"Jeder Euro sinnvoll angelegt"
Seinen Ruhestand nutzt Pate Werner Pelz, um zu reisen. Ende letzten Jahres besuchte er in Nepal sein Patenkind, die neunjährige Parwati. Wenig später traf er Urmila, die Präsidentin der Ex-Kamalari-Mädchen. Überzeugt davon, dass jeder Euro bei Plan sinnvoll angelegt ist, warb Pelz in seinem Freundeskreis für fast 20 weitere Patenschaften.Nach drei Wochen im supermodernen und gepflegten Singapur begegnet mir in Nepal, einem der ärmsten Länder, eine völlig andere Welt. In einem kleinen Propellerflugzeug fliege ich an den Eisriesen des Himalayas vorbei in den Südosten von Nepal nahe der indischen Grenze. Dort werde ich von zwei erfahrenen Plan-Mitarbeitern und einem Fahrer im Geländewagen abgeholt, und wir fahren eineinhalb Stunden durch ländliches Gebiet. Zum Schluss geht es nur noch über Fußwege und durch Wasserlachen, wir sind umgeben von Reisfeldern, Wasser-büffeln und vielen dunkelhäutigen Kindern. Am Bambus-Lehmhaus meines Paten-kindes hat sich auch schon die ganze Nachbarschaft versammelt: Rund 50 Personen bestaunen mich. Nach der traditionellen Begrüßung bekomme ich von meinem Patenkind einen roten Farbstrich auf die Stirn gemalt, ein so genanntes Tikka. Der Vater und die Mutter von Parwati hängen mir eine Blumengirlande um den Hals.
Als erster Europäer in der Region
Ich erzähle einiges über mich, werde gefragt, und die Plan-Mitarbeiter übersetzen in die lokale Sprache. Als ich meine kleinen Geschenke verteile, gibt es viele strahlende Gesichter, kein Kind geht leer aus. Parwati bekommt von mir Schulsachen, Armbanduhr, Anhänger und eine Flöte. Später erfahre ich, dass ich der erste Europäer in dieser abgeschiedenen, ländlichen Gegend bin. Nach und nach wird immer mehr gelacht und geredet, die Kinder spielen mit ihren Bambusflöten und Luftballons, und alle tauen allmählich auf. Später verteilt die Mutter an alle einen Becher mit frischer, warmer Kuhmilch, und der Vater bittet mich, Parwati weiterhin zu unterstützen, damit sie noch lange zur Schule gehen kann. Selbstverständlich werde ich Parwati weiter unterstützen. In dieser Region haben die Bewohner kein eigenes Land, sie arbeiten für den Großgrundbesitzer und dürfen nur die Hälfte der Ernte behalten. Die Familien versorgen sich hier selbst, manche verkaufen auch etwas von ihren Ernteerzeugnissen auf dem Markt.
Die Saat geht auf
Im Anschluss besuchen wir die Schule von Parwati, zu der sie jeden Tag rund 45 Minuten laufen muss. Die Umgebung hier und die Menschen hier strahlen Ruhe und Frieden aus. Das Plan-Team zeigt mir dann noch andere Selbsthilfe-Projekte, die von Plan unterstützt werden: eine weitere Schule, die mit modernen Toiletten ausgestattet wurde, eine andere, die ein neues Dach erhielt, eine neue Gesundheitsstation, eine Selbsthilfeorganisation, die dafür sorgt, dass jedes Haus eine eigene Toilette erhält sowie ein Landwirtschaftsprojekt. Dafür pachtet Plan für fünf Jahre das Land und verteilt für drei Jahre Saatgut, so dass das Projekt durch den Verkauf der Ernte selbständig weitergeführt werden kann. Immer wieder staune ich über die vielen sinnvollen Selbsthilfeprojekte und das Engagement der Nepalesen, welche von Plan auf befristete Zeit unterstützt werden. Ich erlebe, dass sich vieles auf diese Weise langfristig weiter entwickelt und dass man mit wenig Geld sehr viel Positives auslösen kann. Die Arbeit von Plan hat mich auch vor Ort sehr überzeugt: Hilfe zur Selbsthilfe!
Töchter als Arbeitssklavinnen verkauft
Ich übernachte in Biratnagar und fliege am nächsten Tag zurück nach Katmandu. In der Plan Post habe ich gelesen, dass es in Westnepal noch eine Volksgruppe gibt, die so arm ist, dass viele der Töchter von ihren Familien als Arbeitssklavinnen verkauft werden - und dafür nur rund 20 bis 30 Euro pro Jahr erhalten. Das beschäftigt mich und ich will mehr erfahren über die verlorene Kindheit der Kamalari-Mädchen. So fliege ich in der Woche darauf nach Nepal gunj an die indische Grenze und fahre mit Plan-Mitarbeiterinnen zweieinhalb Stunden mit dem Geländewagen ins Landesinnere.
