Familientreffen in Ecuador

Zwei Welten trafen auf einander, als Familie Eckelmann aus Schleswig-Holstein ihr Patenkind Maria-Fabiola in den Anden besuchte. Beim gemeinsamen Kartenspiel freundete man sich schnell an. Vater Andreas und seine zehnjährige Tochter Lena berichten.

"Bienvenidos, Herzlich Willkommen in Ecuador", freundlich werden wir von José-Luis, dem Plan-Mitarbeiter aus Latacunga, begrüßt. Wir befinden uns in der Provinz Cotopaxi, etwa 150 Kilometer südwestlich von der Hautstadt Quito mitten in den Anden von Ecuador. Wir, das sind meine Frau Beate und unsere Töchter Lena (10) und Vivian (8).


Am Rande des Vulkans
Für uns ist es ein ganz besonderer Tag und wir sind aufgeregt, denn wir wollen heute unser vierzehnjähriges Patenkind Maria-Fabiola und Ihre Familie besuchen. Seit acht Jahren kennen wir sie nun schon aus Briefen und von Bildern. Von José-Luis erfahren wir, dass solche Besuche etwas ganz Besonderes sind. Und leider in Ecuador eher selten. Schade, denn es ist ein traumhaft schönes und sehr vielseitiges Land.

In wenigen Stunden ist man von den imposanten Vulkanen der Anden im Amazonas-Dschungel oder an der Küste mit tropischer Vegetation! Und die Ecuadorianer sind immer sehr freundlich und hilfsbereit! Mit Englisch und etwas Spanisch kann man das Land problemlos und sicher bereisen. Unvergessliche Eindrücke - wie zum Beispiel der große Kratersee Quilotoa, der nur etwa 30 Kilometer von Maria-Fabiolas Haus entfernt liegt.

Reichlich kühl, besonders in der Nacht
Es ist Juli und man sollte denken, dass es hier auf dem Äquator eher heiß ist, aber Jahreszeiten gibt es hier sowieso nicht und auf über 4.200 Metern ist es in dieser Region des Landes eher kühl bis kalt. Besonders nachts! Die fünf Alpaka-Decken übereinander bei der Übernachtung in dem kleinen Hotel am Kraterseerand waren nicht übertrieben! Und Wolken gibt es hier wie sonst nirgendwo auf der Welt! Irgendwann am Morgen verziehen sie sich für ein paar Stunden und die Sonne wärmt, aber spätestens am frühen Nachmittag kommen sie zurück….
                 
Beschwerlicher Schulweg
So sahen wir auch zum Glück erst auf dem Rückweg, an welchen Abhängen sich der schmale Weg hinschlängelte, den José-Luis mit uns fuhr. Bis zur neuen Schule, ab dort ging es sowieso nur noch zu Fuß weiter. Wir haben uns die Schule kurz angesehen. Sie ist gut ausgestattet, für rund 50 Grundschüler, die in zwei Klassen unterrichtet werden und hat gerade eine neue größengerechte Bestuhlung erhalten. Die Schule gibt es seit einigen Jahren und so müssen die Kinder nicht mehr über fünf Kilometer zur alten Dorfschule in Apagua laufen. In anderen Ländern mag das noch okay sein, aber hier - auf 4.500m Höhe und dann bergauf - ist das ein Knochenjob. Die 800 Meter von hier zum Haus von Maria-Fabiola waren schon anstrengend genug und brachten uns ganz schön aus der Puste.
 
Selbstversorger auf 4.500 Meter Höhe
Der Vater von Maria-Fabiola kam uns auf halber Strecke entgegen und führte uns zum kleinen Haus, wo die sechsköpfige Familie in zwei Zimmern wohnt. Es liegt am Hang, zwischen den kleinen Feldern, wo die Familie Kartoffeln, Zwiebeln, dicke Bohnen und Mais anbaut. Auf 4.500 Metern Höhe, für Europäer unvorstellbar, dass hier auf der Höhe noch alles wächst, was man zum Leben braucht. Einige Hühner, Schafe und ein Esel gehören zum Haushalt der Familie. Trinkwasser und Strom gibt es bereits, allerdings ist der Boden weiterhin gestampfter Lehm und es fehlen sanitäre Einrichtungen. Sicherlich nur eine der Aufgaben, die Plan hier noch erwartet.
 
