Trommelwirbel und Blütenregen
Mit solch einem großen Empfang haben Heike Haber und ihr Mann nicht gerechnet, als sie die siebenjährige Sri Lakshmi in Indien besuchen. Das ganze Dorf des Patenkindes nimmt Anteil an den Feierlichkeiten. Die Account-Managerin aus dem bayrischen Hettstadt berichtet:Ich habe es tatsächlich getan: meine Flugangst überwunden und meinen Traum, Indien zu besuchen, verwirklicht! Dafür gab es einen ganz einfachen Grund: Ich wollte endlich Sri Lakshmi kennenlernen, für die ich vor drei Jahren die Patenschaft übernommen habe. Das Foto meines siebenjähriges Patenkindes hatte mich von Anfang an verzaubert: Etwas trotzig schaute sie aus, stolz und einfach schön.
Ende März endlich ist es soweit: Morgens früh um acht Uhr holt uns Herr Satyanarayara, der Direktor vom Plan-Büro in Krishna in unserem Hotel in Vijayawada ab. Die Stadt hat eine Million Einwohner und der Verkehr dort ist für unsere Verhältnisse unvorstellbar chaotisch.
Das ganze Dorf auf den Beinen
Nach einem Zwischenstopp und einer kulinarischen Stärkung in Srikakulam geht es weiter in die Gemeinde, in der Sri Lakshmi und ihre Familie wohnen. Mein Mann und ich waren nicht vorbereitet, auf das, was uns erwartet: Das ganze Dorf begrüßt uns und man hängt uns Blumengirlanden um den Hals. Mit einem Trommelwirbel werden wir empfangen, mit Blütenblättern bestreut. Unser Weg ist mit Kreideornamenten bemalt und mein Name ganz groß in den trockenen Lehmboden geschrieben - ein wirkliches Kunstwerk. Ich erkenne Sri Lakshmi und ihre Mutter gleich in der Menge - wir lächeln uns einfach nur zu. Das sind die Momente im Leben, in denen die Zeit scheinbar stehen bleibt.
Kokosnussmilch zum Empfang
Im Haus der Familie angekommen, versuchen wir, miteinander auf Englisch zu reden. Das klappt zwar nicht ganz so so gut, aber das Strahlen in den Augen der Familie und der Dorfgemeinde ist wichtiger. Wir trinken Kokosnussmilch und essen typische indische Snacks. Währenddessen verteile ich meine Geschenke an Sri Lakshmi und ihre beiden Schwestern. Im Gemeindehaus bittet Satyanarayara mich, auf Englisch eine Rede zu halten. Er übersetzt alles auf Indisch. Die Frauen aus der Gemeinde hören mir zu und stellen mir viele Fragen. Am liebsten würde ich mit jeder einzelnen sprechen, aber dazu reicht die Zeit nicht.
Mit großem Eifer beim Unterricht
Anschließend suchen wir die Schule von Sri Lakshmi auf und besichtigen die einzelnen Schulklassen. Ich habe die Gelegenheit, mich eingehender mit den Lehrerinnen zu unterhalten. Die Disziplin und die Lernfreude der Kinder sind beispiellos. Dann ist die Zeit bei meinem Patenkind leider schon vorbei. Sri Lakshmi ist die ganze Zeit an meiner Seite, aber zu angespannt, um sich mit mir zu unterhalten. Sie anzusehen, ist eine Freude und ich hoffe, sie noch lange auf ihrem Lebensweg begleiten zu können. Ich empfinde es als sehr sinnvoll, die gesamte Gemeinde zu unterstützen. Im Grunde habe ich sie alle ins Herz geschlossen.
Walzer und Beatfox statt Gesang
Auf dem Rückweg zum Plan-Büro schauen wir uns noch einige Projekte an, zum Beispiel eines, das Erwachsene für den IT-Bereich ausbildet. Das Plan-Büro vermittelt den Eindruck einer Oase der Ruhe - im Gegensatz zu dem Chaos und der damit verbundenen Unruhe in Indien. Sehr organisiert und strukturiert arbeiten die Menschen hier an den Projekten. Am Nachmittag um vier Uhr versammeln sich die Lehrerinnen und Schulkinder, um uns den Schulablauf und verschiedene Gesangs- und Tanzaufführungen zu zeigen. Auf meine Ansage, dass ich nicht singen könne, sind sie sehr erstaunt, haben aber einen riesigen Spaß, als mein Mann und ich stattdessen einen Walzer und einen Beatfox tanzen.
Das Geheimnis der Jasminblüten
Schweren Herzens verabschieden wir uns auch hier und machen uns zurück auf den Weg nach Vijayawada. Die Offenheit und die Dankbarkeit dieser Menschen haben mich sehr berührt und ich hoffe diese zukünftig auch in meinem Alltag mit einbringen zu können. Übrigens kenne ich jetzt das Geheimnis der Jasminblüten und wie sie ins Haar geflochten werden. Auch wie es ist, „spicy“ indisch zu essen und es zugleich zu zuckern, damit wir Europäer die Mahlzeiten überleben.