Artikel aus Deutschland an der Wand
In einem Gemeindezentrum werde ich von einem Komitee zur Rettung dieser Sklavinnen begrüßt, alle stellen sich vor und erzählen von sich und ihrer Arbeit sowie vom Ziel, diese Tradition abzuschaffen und die rund 25.000 Sklavinnen zu befreien. Im Plan-Büro hängt ein bebilderter Artikel von Christian Holzgreve, Politikredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, vom Februar 2009 in einem Rahmen an der Wand. Er berichtet über Urmila, eine mittlerweile 19-jährige junge Frau, die mit sechs Jahren verkauft wurde und zwölf Jahre täglich etwa 15 Stunden im Haushalt einer reichen Familie in Katmandu schuften musste, bis sie mit 18 Jahren fliehen konnte. Plan ermöglichte ihr den Schulbesuch und den Aufbau eines kleinen Fotostudios. So ist sie unabhängig und arbeitet als Präsidentin des Komitees der Ex-Kamalari-Mädchen erfolgreich für positive Änderungen.
Beindruckendes Treffen mit Urmila
Ich treffe Urmila dort, wir machen im Büro noch ein gemeinsames Foto mit dem gerahmten Artikel im Hintergrund. Ich schenke ihr einen sehr schönen Anhänger aus Malaysia, erkläre ihr das Symbol dieses Anhängers (für Kraft) und sage ihr, dass sie die beste Lehrerin sei, um diese brutale Tradition der Versklavung von Mädchen zu verändern. Mit Tränen in den Augen verabschieden wir uns. Urmila macht sich auf den Weg zu einem wichtigen Treffen mit lokalen Persönlichkeiten. In der letzten Plan Post las ich nun, dass sie in Katmandu mit 600 Ex-Sklavinnen vor dem Regierungssitz demonstriert und mit Ministern und Abgeordneten über das Problem gesprochen hat. Eventuell wird sie sogar ihre frühere "Herrin", eine einflussreiche Politikerin, verklagen, denn diese hat gegen geltende Gesetze verstoßen.
Unterstützung mit 82 Cent pro Tag
Als Nächstes fahren wir in eine Schule, in der sich viele Ex-Kamalari-Mädchen versammelt haben. Alle sind wieder festlich gekleidet, zum Teil in traditioneller Tracht. Jede erzählt aus ihrem Leben, es ist zutiefst herzbewegend. Sie haben die Energie, die bestehenden Verhältnisse zu ändern. Dafür brauchen sie jedoch unsere Unterstützung. Denn auch wir können unseren Teil dazu beitragen, zum Beispiel mit einer Partnerschaft für 25 Euro im Monat, d.h. mit 82 Cent pro Tag!
Ernste Gesichter bei den Ex-Kamalari-Mädchen
Im Anschluss fahren wir zu einem Haus, in dem ehemalige Sklavinnen untergebracht sind, die keinen Familienanschluss mehr haben. Hier können sie endlich zur Schule gehen. Sie schauen alle ganz ernst aus, aber nach mehren Gesprächen und einer Tüte mit vielen Armreifen und Ketten tauen auch sie langsam auf und freuen sich. Man zeigt mir dann noch verschiedene kleinere Projekte, mit denen Plan diesen Mädchen auf ihrem Weg in eine neue unabhängige Zukunft hilft. Am Tag darauf besuche ich noch ein weit entferntes Waisenhaus, das mittels Selbsthilfe organisiert und betrieben wird. Plan stellte dafür einige Kühe bereit, die mittlerweile schon Nachwuchs haben. Dann geht es weiter für mich auf eine Trekking-Tour durch den Himalaya.
Werben im Freundeskreis für Plan
Nach meinen vielen Projektbesuchen bin ich noch mehr überzeugt, dass jeder Euro bei Plan sinnvoll angelegt ist und man mit wenig Geld in Ländern wie Nepal schon viel erreichen kann. Besonders für Mädchen, die immer noch viel zu wenig Chancen haben. Bei meiner nächsten Asienreise möchte ich mein anderes Patenkind, die achtjährige Kamli in Nordindien, besuchen. In einem Rundbrief an 120 Freunde, Verwandte und Bekannte in aller Welt habe ich dazu motiviert, sich ebenfalls für ein Patenkind zu engagieren: Eine Partnerschaft ist einfach, macht Freude, ist nicht anonym und ermöglicht den Austausch. Auf diese Weise sind bis Februar schon über 15 Patenschaften zusammen gekommen. Ich wette, dass wir es auf mindestens 30 Patenschaften schaffen …

