Marie-Sonyne und das Lachen der Kinder
Marie-Sonyne ist 22 Jahre alt. Bis zu ihrem 18. Geburtstag war sie eines von 42.000 Plan-Patenkindern in Haiti. Vor ein paar Jahren nahm Marie-Sonyne an einem Plan-Projekt teil, bei dem Jugendlichen Sozial- und Führungskompetenz vermittelt wurden. Nun sorgt sie dafür, dass die Kinder in Croix-des-Bouquets das Lachen wieder lernen.Lautes Kinderlachen hallt von einem kleinen Platz in einem Dorf in der Nähe von Croix-des-Bouquets. Es ist dieses Lachen, das in der ganzen Gemeinde neue Hoffnung für ihre Heimat Haiti weckt.
Junge ehrenamtliche Mitarbeiter von Plan haben dafür gesorgt, dass Kinder sich treffen, um für ein paar Stunden das Erdbeben vom 12. Januar und den Schrecken darüber vergessen können. Über einhundert Jungen und Mädchen sind heute auf diesem kleinen Platz zusammengekommen. Und nach kurzer Zeit und ein wenig Anleitung durch die Plan-Mitarbeiter singen sie, tanzen sie, erzählen sich Geschichten und vor allem: sie lachen.
"Nach dem Erdbeben kamen die Kinder zu uns und sagten traurig: 'Die Schulen sind geschlossen. Was können wir jetzt machen?’ Daraufhin haben wir ganz schnell überlegt, was wir für die Kinder tun können“, berichtet Marie-Sonyne, eine von Plans ehrenamtlichen Helferinnen. Und schon vier Tage nach dem Erdbeben hatte sie die erste "Stunde“ für die Kinder organisiert. Jetzt treffen sie sich zweimal pro Woche. Zuerst kamen 30 Kinder, danach stieg die Zahl stetig an, auch weil immer mehr Familien weg aus Port-au-Prince und zu ihren Verwandten aufs Land ziehen, zum Beispiel in das kleine Dorf von Marie-Sonyne.
Gelerntes weitergeben
Marie-Sonyne ist 22 Jahre alt. Sie ist intelligent, redegewandt und kann sehr energisch werden. Bis zu ihrem 18. Geburtstag war sie eines von 42.000 Plan-Patenkindern in Haiti. Vor ein paar Jahren nahm Marie-Sonyne an einem Plan-Projekt teil, bei dem Jugendlichen Sozial- und Führungskompetenz vermittelt wurden. Mit solchen Programmen möchte Plan die jungen Menschen vor Ort stärken, ihre Zukunft und den Entwicklungsprozess in die eigenen Hände zu nehmen. Marie-Sonyne lernte bei Plan darüber hinaus eine Menge über die Organisation von Projekten, Kinderschutz und psychosoziale Betreuung. Außerdem entwickelte sie ihr eigenes kreatives Talent weiter, zum Beispiel im Zeichnen und Theaterspielen.
Als Marie-Sonyne sich entschloss, Lehrerin zu werden, übernahm Plan einen Teil ihrer Studiengebühren, da ihre Eltern das Geld für die Ausbildung nicht aufbringen konnten. Wegen des Erdbebens musste Marie-Sonyne ihr Studium unterbrechen. Bis sie an die Universität zurückkehren kann, will sie ihre Fähigkeiten nutzen, um ihrer Gemeinde zu helfen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen.
Geschichtenerzählen als erste Hilfe
Marie-Sonyne und ihre ehrenamtlichen Kollegen spielen nicht nur mit den Kindern und unterrichten sie mit Hilfe von einfachen, farbenfrohen Postern, sondern sie bestärken die Kinder auch darin zu erzählen, was sie während des Erdbebens erlebt haben. "Wir fragen die Kinder, wo sie zum Zeitpunkt des Erdbebens waren – zu Hause, bei ihrer Mutter oder in der Schule. Anschließend geben wir ihnen ein Blatt Papier und bitten sie beispielsweise zu zeichnen, wie sie sich selbst sehen“, erklärt Marie-Sonyne.
Einige der älteren Kinder, vor allem Mädchen, sitzen auf provisorischen Bänken und basteln rosafarbene Blumen aus Seidenpapier und einem Stück Band. "Rosa symbolisiert Hoffnung für Haiti. Wir wollen zeigen, dass es noch immer Hoffnung gibt, auch wenn wir viel verloren haben und es keine Schulen gibt.”
Schnell handeln
Marie-Sonyne und dreißig weitere, junge, ehrenamtliche Mitarbeiter haben vor Kurzem im Plan-Büro in Croix-des-Bouquets an einem Workshop teilgenommen, der von Frantzy Gerard, einem Psychologen von Plan Haiti, und Dr. Unni Krishnan, einem internationalen Experten für Katastrophenbewältigung, geleitet wurde.
Dr. Unni Krishnan erläuterte, wie bedeutsam die "Emotionale Erste Hilfe“ und die psychosoziale Betreuung von Kindern nach einer Naturkatastrophe sind. "Die Psyche des Menschen ist wie ein Ballon – bei zu starker Belastung kommt es eines Tages zum großen Knall.“ Schnell zu handeln, ist wichtig, damit die Kinder den Druck und die Angst loswerden können. Schon allein, über das Erdbeben zu schreiben oder Bilder zu malen, kann die Jungen und Mädchen vor schweren psychosozialen Folgen bewahren.
Nachdem es Marie-Sonyne gelungen ist, die über einhundert Kinder in ihrem Dorf zusammenzubringen und zum Lachen zu bringen, plant sie als nächstes, den Eltern zu helfen, die ihre Kinder zu den Unterrichts- und Spielstunden begleiten. „"ch habe festgestellt, dass sie ebenfalls Hilfe brauchen, besonders die Mütter. Ich möchte auch mit ihnen über ihre Erfahrungen sprechen – und darüber, was sie tun, um ihren Kindern zu helfen.“
Das ARD-Mittagsmagazin berichtete in einem Beitrag über die Arbeit von Marie Sonyne.

