Hintergrundinformation weibliche Genitalverstümmelung
Die grausame Praktik findet vorwiegend in Afrika statt, vereinzelt aber auch in anderen Teilen der Welt. Vor allem bei der schlimmsten Form der Verstümmelung, der Infibulation, leiden die Mädchen oft lebenslang an den körperlichen und psychischen Folgen.Weibliche Genitalverstümmelung gibt es in 28 Ländern Afrikas, auf der arabischen Halbinsel in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman und Jemen sowie in folgenden Ländern Asiens: Indonesien, Malaysia und Indien. In Mali und Ägypten sind 95 Prozent aller Mädchen und Frauen beschnitten, in Äthiopien und Sierra Leone an die 90 Prozent.
Klitoridektomie: Teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris.
Exzision: Teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris und kleinen Schamlippen.
Infibulation (auch Pharaonische Beschneidung genannt): Vollständige Entfernung der Klitoris, kleinen Schamlippen und Teilen der äußeren Schamlippen. Die Reste der großen Schamlippen werden anschließend mit Dornen, Nadeln oder Fäden zugenäht, und nur eine maiskorngroße Öffnung für Urin und Menstruationsblut bleibt.
Die körperlichen und seelischen Folgen des Eingriffs
Der Eingriff bedeutet für die Mädchen unvorstellbare Schmerzen, die nur den Anfang meist lebenslanger Folgeprobleme darstellen. Sterben die Mädchen nicht bereits während des Eingriffs oder kurz danach durch Schock und Blutverlust bzw. Blutvergiftungen, kommt es im späteren Leben in der Regel zu chronischen Infektionen und lebensgefährlichen Komplikationen bei Geburten.
Die hohe Müttersterblichkeit in einigen Ländern Afrikas lässt sich auch auf die Folgen genitaler Verstümmelung zurückführen, da das Narbengewebe die Elastizität der Vagina stark beeinträchtigt. Häufig stirbt deshalb das erste Kind beschnittener Frauen. Viele Menschen glauben, dass so der Weg für das zweite Kind "frei gemacht" wird. Zysten, Inkontinenz oder Unfruchtbarkeit treten auf, und viele Mädchen und Frauen ertragen ihr Leben lang Schmerzen während der Menstruation, beim Urinieren und Geschlechtsverkehr.
Inkontinenz bedeutet für Mädchen aber auch die Gefahr, von ihren Familien und Dorfgemeinschaften ausgeschlossen zu werden, da sie als unrein gelten. Die sexuelle Empfindungsfähigkeit geht verloren, und viele Mädchen und Frauen erleiden durch den Eingriff und die in der Folge auftretenden Schwierigkeiten lebenslange seelische Traumata.
Warum müssen Mädchen das erleiden?
Die Begründungen, um das grausame Ritual zu rechtfertigen, sind vielfältig. Sie variieren von Region zu Region und von Volksgruppe zu Volksgruppe. Traditionen, Überlieferungen und religiöse Rechtfertigungen, von denen exemplarisch die wichtigsten aufgeführt sind, dienen Frauen und Männern als Grundlage zur Fortführung des Eingriffs:
- Initiation – die Verstümmelung gilt als Teil der weiblichen Initiation, dem Übergang vom Mädchen zur Frau, mit dem sie auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet werden.
- Gesellschaftliche Normen – nicht beschnittene Mädchen gelten als unrein. Sie erfahren eine gesellschaftliche Ausgrenzung, und eine Verheiratung ist in vielen Gesellschaften kaum möglich. In einigen Ländern glauben die Menschen sogar, dass nicht beschnittene Frauen keine Kinder gebären können.
- Schönheitsideal – nur beschnittene Mädchen gelten als schön.
- Sexualität – die Beschneidung von Mädchen soll Keuschheit und später in der Ehe Treue garantieren.
Die Genitalverstümmelung wird von den Vereinten Nationen eindeutig als Menschenrechtsverletzung definiert. Ihre Abschaffung ist nur durch eine Reihe von Maßnahmen zu erreichen:
- Aufklärung der Bevölkerung über die gesundheitlichen Risiken
- Bewusstseinsveränderungen bei Entscheidungsträgern herbeiführen
- Schaffung alternativer Einkommensquellen für die Beschneiderinnen
- Verschärfung der Gesetze und Rechtsprechung
Plan-Projekt in Mali - Mädchen vor Beschneidung schützen
Über 90 Prozent der Mädchen und Frauen in Mali sind an ihren Genitalien verstümmelt. Plan führt Aufklärungsveranstaltungen in Form von Theater und Videovorführungen, Radiosendungen und Gruppendiskussionen durch. Die Bevölkerung wird umfassend über die Risiken und Folgen desEingriffs aufgeklärt, so auch Dorfchefs, religiöse Führer, Hebammen und Beschneiderinnen.
Die sensible Aufklärungsarbeit zeigt erste Erfolge: Über die Verstümmelung wird endlich gesprochen. Einige Politiker und Gemeinderäte haben sich offen gegen dieses Ritual ausgesprochen. Außerdem nehmen Gesundheitszentren in den Programmgebieten keine Beschneidungen mehr vor.
Weitere Informationen zum Thema (PDF/Englisch)
Hintergrundpapier zum Thema weibliche Genitalverstümmelung (PDF/Deutsch)
Lesen Sie auch: Ägypten - Abkehr von grausamer Tradition



