Audienz unterm Regenschirm

Als Dagmar und Gerd Niemeyer aus Wuppertal bei ihrem Patenkind im Norden von Niger angelangt sind, ist das ganze Dorf auf den Beinen. Ein großer Tag für alle, besonders aber für die Grundschullehrerin und den siebenjährigen Aminou.

Wir kommen in Niamey an, der Hauptstadt von Niger. Das Land ist eines der ärmsten Länder Afrikas ohne jegliche touristische Infrastruktur. Gerade das aber macht Niger für uns so reizvoll. Plan-Mitarbeiter Mamoudou und sein Fahrer holen uns vom Hotel ab und wir fahren gemeinsam Richtung Norden nach Tillabéri, der Hauptstadt des Programmgebietes.

Bei einem Tee erfahren wir alles zur konkreten Arbeit von Plan im Dorf meines Patenkindes. So wissen wir nun, dass durch die finanzielle Unterstützung der Plan-Paten neue Latrinen und ein Klassenraum gebaut werden konnten. Auch ein Getreidespeicher ist seit kurzem fertig gestellt.  Der Büroleiter erzählt uns, wie gespannt die Dorfbewohner auf unseren Besuch seien. Sind wir doch die ersten weißen Menschen, die sie zu Gesicht bekommen. Mein Mann und ich sind natürlich nicht weniger aufgeregt. Zu viert machen wir uns auf den Weg.

Die Frauen rechts, die Männer links
Am Ende eines Sandweges sehen wir sie versammelt: links unter einem großen Schatten spendenden Baum die Männer, rechts unter einem großen Schatten spendenden Baum die Frauen. Und dazwischen die Kinder, die unserem Wagen entgegen laufen. Noch einmal tief Luft holen -  allein das farbenfrohe Bild überwältigt uns sehr -  und schon sind wir umringt von einer Kinderschar. Mitten drin ein Erwachsener mit einem Kind an der Hand: Aminou!

Schüchtern betrachtet uns Aminou, für ihn ist das sicherlich nicht einfach: alles neu und ungewiss – und er im Mittelpunkt. Nachdem wir gemeinsam seinen neuen Fußball aufgepumpt und ein wenig  damit gespielt haben, beginnt der offizielle Teil der Begrüßung. Der Patron des Dorfes hält eine Rede. Per Handschlag werden wir begrüßt und im Dorf aufgenommen. Die Dorfältesten und viele andere wichtige Personen werden uns vorgestellt, begrüßen uns herzlich und drücken uns die Hand. Frauen und Kinder stimmen einen Klatsch-Gesang an,  die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen. Zusammen mit dem Patron, der als Ranghöchster zum Schutz vor der Sonne als Einziger einen Schirm tragen darf, werden wir nun von Aminous Familie erwartet.
 
Erst Ziegenmilch – dann eine ganze Ziege
Zum Empfang dort gibt es warme und fettige Ziegenmilch, dann dürfen wir die kastenförmige Lehmhütte betreten. Sie macht einen stabilen Eindruck und hat ein Strohdach, getragen von Holzbalken. Da im Niger die Malaria eine große Gefahr ist, wurde jede Hütte in Aminous Dorf von Plan mit einem Moskitonetz ausgestattet. Drinnen ist es heiß und stickig. Wir packen unsere Mitbringsel aus: Malstifte, Zeichentafeln und Schreibblöcke sowie Seifen. Mit großem Interesse werden die Fotos von unserer Familie in Deutschland und von meiner Schulklasse studiert - und kommentiert. Auch die Dorfbewohner, die am Eingang der Hütte stehen, wollen einen Blick auf die Bilder werfen – und so machen diese bald die Runde durch das ganze Dorf.

Schon wartet die nächste Überraschung auf uns: Es wurde eine Ziege geschlachtet und gebraten – extra für uns. Alle Dorfbewohner sind Moslems und es ist gerade Ramadan, d.h. erst wenn die Sonne untergegangen ist, darf gegessen werden. Umso erstaunlicher, dass uns diese Anerkennung entgegengebracht wird. Aus Respekt vor ihrem Glauben richten wir  unsere große Freude über diese Ehre aus und lassen über unseren Dolmetscher mitteilen, dass wir natürlich vor Sonnenuntergang nicht essen würden. Auf diese Weise sollen unsere Gastgeber wenigstens am Abend in den gemeinsamen Genuss der Ziege kommen.


Zum Abschied noch einmal anfassen
Mit einer Delegation – zu der auch der Patron, die beiden Dorfältesten und einige neugierige Kinder zählen - begutachten wir die neuen Latrinen, den Getreide- Speicher und den Schulraum des Dorfes. Alles macht einen gepflegten Eindruck, die Bewohner sind zu Recht stolz - und wir sind sehr beeindruckt von der Arbeit, die hier geleistet wird. Dann ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Nach einer letzten Rede des Patrons wollen die Frauen mich noch einmal berühren und beim klatschenden Singsang ein paar Worte in Deutsch lernen. Ein faszinierender  Abschied, allen fällt es sichtlich schwer, ein Ende zu finden.

Für uns war der Besuch bei Aminou und seiner Dorfgemeinschaft ein ganz besonderes Erlebnis, das wir nie vergessen werden. Es war eine außergewöhnliche Erfahrung für uns, auf diese Weise die Menschen im Niger kennenzulernen – und die Lebensumstände, unter denen sie leben. Wir haben uns zu jeder Zeit wohl und gar nicht fremd gefühlt. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in diesem tollen Land.

 

Sie wollen auch gern Ihr Patenkind besuchen? Bitte beachten Sie unsere Informationen zum Besuch beim Patenkind.

 

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