Frühe Ehen, Ehren- und Mitgiftmorde

Millionen Mädchen weltweit müssen gegen ihren Willen und weit vor Erreichen ihrer Volljährigkeit Männer heiraten, die ihre Eltern ausgewählt haben.

Die möglichst frühe Verheiratung von Töchtern hat viele Gründe. Eine wichtige Rolle spielen dabei Tradition, Wertvorstellungen und nicht zuletzt auch wirtschaftliche Erwägungen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die niedrige gesellschaftliche Stellung von Mädchen, die als Ballast gelten, da ihre Verheiratung die Zahlung einer Aussteuer voraussetzt.

 

Die nationale Rechtsprechung mit Festlegung eines Mindestheiratsalters steht dabei häufig im Widerspruch zu traditionellen Bräuchen – so zum Beispiel bei einer Zeremonie im indischen Bundesstaat Rajasthan: Im Rahmen des jährlich stattfindenden religiösen Festivals Akhai-Teej verheiraten viele Familien ihre Töchter gleichzeitig, um Kosten für wiederholte Feierlichkeiten und große Aussteuern zu sparen, obwohl dies von der Regierung verboten worden ist.

 

Im östlichen und südlichen Afrika müssen Männer einen Brautpreis zahlen. Dieser Brauch kann dazu führen, dass Eltern in wirtschaftlichen Notzeiten junge Töchter gegen vier bis sechs Rinder "eintauschen". In anderen Ländern wiederum stellt die Erhaltung der Jungfräulichkeit von Töchtern einen wichtigen Beweggrund für deren frühe Verheiratung dar. Familien versprechen ihre Kinder schon in jungen Jahren untereinander, und sobald Mädchen ihre erste Periode bekommen, müssen sie in den Haushalt ihres Mannes einziehen.

 

Ehren- und Mitgiftmorde
Ehren- und Mitgiftmorde an Mädchen und jungen Frauen sind eine besondere Form der Gewalt, die selten staatsrechtlich verfolgt wird, da sie im privaten Umfeld stattfindet. Potenzielles Fehlverhalten wie zum Beispiel eine vermutete Freundschaft mit einem Jungen bringt in bestimmten Kulturen Schande über die Familie.

 

In manchen Gemeinschaften reichen der bloße Kontakt oder das Gespräch mit einem Nichtfamilienmitglied, ein unerlaubter Blick oder das Verlassen des Elternhauses ohne einen männlichen Begleiter. Mädchen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden, laufen Gefahr, von ihren männlichen Familienangehörigen umgebracht zu werden. Ehrenmorde geschehen in Pakistan, Indien, im Libanon, in Albanien und in der Türkei. In Pakistan wurden 1998 offiziell knapp 2.000 Mädchen und Frauen von Familienmitgliedern umgebracht. Die Dunkelziffer liegt vermutlich weit höher.



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Mehr Informationen zum Schutz von Mädchen:
Beschneidung von Mädchen in Afrika
Kinderarbeit in Indien/Afrika