Familientreffen in Kambodscha
Sieben Jahre schon besteht die Patenschaft von Familie Krämer aus Erlangen für die 13-jährige Orch in Kambodscha. Nun sind die Krämers nach Siem Reap gereist, um das Mädchen und seine Familie zu besuchen. Mit auf Tour: die Eltern Susanne und Wolfgang, Oma Karin, die Söhne Benjamin und Felix sowie Tochter Saveth - selbst geborene Khmerin. Die 11-Jährige war sehr gespannt, ihr Heimatland endlich kennenzulernen. Susanne Krämer berichtet.Aus Phnom Penh kommend treffen wir in Siem Reap ein, unser Besuchstag bei Orch ist seit vielen Monaten geplant. Pünktlich um acht Uhr morgens werden wir mit einem Minibus von zwei Plan-Mitarbeitern abgeholt - einer jungen Khmerin und einem jungen Khmer. Uns gefällt, dass die beiden Kambodschaner sind. So ist einerseits sichergestellt, dass Helfer und Patenkinder "dieselbe Sprache" sprechen. Gleichzeitig leistet das Einkommen der Plan-Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung ihrer Familien. Zuerst geht es in das Hauptquartier von Plan in Siem Reap. Wir erhalten einen guten Überblick über die Arbeit von Plan in Kambodscha - insbesondere in der Region. Es ist aufregend zu sehen, wohin unsere Briefe gehen und welche Menschen hinter Plan stecken!
Schlaglöcher und Wasserbüffel
Anschließend klettern wieder alle in den Minibus und es geht erst einmal in Richtung Markt, um Geschenke für die Patenfamilie zu besorgen. Im Anschluss machen wir uns auf den Weg zu den Menschen, die wir seit Jahren über Briefe, handgemalte Bilder und Fotos kennen, und deren Lebensweg wir versuchen zu verfolgen und zu unterstützen. An Angkor Wat vorbei führt die Fahrt aufs Land, über einen ungeteerten Weg durch Reisfelder hindurch an kleinen Hütten und Wasserbüffeln vorbei. Riesige Schlaglöcher und das Staunen unserer Kinder begleiten uns auf dem Weg. Wir sind angespannt, gleichzeitig voller Freude und Besorgnis
Ein Zuhause auf Stelzen
Nach eineinhalb Stunden holpriger Fahrt biegen wir in einen kleinen Feldweg ein. Etwas zurückversetzt steht eine Hütte auf Stelzen, wie in Kambodscha üblich. Drum herum Reisfelder. Auf dem Weg von der Hütte zur Straße kommen uns bereits zwei Frauen entgegen: ein junges Mädchen und eine ältere Frau. Es sind Orch und ihre Mutter, die uns begrüßen! Ich werde von den beiden in die Mitte genommen, an den Händen gefasst und in ihr Heim gebracht. Es ist merkwürdig - einerseits beschämt mich die besondere Aufmerksamkeit, andererseits fühle ich mich geehrt, dass diese Frauen so offen auf mich zugehen und in ihr Heim führen! Eine steile Holztreppe führt hinauf in den Wohnraum der Familie.
Zahnbürsten für alle
Oben sehe ich, dass die Familie ihre wenigen Besitztümer sauber zur Seite geräumt hat, der Boden ist frei und wir nehmen alle Platz. Eine Vielzahl von Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren gesellt sich dazu - unsere Patenfamilie selbst hat sieben Kinder. Auch der Vater ist zuhause. Ich habe jedoch das Gefühl, dass die Mutter bei diesem Großereignis die Regie führt. Wir beide sitzen nebeneinander, in einer Art unausgesprochenem Einverständnis. Unsere Tochter beginnt, die Verteilung unserer Mitbringsel zu organisieren. Wir haben reichlich Zahnbürsten für alle mitgebracht und so bleibt niemand mit leeren Händen. Nun werden Fragen gestellt - von beiden Seiten. Mich interessiert, wann geerntet werden kann, was die Familie anbaut, wovon sie leben? Orchs Mutter möchte wissen, wie das Leben in Deutschland ist? "Sicherlich ganz anders als hier?" vermutet sie. Nach einer Weile verteilt Saveth das mitgebrachte Malpapier und die Buntstifte an die anwesenden Kinder. Der Effekt ist verblüffend - sofort setzt bei allen emsiges, versunkenes Malen und Zeichnen ein!
Musisches Talent
Alle Kinder scheinen eine natürlich Begabung zum Zeichnen zu haben - schon die Kleinsten bringen farben- und formenreiche Bilder zu Papier. Die Zeichnungen erhalten wir zum Geschenk - alles wird von uns eingesammelt, verstaut und mit zurück nach Erlangen gebracht. Wir hüten diesen Schatz als einmaliges Andenken an die kostbaren Minuten im Haus unserer Patenfamilie. Auf Anregung der Plan-Mitarbeiter zeigen uns die Kinder eines der Singspiele, wie sie es im Kindergarten lernen. Alle Kinder, auch die unseren sind mit dabei! Orch hat eine schöne melodische Stimme, wir können heraushören, dass sie viel Übung im Singen hat. Und - ich kann es kaum glauben - sie beherrscht die grazilen Handbewegungen der Apsaras, der himmlischen Tänzerinnen!
Zwei Welten – nur wenige Kilometer voneinander entfernt
Nach eineinhalb Stunden wird es Zeit, zu gehen. Wir verlassen den Wohnraum, klettern wieder hinunter in den Hof und treffen dort die ältere Tochter der Familie, die gerade von der Feldarbeit zurückgekehrt ist. Der Abschied fällt mir schwer - so viele Monate habe ich auf diese Begegnung gewartet, jetzt soll sie schon vorbei sein? Es ist merkwürdig, die Familie inmitten der Reisfelder und Stechmücken und ohne all die Annehmlichkeiten und Sicherheiten der Zivilisation zurückzulassen. Und selbst in die nur ein paar Kilometer entfernte eigene und privilegierte Welt zurückzukehren.
Bessere medizinische Anbindung
Wir besichtigen noch die von Plan direkt in der Nachbarschaft errichtete Schule. Das Haus verfügt über Toiletten und einen Brunnen. Die Kinder haben so einen kurzen und sicheren Schulweg. Nebenan befindet sich ein Gesundheitszentrum im Bau, so dass die Landbevölkerung in der Umgebung schneller Zugang zu medizinischer Versorgung hat. Eine Krankenschwester wird dort später arbeiten und die Patienten versorgen oder direkt nach Siem Reap ins Krankenhaus überweisen. Auch der Transport wird von Plan unterstützt. Das alles muss für die Menschen dort eine unglaubliche Erleichterung sein.
Aufwachsen in Sicherheit
Tief beeindruckt und sehr nachdenklich machen wir uns auf den Rückweg nach Siem Reap, der uns nun viel kürzer vorkommt. Und schon sind wir wieder in unserer Welt - und Orch und ihre Familie scheinen weit weg. Es ist für uns alle ein eindrucksvolles Erlebnis. Besondes auch für unsere Tochter Saveth, die in Phnom Penh geboren ist und nun endlich ihr Heimatland kennengelernt hat. Wir sind froh und dankbar, unsere Patenfamilie getroffen zu haben. Zu wissen, dass zumindest diese Kinder eine Chance erhalten, in Sicherheit vor Ausbeutung groß zu werden und zur Schule zu gehen. Wir sind ganz sicherlich nicht das letzte Mal in Kambodscha. Sehr gut finden wir auch, dass der Zugang der Paten zu den Patenkindern nur über Plan funktioniert - und somit der Schutz der Kinder gewährleistet ist.

