Jo-Ann und die Gleichberrechtigung
Jo-Ann leitet eine Gruppe von 30 jungen freiwilligen Helfern. Sie verteilen Lebensmittel unter gefährlichen Umständen und kümmern sich um die Betreuung der vom Erdbeben traumatisierten Kinder in den Camps.Jo-Ann ist eine kleine Frau mit vielen, großen Stärken – ihr Lächeln ist nur eine davon. Jo-Ann leitet eine Gruppe von 30 jungen, freiwilligen Helfern, die gemeinsam mit Plan in Haiti Hilfsgüter verteilen. Darüber hinaus helfen sie den Betroffenen im Erdbebengebiet ganz unmittelbar, in dem sie emotionale Unterstützung oder traumatisierten Kindern psychologisch geschulte Betreuung anbieten.
Die freiwilligen Helfer in Jo-Anns Team – die erste von vielen, die Plan ausgebildet hat – besteht aus Studenten, die plötzlich keine Universität mehr haben, und aus Lehrern, deren Klassenzimmer und Schulen beim Erdbeben vom 12. Januar zerstört wurden. Viele von ihnen haben zudem privat alles verloren. Trotzdem wollen sie dazu beitragen, den Kindern ihrer Heimat zu helfen, die Katastrophe und ihre Folgen zu überwinden.
Das Team von Jo-Ann hat heute Lebensmittelpakete an 200 Familien in Port-au-Prince verteilt. Die Aktion verlief reibungslos, ohne gewaltsame Zwischenfälle - eine große Leistung in einer von Tod und Zerstörung gezeichneten Stadt. Die Vereinten Nationen informieren die Hilfsorganisationen über die angespannte Sicherheitslage in Haitis Hauptstadt, doch Jo-Anns Charme hilft vielerorts, angespannte Nerven zu beruhigen. Nun versucht Jo-Ann gemeinsam mit ihrer Gruppe in den Zeltstädten, die nach dem Beben überall entstanden sind, nicht registrierte und von ihren Familien getrennte Kinder ausfindig zu machen, weil diese besonders gefährdet sind, Opfer von Missbrauch und Kinderhandel zu werden. Jo-Ann kennt viele Menschen, und die Menschen in Port-au-Prince kennen sie. Persönliche Beziehungen sowie Jo-Anns unkomplizierte Art und ihr breites Lächeln sind der Grund, warum Menschen wie sie für diese Arbeit unverzichtbar sind.
Wir haben die gleichen Rechte wie ihr
Fragt man Jo-Ann, wie sie es schafft, ein Team zu leiten, dem vor allem Männer angehören – vom Macho bis zu Männern, die einige Jahre älter sind als sie – berichtet sie von Plans Jugendprogrammen, an denen viele Jahre teilgenommen hat. "Es ist nicht leicht, aber als Jugendliche haben wir gelernt, dass Mädchen die gleichen Rechte haben wie Jungen. Daher sage ich den Männern einfach, dass wir gleichberechtigt sind.“ Auch wenn die fast Männer fast doppelt so groß sind wie sie, Jo-Ann schleppt genauso die großen Säcke mit den Nahrungsmittelpaketen. "Ich fühle mich genauso stark wie die Männer“, erklärt sie.
In den vergangenen Jahren hat es in Haiti einige Fortschritte bei der Stärkung von Mädchen- und Frauenrechten gegeben. Jo-Ann macht sich nun Sorgen, dass infolge des Erdbebens einige dieser Perspektiven wieder zunichte gemacht werden könnten und dies mit den verschlechterten Lebensumständen erklärt wird. „Das Erdbeben war ein schwerer Rückschlag für die Entwicklung in Haiti“, sagt Jo-Ann und fürchtet, dass die Menschen versuchen, Geld zu sparen, wenn sie ihren Töchtern den Besuch einer Schule oder Universität verwehren. Jo-Ann weiß, dass diese vielschichtigen Probleme nur gelöst werden können, wenn sie in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden.
"Kommunikation ist der Schlüssel, um die Gesellschaft zu verändern“, bringt sie es auf den Punkt. Sobald in Haiti Alltag und Normalität wieder einkehren, will Jo-Ann ihr Studium der Kommunikationswissenschaften fortsetzen und mit all ihrer Stärke und mit ihrem Lächeln zur Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen in Haiti beitragen.

