Passt der Hahn in den Rucksack?
Es war nicht der erste Aufenthalt von Sylvia Hinrichs in Kenia, aber diesmal ist es eine ganz besondere Reise: Sie erlebte das Land unmittelbar vor und nach den Wahlen. Und zum ersten Mal durfte die Lüneburgerin ihr Patenkind, die siebenjährige Chao, kennenlernen.Ausgangsstation unseres Besuches ist das Plan-Büro in Kwale, unweit von Mombasa. Zusammen mit meiner Freundin Conny und Kiti, einem Mitarbeiter des Büros, machen wir uns im Jeep auf den rumpeligen Weg zu Chao und ihrer Familie. Sie lebt in einem Dorf, etwa 45 Kilometer von Kwale entfernt. Je näher wir unserem Ziel kommen, umso geschickter muss Maitha, unser Fahrer, den Wagen durch das Dickicht lenken. Ich bin sehr gespannt, was uns erwarten wird. Das geht Chao sicherlich nicht anders. Ihre Großmutter, die übrigens auch Chao heißt, begrüßt uns voller Freude. Es ist ihr anzumerken, dass sie bis zuletzt kaum glauben konnte, dass ich wirklich kommen würde! Innerhalb von 15 Jahren ist es wohl erst das zweite Mal, dass jemand in dieser Region sein Patenkind besucht. Nachdem die Mitbringsel - Seifenblasen, Buntstifte, Luftballons und ein kleiner Fußball für Chao’s vierjährigen Bruder - ausgepackt sind, bereitet Chao’s Mutter Khadija Früchte für uns zu. Sehr lecker!
Verstehen ohne Worte
Mit Hilfe von Kiti, der unser Englisch in die einheimische Sprache übersetzt, können wir miteinander reden. Auf beiden Seiten gibt es jede Menge Fragen zu beantworten. Mein Patenkind ist allerdings noch sehr schüchtern und ich frage mich, was Chao wohl gerade denkt? Es muss ihr schon ein bisschen komisch vorkommen, insbesondere, als ich ihr dann auch noch zeige, wie man mit dem Springseil umgeht. Schließlich bin ich mit 44 Jahren ungefähr genau so alt wie ihre Großmutter. Die amüsiert sich derweil köstlich, als sie – wohl zum ersten Mal in ihrem Leben – versucht, einen Luftballon aufzublasen. Ein weiterer Grund für uns, gemeinsam herzhaft zu lachen. Es ist einfach ein gutes Gefühl zu sehen, dass man nicht die gleiche Sprache sprechen muss, um miteinander viel Spaß zu haben. Als dann allerdings Großmutter plötzlich mit einem lebenden Hahn vor mir steht, um ihn mir als Geschenk zu überreichen, bin ich erstmal sprachlos. Wie soll ich ihr erklären, dass ich als Rucksackreisende keinen - noch dazu lebendigen - Hahn mitnehmen kann?
Den Hahn ins Handgepäck?
Ich will sie auf keinen Fall verletzen, schließlich ist mir durchaus bewusst, welch kostbares Geschenk ich da bekommen soll. Ich hoffe, es mit Kiti’s Hilfe ganz gut hinbekommen zu haben?! Der Der Hahn hat es jedenfalls überlebt. Mir machten dieses Geschenk und auch die zubereitete Mahlzeit deutlich, welchen Stellenwert meine Patenschaft bei Chao’s Familie hat. Um das zu unterstreichen, sollen wir auch unbedingt Ugali probieren. Das ist ein aus Maismehl zubereiteter Brei – und eines der Nationalgerichte Kenias. So nach und nach wird auch die kleine Chao lebendiger und der erste Lolli ist schon bald vertilgt. Leider ist unsere gemeinsame Zeit viel zu schnell vorbei und wir müssen uns nach einem unvergesslichen Tag auf den Rückweg machen. Kiti meint, unser Besuch sei jetzt für lange Zeit Gesprächsthema im Dorf. Aber auch wir haben eine Menge zu erzählen.
Da wir im Anschluss an unseren Besuch bei Chao noch einige Zeit in Kenia unterwegs waren, und die Zeit nach den Wahlen in Kenia unmittelbar miterlebten, haben wir eine Idee davon bekommen, wie sich die Politik des Landes auf seine Bewohner auswirkt. Ich war daher mehr als froh, zu erfahren, dass sich die Unruhen des Landes nicht auf den Kwale Distrikt ausgedehnt haben.

