Mit dem Moped durch Vietnam

Drei Wochen sind Patin Sabine Ertl und ihre Freundin Kerstin Gehrsitz in Vietnam unterwegs, die meiste Zeit auf Rädern - und auf einem Moped. Natürlich machen die beiden Frauen aus Lauf bei Nürnberg auch einen Abstecher in das Dorf von Patenkind Tran und seiner Familie.

Heute früh stehen wir um kurz nach fünf auf. Draußen ist noch alles dunkel und die Straßen sind leer. In unserem Hotel in Hue, der ehemaligen vietnamesischen Kaiserstadt, leihen wir uns ein Moped und machen uns auf den Weg in das Dorf meiner Patenfamilie. Obwohl dieser Ort nur 130 km nördlich von Hue liegt, benötigen wir auf dem kleinen Moped fast vier Stunden. Der Nebel steht dicht über dem Boden, die Temperaturen sind gesunken. Gegen die Kälte hilft eine große Schale heiße vietnamesische Nudelsuppe, die wir auf halber Strecke am Straßenrand zu uns nehmen - zusammen mit einigen Vietnamesen, die auf dem Weg zur Arbeit sind.


In einer Mopedkolonne zur Patenfamilie

Wir treffen Mr. Ha vom örtlichen Plan-Büro um Punkt zehn am Straßenrand vor dem Gebäude des Volkskomitees. Dort werden wir offiziell von den einzelnen Vertretern des Volkskomitees willkommen geheißen: dem Chairman und dem Verantwortlichen für Plan-Projekte, die uns für unsere Unterstützung danken und uns einen Einblick in die wirtschaftliche Situation der Gemeinde verschaffen. Auch über die Situation der Frauen im Ort werden wir unterrichtet - von der Frauenbeauftragten der Ortsgruppe. Beeindruckt von dieser hochoffiziellen Begrüßung und gespannt auf das, was folgen wird, fahren wir in einer Mopedkolonne hinter den Plan-Mitarbeitern zur Familie von Tran Thi Thu, meinem Patenkind, das mittlerweile 15 Monate alt ist. Empfangen werden wir von Trans Eltern, seinen Großeltern, einer Tante und einem Cousin. Die anfängliche Zurückhaltung weicht bald einer fröhlichen Stimmung. Später kommt auch noch ein Nachbar mit seinem Sohn dazu.



Tee-Runde auf blitzblankem Beton
Gemeinsam sitzen wir im Kreis auf einem runden Teppich, der auf dem blitzblank geputztem Betonboden des kleinen Hauses ausgebreitet ist. Bei mehreren Tassen Tee langen unsere Gespräche von unserer langen Mopedfahrt, die selbst die gestandenen Herren der Familie beeindruckt, über weitere  Erlebnisse unserer Vietnam-Tour bis hin zur Entwicklung meines Patenkindes. Noch ein wenig wackelig wandert die kleine Tran von einer Person zur anderen und schneidet Grimassen. Trans Mutter und meine Freundin Kerstin und ich stellen fest, dass wir alle im gleichen Alter sind. Unsere Gastgeber erzählen uns, dass sie am vietnamesischen Neujahrsfest Tet am liebsten Schwein essen. Auch wir berichten von den Weihnachts- und Neujahrsbräuchen bei uns in Deutschland.



Begeisterung über die "Bongbongs"

Kurze Zeit später servieren Trans Mutter und Tante ein köstliches Mittagessen: Reis, Fisch, Suppe mit diversen Blättern, Salat und als Dessert Maniac, eine Wurzel, die wir in Vietnam schon öfter genießen durften. Ihr Geschmack fasziniert uns immer wieder. Anschließend überreichen wir einige unserer kleinen Geschenke. Die Eltern freuen sich über die kleinen Kinderzahnbürsten. Tran und die anderen Kinder dagegen sind fasziniert von den vielen bunten Luftballons, die in Vietnam  Bongbong" heißen. Die Hose und auch das T –Shirt sind Tran noch eine Nummer zu groß.  Ein Grund mehr, im nächsten Jahr wieder vorbei zu schauen, um die Fortschritte von Tran sowie auch der diversen Plan-Projekte im Dorf mitzuerleben.


Alternativen zum Reisanbau

Momentan unterstützt Plan mit den Spendengeldern den Bau eines neuen Schulgebäudes. Als uns Mr. Ha und der Beauftragte für das Projekt zur Baustelle führen und uns die einzelnen Vorhaben erläutern, schwingt großer Stolz mit: "Zweistöckig soll das Gebäude werden, dadurch haben wir doppelt so viele Klassenzimmer wie bisher!"


Auch ein Kindergarten im Ort ist geplant. Tran wird ihn besuchen, sobald er fertig gestellt ist. Zum Abschluss düsen wir mit den Mopeds über sandige Waldpfade zu den Häusern einiger Familien, die an einem Pilotprojekt teilnehmen. Plan veranstaltet Schulungen für die Familien im Anbau von verschiedenen Nutzpflanzen, damit sie nicht auf den Reisanbau als einzige landwirtschaftliche Einnahmequelle angewiesen sind. Nicht nur Pflanzenkunde und neue Anbaumethoden stehen auf dem "Unterrichtsprogramm", sondern auch Tipps für den Verkauf der Ernteerzeugnisse über verschiedene Kanäle.  


Nur Tran bleibt unbeeindruckt

Eine der Familien bittet uns schließlich noch in ihr Haus. Es ist bunt geschmückt und sauber geputzt. Auch hier bekommen wir Tee serviert. Dann ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Trans Mutter bedankt sich für unser Kommen, wir bedanken und für die freundliche Aufnahme. Alle sind gerührt, nur die die kleine Tran ist vom Abschiedstrubel unbeeindruckt. Mit großen Augen schaut sie sich alles an und lächelt verschmitzt. Zum Schluss machen wir noch ein paar Fotos, die uns alle zum Lachen bringen. Dann setzen Kerstin und ich Mundschutz und Fahrradhelme auf, winken ein letztes Mal und machen uns auf den langen Rückweg nach Hue. Wir schön, einen Einblick in das Leben unserer Gastfamilie bekommen zu haben.

 

Sie wollen auch gern Ihr Patenkind besuchen? Bitte beachten Sie unsere Informationen zum Besuch beim Patenkind.

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Ich freue mich, dass Plan eine Schule für mein Dorf baut. Ich will Lehrerin werden!

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