Warme Fleecejacke für Maria-Fabiola
Maria-Fabiola war ganz stolz und hat sich sehr über den Besuch gefreut, natürlich auch über die kleinen Geschenke, die wir dabei hatten. Dank des Tipps von Plan hatten wir mit einer warmen Fleece-Jacke, einigen Süßigkeiten aus Deutschland für alle Kinder sowie diversen Lebensmitteln vom Markt in Latacunga für die ganze Familie die richtigen Sachen mitgebracht.


Panela und süße Brötchen für die Gäste
Natürlich ließ es sich die Mutter nicht nehmen, uns wie richtige Gäste zu bewirten! Zuerst gab es heiße Panela. Das ist ein in Wasser gelöster und mit Zimt gekochter dunkler, roher Rohrzucker. Dies sehr süße Getränk ist nicht nur lecker, es wärmt auch, gibt verbrauchte Energie zurück und vertreibt die leichten Kopfschmerzen, die in dieser für uns ungewohnten Höhe zwangsläufig bei Europäern auftreten. Dann gab es gekochte Eier und süße Brötchen. Und wir haben viele Stunden zusammen gesessen. Natürlich wollte Maria-Fabiola mehr über uns und Deutschland wissen. Und auch wir waren neugierig und haben eine Menge über das Leben in den Anden und die Arbeit von Plan dort erfahren.

Wahrung von Werten
Es ist toll, wie einfühlsam die Hilfsprojekte durchgeführt und mit den Gemeinden abgestimmt werden. Es geht nicht um raschen Fortschritt und westliche Zivilisation, sondern neben der Bildung auch um die  Wahrung der alten Werte, familiäre Strukturen, behutsame Integration, aber auch Beibehaltung der alten Quichua-Sprache, in der auch in der Schule noch teilweise unterrichtet wird. Der Besuch vor Ort macht die Arbeit und das Engagement erst richtig deutlich, man versteht vieles besser. Das Uno-Kartenspiel von unseren Kindern hat Maria-Fabiola ganz schnell gelernt und dann - zum Leidwesen von Lena und Vivian -  auch meist gewonnen. Sie hatten viel Spaß und werden in Zukunft sicherlich in der Familie weiter spielen. Vielleicht kommen wir aber auch mal wieder auf ein "Revanche-Spielchen" nach Ecuador zurück.
 

Besuch aus Sicht der zehnjährigen Lena:

"Ich fand den ganzen Urlaub toll. Bei Maria-Fabiola habe ich viele ganz neue Eindrücke bekommen. Allein als ich die Familie gesehen habe, hab' ich erst mal einen kleinen Schreck bekommen: Maria-Fabiola  (14 Jahre) war kleiner als ich (10 Jahre) und auch die Mutter war kaum größer als ich.

Ich fand es sehr nett, dass wir die Familie mit den Plan-Leuten besuchen durften. Als wir nach einem ca. viertelstündigem Lauf angekommen waren (mit dem Auto heranfahren ist total doof, weil die Familie sich nie so etwas leisten könnte, das wäre ja Angeben - und außerdem ging es gar nicht, da sind keine Straßen mehr),  haben wir der Familie mit den vier Kindern und unserem Plan-Patenkind Maria-Fabiola die Geschenke gegeben.

Alle haben sich riesig gefreut, z.B. über die warme Jacke und einen Sack Reis, genau so, wie ich mich über einen Laptop freuen würde. Da habe ich so richtig mitbekommen, wie GUT ich es eigentlich habe! Obwohl sie arm sind, waren sie sehr fröhlich und was ich vielleicht sogar ein bisschen zu nett fand, war, dass sie uns leckeres Essen und Trinken gegeben haben und selbst gar nichts gegessen haben. Ich fand es toll, dass die Plan-Leute uns das alles möglich gemacht haben."