Wenn Mädchen Mütter werden

Einer Eheschließung in jungen Jahren folgen zumeist frühe Schwangerschaften und – mangels Möglichkeiten der Familienplanung – rasch aufeinander folgende Geburten, was die gesundheitliche Situation von Mädchen und jungen Frauen stark beeinträchtigt.

 

So bekommen jährlich schätzungsweise 15 Millionen Teenager unter 20 Jahren ein Kind, von denen wiederum 150.000 an den Komplikationen während der Geburt oder an den Folgen unsachgemäß durchgeführter Abtreibungen sterben.

 


Bekommen Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren ihr erstes Kind, so ist die Müttersterblichkeitsrate fünfmal höher als bei jungen Frauen, die zwischen dem 20. und 24. Lebensjahr erstgebärend sind. Hinzu kommt, dass in Entwicklungsländern lediglich zwei Drittel aller schwangeren Frauen gegen Tetanus geimpft sind.
 

 

Mehrere Faktoren führen zu diesen dramatischen Zahlen:

  • Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren sind körperlich selten ausgereift, um Geburten relativ problemlos zu überstehen. Die Mangel- und Fehlernährung, insbesondere Jod- und Eisenmangel in jungen Lebensjahren, führt zu schwerwiegenden Folgen bei Schwangerschaft und Geburt. Insbesondere Mädchen und Frauen, die im Kindesalter beschnitten wurden, leiden unter Komplikationen und hohen Blutverlusten.
  • Die vergleichbar hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeitsrate liegt im Wesentlichen darin begründet, dass über 50 Prozent aller Entbindungen ohne Unterstützung von medizinisch geschultem Personal stattfinden.
  • Säuglinge untergewichtiger Mütter kommen in der Regel auch mit Untergewicht zur Welt und sind dementsprechend anfälliger für Krankheiten. Verschärft wird die Situation durch zu rasch aufeinander folgende Geburten, sodass Mütter ihre Säuglinge selten genügend stillen und aufgrund ihrer Armut auch keine spezielle Babynahrung kaufen können.

Mädchen – Menschen zweiter Klasse?
Die Diskriminierung von Mädchen im Bereich der Ernährung und Gesundheitsversorgung liegt in erster Linie in gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Normen begründet. Einerseits gibt es große regionale Unterschiede, andererseits auch viele Parallelen in Bezug auf die Auswirkungen auf die Lebenssituation von Mädchen.


Ehe und Mutterschaft stellen in vielen Ländern die Voraussetzung für die gesellschaftliche Anerkennung von Frauen dar. In der Regel verlassen Mädchen mit ihrer Verheiratung die elterliche Familie und ziehen in den Haushalt der Schwiegerfamilie. Somit entfällt eine Arbeitskraft im elterlichen Haushalt, und nur die Söhne bleiben, um die Versorgung der Eltern im Alter sicherzustellen.
 

  • Ein Mädchen aufzuziehen "rentiert" sich nicht, denn sie verlassen sowieso das Elternhaus. Je früher eine Tochter verheiratet ist, desto weniger belastet sie die Haushaltskasse.

  • Das Gebären männlicher Nachkommen sichert den Erhalt einer Familie oder eines Clans. Frauen versuchen, möglichst viele Söhne zu bekommen, um im Alter selbst versorgt zu sein.

  • Im Hinduismus hat der Tod eine besondere Bedeutung für die Menschen. Nur Söhne dürfen die feierliche Zeremonie der Verbrennung der Toten ausführen.

  • Junge Mädchen noch vor der Pubertät zu verheiraten, garantiert ihre Jungfräulichkeit, die in vielen Gesellschaften Voraussetzung für die Eheschließung ist.

  • Mangelnde Sexual- und Gesundheitsaufklärung führt zu ungewollten, zu frühen und zu rasch aufeinander folgenden Schwangerschaften. Sexualität ist sehr häufig ein Tabu-Thema, über das weder in der Gesellschaft noch in den Familien gesprochen wird.


Projekt in El Salvador: Reduzierung früher Schwangerschaften

 
Frühe Schwangerschaften führen in El Salvador zu einer gravierenden Ausgrenzung von Mädchen. Im nationalen Krankenhaus für Mütter waren 2005 knapp ein Drittel aller schwangeren Mädchen unter 19 Jahren.

 
78 Prozent dieser Teenager-Mütter brechen aufgrund sozialer Diskriminierung und Stigmatisierung die Schule ab. Viele dieser frühen Schwangerschaften sind nicht gewollt, sondern beruhen auf sexuellem Missbrauch der Mädchen. So hatten gemäß einer nationalen Erhebungen zur Gesundheit von Familien 2002/2003 33 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren ihren ersten sexuellen Kontakt mit einem Mann über 25 Jahren.

 
Plan El Salvador will zu einer Reduzierung der frühen Schwangerschaften in 45 Gemeinden beitragen. 450 junge Mädchen sollen in ihren Rechten gestärkt und über geschlechtsspezifische Probleme informiert werden. In speziellen Zentren für Gewaltopfer sollen betroffene Mädchen psychologische Betreuung und Rechtsbeistand erhalten. Darüber hinaus sind Schulungen über Kinderrechte und die sozialen Folgen früher Schwangerschaften für die Verantwortlichen im Gesundheits-, Justiz- und Erziehungsbereich geplant, damit diese ihren Umgang mit Teenagemüttern verändern.


Mit den Familien soll diskutiert werden, wie sie die Mütter im Teenageralter unterstützen können - zum Beispiel dabei, einen Schulabschluss zu erlangen. Jugendliche sollen sich in Jugendgruppen organisieren, sich an Aufklärungskampagnen zur Verhinderung früher Schwangerschaften beteiligen und sich über Gender und verantwortungsbewusstes Sexualverhalten austauschen.