Kinderarbeit

Von den weltweit 246 Millionen 5- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen, die gefährliche oder gesundheitsschädliche Schwerstarbeit verrichten müssen, um ihr Überleben und das ihrer Familien zu sichern, leben schätzungsweise 153 Millionen in Asien, 80 Millionen in Afrika und 17 Millionen in Südamerika.

Knapp die Hälfte davon sind Mädchen, die in der Bauwirtschaft, Industrie, Landwirtschaft, im Handel, als Dienstmädchen und in immer stärkerem Ausmaß in der Sex-Industrie arbeiten.

 
In Westafrika werden Mädchen aus Togo und Benin als Haushaltshilfen und Straßenhändlerinnen in die Ölstaaten Nigeria und Gabun vermittelt. In  Brasilien, Kolumbien und Ecuador arbeiten beispielsweise 20 Prozent aller Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren als Hausangestellte.

 
Auf den Philippinen ist Hausarbeit die am meisten verbreitete Form von Kinderarbeit. Betroffen sind über eine Million Kinder, vor allem Mädchen, die aus dem verarmten Süden des Landes kommen.

 
Die Arbeit in Privathaushalten stellt eine der am weitesten verbreiteten Form von Mädchenarbeit dar, bei der sie extremer Ausbeutung ausgesetzt sind, da diese informellen Arbeitsverhältnisse keinen gesetzlichen Arbeitsbestimmungen unterliegen. Der Arbeitstag der Mädchen dauert bis zu 18 Stunden täglich, und sie erhalten, wenn überhaupt, nur einen geringen Lohn. In vielen Fällen kommt es darüber hinaus zu sexuellem Missbrauch, der die Mädchen traumatisiert. Werden sie schwanger, verlieren sie ihren Arbeitsplatz – und der Weg in die Prostitution ist vorgezeichnet.

 
Viele dieser Mädchen gehören auch zu den Millionen Straßenkindern, die entweder vor unerträglichen familiären Situationen weggelaufen sind oder als Kriegs- oder Aidswaisen ihr Überleben durch Übernahme von Gelegenheitsarbeiten sichern müssen. Für Mädchen ist der Überlebenskampf in der Regel härter als für Jungen. Denn sie erhalten schlechter bezahlte Jobs, sind eher sexuellen Übergriffen ausgesetzt und geraten leichter in die Fänge von Menschenhändlern und Drogendealern.

 
Schuldknechtschaft
Eine besonders brutale Form der ausbeuterischen Kinderarbeit stellen die Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit dar. Die vor allem in Asien vorherrschende Form der Kinderarbeit liegt in der Verschuldung der Eltern bei Geldverleihern begründet. Diese verlangen Wucherzinsen für die Kredite und treiben die Familien häufig in eine generationenübergreifende Schuldenfalle. Eltern verpfänden in der Folge ihre Kinder beispielsweise an Teppichknüpfereien und Textilbetriebe, in denen diese die täglich wachsenden Schulden ihrer Eltern jahrelang abarbeiten müssen.

 
Die meisten arbeitenden Mädchen können nicht zur Schule gehen, weil es ihnen entweder von ihren Arbeitgebern verboten wird oder einfach die Zeit fehlt. Damit bleibt ihnen die wichtige Chance verwehrt, sich weiterzubilden und eine Berufsausbildung zu absolvieren, um später in besser bezahlten Berufen ein Auskommen zu finden.