Gemeinden schützen ihre Töchter vor Genitalverstümmelung
Die Tradition der weiblichen Genitalbeschneidung ist tief in der Gesellschaft Malis verwurzelt. Plan setzt sich auch dort für das Recht der Mädchen auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung ein. Eine erste Projektphase wurde im März 2009 erfolgreich abgeschlossen. Das laufende Folgeprojekt baut auf den Erfahrungen auf.In Mali sind etwa 92 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. Die Tradition war und ist Teil der Übergangsriten der Mädchen in das Erwachsenenleben, in denen sie auf ihre Rolle als Frau und Mutter sowie auf die Schmerzen bei der Geburt vorbereitet werden. Plan führt in Mali seit 2004 Maßnahmen durch, um einen öffentlichen Dialog über die Kinderrechtsverletzung anzuregen und Mädchen darin zu bestärken, sich gegen eine Fortführung der Praktik einzusetzen.
Erfahrungen in der Arbeit gegen Genitalverstümmelung haben gezeigt, dass die Abschaffung dieser Tradition nur über einen langfristigen, auf Respekt beruhenden Dialog mit allen Gemeindemitgliedern möglich ist. Da weibliche Genitalverstümmelung mit vielen unterschiedlichen Faktoren zusammenhängt, müssen die Bemühungen zur Abschaffung dieser Praktik ebenfalls vielschichtig und umfassend sein. Plan setzt sich deshalb dafür ein, dass weibliche Genitalverstümmelung auf den unterschiedlichsten Ebenen thematisiert wird.
Netzwerke bilden
Plan engagiert sich gemeinsam mit anderen Organisationen in nationalen Netzwerken gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Bis heute gibt es in Mali kein Gesetz, das diese Menschenrechtsverletzung unter Strafe stellt. Plan unterstützt deshalb Politikerinnen und Politiker bei der Ausarbeitung entsprechender Gesetzesvorlagen.
Aufklärung und Schulungen
Auf der Ebene der Aufklärung müssen Vorbilder aufgebaut und Meinungsführer sensibilisiert werden. Ein verantwortungsvoller Umgang der Medien mit dem Thema ist genauso notwendig wie die Erstellung didaktischer Materialien für den Schulunterricht. Lokale Nichtregierungsorganisationen benötigen finanzielle und technische Unterstützung und Schulungen. Außerdem ist es wichtig, alle Mitglieder der Gemeinde, Männer und Frauen, Mädchen und Jungen, Alte und Junge, in den Dialog einzubeziehen und den Zusammenhang zu den Kinderrechten deutlich zu machen.
Bisherige Erfolge
In vielen Gemeinden, die an den Maßnahmen bis März 2009 teilgenommen haben, ist das Thema weibliche Genitalverstümmelung kein Tabu mehr. Der kritische Dialog über das Thema wurde in Gang gesetzt und das Wissen über die Gefahren und Kinderrechtsverletzungen ist gestiegen.
25 Gemeinden haben sich zum Ende der ersten Phase entschieden, zukünftig ganz auf die weibliche Genitalverstümmelung zu verzichten. Die Gemeinden entwickelten Aktionspläne und gründeten ein Kontrollgremium, das die Umsetzung des gemeinsamen Beschlusses und der Aktionen überwacht.
Ein besonderer Erfolg des Projekts liegt in der offiziellen Stellungsnahme führender Muslime über die Verbindung von Religion und weiblicher Genitalbeschneidung. Auf einem Treffen der religiösen Führer aller acht Regionen verabschiedeten sie eine Deklaration, die besagt, dass weibliche Genitalverstümmelung weder eine Pflicht für Musliminnen ist noch die Wirksamkeit ihrer religiösen Handlungen, zum Beispiel der Gebete, einschränkt.



