Caroline und der Wiederaufbau
Heidi Reed von Plan Kanada unterstützte im Februar zwei Wochen lang die Medienarbeit von Plan in Haiti. Ihre Eindrücke beschreibt sie sehr lebendig im Blog Weltgeschichten. Hier ihr Bericht über ein Gespräch, dass sie mit der jungen haitianischen Journalistin Caroline führte.Caroline ist eine junge Journalistin, die Geschichte schreibt. Am 26. Februar 2010 berichtet sie aus einer durch das Erdbeben schwer verwüsteten Küstenstadt. Es geht um ein Ereignis, das bisher einmalig auf der Welt ist: Kinder werden in Entscheidungen einbezogen, die die Zukunft ihres Landes betreffen. In Haiti, mit fast 60 Prozent der Bevölkerung unter 19 Jahre, ist das ein großer Erfolg. Zugleich demonstriert das Land allen Staaten der Welt, wie die Ansichten von Kindern bei der Ausarbeitung von Plänen berücksichtigt werden können.
Die Meinung von Kindern und Jugendlichen ist gefragt
Mit der Unterstützung von UNICEF organisierte Plan eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 24 Jahren, fast 500 Mädchen und 500 Jungen. Stellvertretend für ihre Altersgenossen im Land brachten sie ihre Vorstellungen und Wünsche für Haitis Zukunft zum Ausdruck. Die Ergebnisse der Umfrage fließen in den nationalen Wiederaufbauplan für Haiti ein. Dieser wird neben der UNO auch von der EU, der Internationalen Entwicklungsbank, der Weltbank und der Regierung von Haiti unterstützt und am 31. März 2010 in New York vorgestellt.
Ich traf die 18-jährige Caroline, die ein Jahr vor dem Schulabschluss steht, erstmals vor ein paar Tagen bei einem ganztägigen Seminar von Plan über den Wiederaufbauplan für Haiti. Ich beobachtete, wie sie sich während der gesamten Veranstaltung umfangreiche Notizen machte. In der Pause erzählte sie mir, dass sie seit acht Jahren an einem Jugend-Medien-Programm von Plan teilnimmt. Jeden Samstagabend moderiert sie eine Radioshow für Jugendliche.
Das Erdbeben und seine Folgen
Carolines Haus stürzte bei dem Erdbeben nicht ein, doch im Mauerwerk bildeten sich tiefe Risse. Sie und ihre Großfamilie leben jetzt in einem Familienzelt. In den Tagen nach dem Erdbeben verteilte Plan Hunderte solcher Zelte. Auf meine Frage, wie es ist, in einem Zelt zu leben, antwortet sie: "Es gefällt mir nicht besonders, denn es ist nicht so wie in einem eigenen Zuhause.“ Sie fügt hinzu, dass es anfangs eine große Umstellung war, ständig von Fremden umgeben zu sein. Doch knapp sechs Wochen nach dem Erdbeben kennt sie ihre neuen Zeltnachbarn schon viel besser. Wenn sie ein richtiges Bad benutzen will, läuft sie zu ihrem Elternhaus und hofft, dass es kein Nachbeben gibt, während sie im Haus ist. Wie fast jeder, mit dem ich in Haiti gesprochen habe, fürchtet Caroline, dass die Erde erneut beben könnte. "Ich versuche zu vergessen“, sagt sie. "Aber es ist nicht leicht.“
Als ich Caroline nach ihren Vorstellungen für Haitis Zukunft frage, antwortet sie: "Ich wünsche mir Veränderungen. Ich möchte, dass die Regierung und andere Führungspersönlichkeiten sich an ihre Verantwortung gegenüber der haitianischen Bevölkerung erinnern.“ Ich hake nach, welchen großen Wunsch sie noch hat. Ihre Augen leuchten und sie erklärt: „Eine Kamera. Wie kann ich eine richtige Journalistin sein, wenn ich der Welt nicht zeigen kann, was ich sehe?“

