breitet zwei Bastmatten vor dem Haus aus und der Nachbar macht sich gleich daran, für jeden der Besucher eine Kokosnuss aufzusägen. Die Milch trinken wir mit einem Strohhalm.
Kokosnussmilch zur Begrüßung
Stolz werden mir die Fotos von meiner und Choeangs Familie präsentiert. Ich hatte sie zu Beginn der Patenschaft in DIN A4 ausgedruckt und Choeang und ihrer Familie zugeschickt. Nach und nach gesellen sich drei Nachbarinnen und etwa zehn Kinder zu uns. Als alle auf den Bastmatten Platz genommen haben, packe ich den Bildband von Bonn aus. Seite für Seite blättern wir das Buch durch, anhand der Fotos kann ich einige Dinge über Deutschland und Bonn erzählen. Anschließend verteile ich die Fruchtbonbons, die mit großer Neugier, Begeisterung und lautem Schmatzen in Empfang genommen werden.
Die Luftballons kommen gut an
Anschließend bekommt Choeang das Malset und die Zeichenblöcke. Sie packt die Sachen etwas zögerlich aus, die anderen Kindern treiben sie regelrecht an. Ihre Mutter erhält ein Seidentuch, der Vater ein Taschenmesser. Mit Sopheaks Hilfe erkläre ich die einzelnen Funktionen. Anschließend verteile ich die Luftballons. Mit großem Hallo probieren die Kinder sie aus. Zum Schluss bekommt Choeang noch ein Strategiespiel. Nachdem ich kurz demonstriere, wie es geht, fordert Sopheak mein Patenkind begeistert zu einem Duell auf. Wir machen noch ein paar Gruppenfotos, dann heißt es Abschied nehmen.
Trinkwasser in jedem Klassenraum
Der Besuchsverlauf entspricht dem Grundgedanken, dass ich mit meinen Beiträgen nicht allein mein Patenkind, sondern die gesamte Gemeinde unterstütze. So nimmt die Vorstellung der einzelnen Projekte einen relativ großen Raum ein. Zunächst steht der Besuch der Grundschule in Phlok auf dem Programm. Plan hat die Schule mit Wasserfiltern ausgestattet. In jedem Klassenraum stehen zwei Behälter, die ein Fassungsvermögen von etwa 50 Litern haben. In diesen wird das aufgefangene Regenwasser gereinigt. Das auf diese Weise gewonnene Trinkwasser steht den Kindern nicht nur während des Schulbesuchs zur Verfügung, es kann auch in kleinen Flaschen mit nach Hause genommen werden. Ich besuche zwei Schulklassen, die jeweils ein Lied für mich singen. Im Anschluss gehe ich durch die Reihen und überreiche jedem Kind zur Belohnung einen Luftballon. Alle bedanken sich artig, einige Mutige bringen sogar ein "Thank you" über die Lippen.
Aids-Prävention für alle
Unterwegs halten wir an einem Platz, an dem Erwachsene über die Aids-Prävention und den Umgang mit HIV-Infizierten informiert werden. Weiter geht es nach Banteay Srei. Die weiterführende Schule dort verfügt über eine Bibliothek und über vier Computer, die von Plan eingerichtet wurden. Um die PCs bedienen zu können, müssen die Schüler zunächst einmal Englisch lernen. Aus diesem Grund finanziert Plan auch den Englischlehrer. Dieser ist sehr nett und spricht sehr gutes, fast akzentfreies Englisch. Er ist offensichtlich froh, seine Fähigkeiten anwenden zu können und unterhält sich mit mir über meine Reise. Da die Schüler die Schule bereits verlassen haben, überreiche ich dem Schulleiter meine letzte Tüte Luftballons.
Kleine Tempelrundfahrt zum Abschluss
Am Ende besuchen wir einen Schulneubau in Kloa, der am Montag nach meinem Besuch in Betrieb genommen werden soll. Timo weist darauf hin, dass bewusst auf den Einbau von Fensterkreuzen verzichtet worden sei. Die großen Fensteröffnungen sollen den Kindern die Möglichkeit eröffnen, bei Gefahr - wie zum Beispiel Überfällen oder Entführungen - aus dem Fenster zu springen. Während es auf der Hinfahrt eher förmlich zuging, lockert sich die Stimmung auf der Rückfahrt zusehends. Als besondere Serviceleistung bieten mir meine Begleiter noch eine kleine Tempelrundfahrt. Mit einem gemeinsamen Essen geht ein schöner Tag mit interessanten Einblicken und bewegenden Begegnungen zu Ende.

