Abtreibung weiblicher Föten

In Indien fehlen 40 Millionen Mädchen. Trotz gesetzlicher Verbote werden weibliche Föten abgetrieben oder Mädchen nach der Geburt getötet. Plan startete ein Projekt zum Schutz der Mädchen. Das deutsche unabhängige Centrum für Evaluation (CEval) analysierte und bewertete Anfang 2008 das Projekt, das Urteil: professionell und effektiv.

Jungen werden in Indien vielfach bevorzugt, nur Söhne können den Familiennamen weitertragen und sind erbberechtigt. Töchter dagegen gelten wenig in der Familie. Sie erhalten weniger zu essen als ihre Brüder, ihre medizinische Versorgung ist schlechter und sie besuchen seltener eine Schule. Mädchen sind oft eine finanzielle Belastung, denn traditionell zahlen die Eltern bei der Verheiratung eine hohe Mitgift an die Familie des Bräutigams, obwohl dies gesetzlich inzwischen verboten ist. Die Ehefrau zieht darüber hinaus in das Haus ihres Ehemannes, kann sich also nicht um ihre Eltern im Alter kümmern.

 

Umdenken gefordert
Um in der indischen Gesellschaft ein Umdenken und eine Verhaltensänderung zu erreichen, ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Tradition nötig. Von Juli 2005 bis September 2008 führt Plan Indien mit Mitteln aus dem Mädchen-Fonds ein Projekt dazu durch. Es trägt zur Reduzierung der Abtreibung weiblicher Föten bei. Das Projekt zielt dabei darauf ab,
• das Wissen bei 80 Prozent der Gemeindemitglieder über Risiken und Folgen der Abtreibung weiblicher Föten zu erhöhen,
• über die Bedeutung der Geburtenregistrierung zu informieren und sie um 35 Prozent zu steigern,
• institutionelle Mechanismen zur Umsetzung des gesetzlichen Verbots der Geschlechtsbestimmung vor der Geburt aufzubauen,
• ein Netzwerk von 20 Nichtregierungsorganisationen zur Durchsetzung der Rechte der Mädchen zu schaffen.

 

Die Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit jeweils einer lokalen Nichtregierungsorganisation in 49 Distrikten der vier Bundesstaaten im Norden Indiens durchgeführt, das sind Bihar, Jharkhand, Uttar Pradesch und Uttaranchal.

 

Registrierung von Geburten und Sterbefällen
Plan engagiert sich seit 2002 gegen die Abtreibung weiblicher Föten. Das brachte die Erkenntnis, dass die Abtreibungen in unmittelbarem Zusammenhang mit der niedrigen Geburtenregistrierung stehen. In Indien werden nur knapp über die Hälfte der geborenen Mädchen registriert. Ohne eine solche Registrierung sind sie jedoch „unsichtbar“ und im Falle von Kinderhandel oder sexuellem Missbrauch oft schutzlos. Die Täter bleiben meist unbestraft. Bei der Aufklärungs- und Lobbyarbeit werden deshalb beide Themen verknüpft. Zusätzlich unterstützt Plan in einigen Gemeinden auch die Einführung einer Sterbefallregistrierung, damit dokumentiert wird, wie viele Mädchen im Vergleich zu den Jungen nach der Geburt ihr Leben verlieren.

 

Projektevaluierung
Für eine erfolgreiche und nachhaltige Programmarbeit ist es wichtig, dass Projekte in regelmäßigen Abständen auch von externen Gutachtern bewertet und auf ihre Qualität geprüft werden. Für die ständige Verbesserung der Arbeit ist es wichtig, Stärken und Schwächen eines Projektes zu analysieren, um die gewonnenen Erfahrungen systematisch für weitere Projekte zu nutzen.

 

Plan Deutschland hat deshalb Anfang 2008 das Centrum für Evaluation (CEval) gebeten, eine solche Bewertung des Projekt in Indien durchzuführen. CEval ist ein wissenschaftliches Institut an der Universität des Saarlandes. Die Evaluierung des Projektes in Indien nahm CEval zwischen Januar und März 2008 zusammen mit einer unabhängigen lokalen Gutachterin vor.

 

Professionell und effektiv
CEval untersuchte und bewertete die Projektplanung, das Projektumfeld, die Umsetzung der Maßnahmen und den Nutzen des Projektes. Sie stellen in ihren Bericht heraus, dass die Aktivitäten sehr professionell und effektiv durchgeführt werden. Alle wichtigen Zielgruppen, wie Frauen, Jugendliche, medizinisches Personal, Lehrkräfte, Verwaltungsangestellte und Medienvertreter sind in das Projekt einbezogen.

 

Als besonders erfreulich sieht CEval die Arbeit auf Gemeindeebene als auch die Berichterstattung in den Medien an, sie zeigt schon jetzt deutliche Erfolge. Frauen-Selbsthilfegruppen führen mittlerweile eigenständig Schulungen durch und klären andere Gemeindemitglieder auf. Plan hat über die Zusammenarbeit mit den Medien eine kontinuierliche Berichterstattung erreicht, die auch über die Partnergemeinden hinaus Diskussionen anstößt.

 

Erfolge und Herausforderungen
Trotz vielfältiger Aufklärungsarbeit ist noch weitere Überzeugungsarbeit zu leisten. Dies liegt vor allem an einem hohen Personalwechsel in den Kommunen und an oftmals unzureichender Qualifikation der Verwaltungsmitarbeiter. Die lokalen Regierungen suchen jedoch mittlerweile den Dialog mit den Nichtregierungsorganisationen. Außerdem sind die Partner von Plan nun in Gremien als Experten vertreten. CEval weist auf deutliche Erfolge bei der Geburtenregistrierung in den Distrikten hin. Hier ist ein markanter Anstieg zu verzeichnen. Die Maßnahmen des Projekts sind ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung der Abtreibung weiblicher Föten.

 

Nachhaltig wird es einen Schutz der Mädchen vor und nach der Geburt aber erst geben, wenn sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft verbessert hat und ihre Rechte respektiert werden. Wenn sich also Eltern in Zukunft einfach auf ihr Kind freuen - auf den Sohn genauso wie auf die Tochter.

 

Lesen Sie den kompletten CEval-Bericht zum Thema. (PDF, englisch).

 

Auch die indische Seifenoper "Atmajaa" beschäftigte sich in 13 Folgen mit dem Thema Abtreibung weiblicher Föten. Plan unterstützte das Projekt.

 

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