Gemeinsam für ein Ende der Genitalverstümmelung
In Äthiopien sind schätzungsweise rund 74 Prozent der Frauen und Mädchen beschnitten - obwohl ein nationales Gesetz die Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung seit 2004 verbietet. Plan setzt sich dafür ein, einen öffentlichen Dialog über die Kinderrechtsverletzung anzuregen und Mädchen darin zu bestärken, sich gegen eine Fortführung der Praktik einzusetzen.Das Alter, in dem Mädchen in Äthiopien beschnitten werden, ist von Region zu Region unterschiedlich. Viele Mädchen werden schon im Säuglingsalter beschnitten, andere zwischen sieben und neun Jahren oder auch erst kurz vor der Hochzeit zwischen 15 und 17 Jahren. Die meisten Beschneidungen werden von traditionellen Beschneiderinnen unter unhygienischen Umständen vorgenommen. Neben unmittelbar auftretenden Komplikationen, wie beispielsweise hohem Blutverlust oder Entzündungen, die sogar zum Tod der Mädchen führen können, sind die psychischen und physischen Spätfolgen gravierend. Viele Frauen haben chronische Schmerzen und Geburten können zur Gefahr für Mutter und Kind werden.
Die Gründe für das Festhalten an der Genitalverstümmelung sind vielfältig. So glauben viele Menschen in Äthiopien, dass nur so die Sexualität einer Frau kontrolliert werden kann. Ebenso markiert die Praktik in vielen Gemeinschaften den Übergang des Mädchens in die Erwachsenenwelt. Da diese Tradition in vielen Gemeinden eine soziale Norm darstellt, befürchten Eltern, ihre Töchter würden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder keinen Ehemann finden, wenn sie nicht beschnitten sind.
Plan führt in allen vier äthiopischen Programmgebieten (Addis Abeba, Lalibela, Shebedino und Jimma) Maßnahmen durch, um die Einstellungen bezüglich dieser Tradition in den Gemeinden zu ändern und damit langfristig zu ihrer Abschaffung beizutragen. Die Projektaktivitäten sind vielfältig und dienen anfangs vorrangig dazu, das Schweigen über die Praktik zu brechen. In den Projektgemeinden werden beispielsweise Kinder- und Jugendclubs eingerichtet, die sich mit der Genitalverstümmelung und den Kinderrechten auseinander setzen. Komitees, in denen lokale und religiöse Autoritäten, Gesundheitshelfer und engagierte Gemeindemitglieder vertreten sind, kümmern sich um die Aufklärung in den Gemeinden. Ziel ist es, ein Dialogklima zu schaffen, das eine Entscheidung der Gemeinde, sich gegen die Praktik zu stellen, unterstützt.
Neben den Aktivitäten auf Gemeindeebene werden der breiten Öffentlichkeit umfangreiche Informationsmaterialien in Schulen, Universitäten, Bibliotheken und öffentlichen Treffpunkten zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig führt Plan mit seinen Partner auf nationaler Ebene Kampagnen durch, um das Gesetz gegen Genitalverstümmelung bekannter zu machen. Plan unterstützt Zeitungen, Radiostationen und Fernsehsender darin, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Für Journalistinnen und Journalisten werden Workshops angeboten, die vermitteln, wie das Thema Genitalverstümmelung für eine breite Öffentlichkeit in seiner Komplexität dargestellt werden kann. Durch Theater, Radiosendungen mit Frage- und Antwortmöglichkeiten und Dokumentarfilme sollen möglichst viele Menschen erreicht und überzeugt werden, sich für eine Abschaffung der Praktik einzusetzen.
Insgesamt soll durch das Projekt die Bereitschaft der Bevölkerung steigern, sich gegen die Praktik einzusetzen. Mädchen sollen selbstbestimmte Entscheidungen treffen können und vor den gesundheitlichen und psychischen Folgen dieser Kinderrechtsverletzung geschützt werden.



